„Stadtschreiber zu sein, ist ein Geschenk“ Clemens Meyer kommt in Bergen-Enkheim an

Bergen-Enkheims neuer Stadtschreiber Clemens Meyer ist entspannt im Stadtteil angekommen. Foto: sh

Bergen-Enkheim (sh) – Um sein „Amt“ als Stadtschreiber von Bergen-Enkheim anzutreten, hat sich Clemens Meyer mit dem Zug auf den Weg von Leipzig nach Frankfurt gemacht. Angekommen sei er in Bergen-Enkheim „ganz entspannt“, wie er sagte. Möglicherweise lag das auch daran, dass ihm Bergen-Enkheim bereits vertraut ist.

Als Thomas Rosenlöcher 2011 das Amt des Stadtschreibers von Bergen-Enkheim innehatte, hatte dieser ihn nach Bergen-Enkheim eingeladen. „Man hat hier eigentlich nicht das Gefühl, in Frankfurt zu sein. Es ist eher dörflich“, sagte Meyer. Auch er wird im Lauf seines Stadtschreiberjahrs Menschen nach Bergen-Enkheim einladen – wer das sein wird, darüber denkt er noch nach. „Es müssen nicht zwangsweise Autoren sein. Auch Leute vom Theater sind möglich“, erklärte Meyer. Außerdem plane er keine klassische Lesung, „eher eine Talkrunde“, sagte der 41-Jährige.

Der Stadtschreiber von Bergen-Enkheim hat Wohnrecht im Stadtteil

Der Literaturpreis „Stadtschreiber von Bergen-Enkheim“ ist mit 20.000 Euro dotiert. Außerdem erhält der Stadtschreiber das Wohnrecht im Stadtschreiberhaus an der Oberpforte, um dort ungestört arbeiten zu können. Die Mittel für Preisgeld und Wohnung inklusive Nebenkosten werden im Haushaltsplan des Bergen-Enkheimer Ortsbeirats ausgewiesen. Die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim unterstützt und begleitet die Amtsinhaber. Wer den Preis erhält, darüber befindet die Stadtschreiberjury.

Clemens Meyer freut sich, in Bergen-Enkheim ungestört arbeiten zu können

„Stadtschreiber von Bergen-Enkheim zu sein, ist ein Geschenk. Ich kann es gut gebrauchen, hier ein Jahr wirken zu können und mich zurückziehen zu können“, sagt Meyer. Auch wenn der Familienvater einräumt, dass er sich aufgrund seines Privatlebens nicht dauerhaft in Bergen-Enkheim aufhalten werde. Rein wirtschaftlich betrachtet sei das Amt des Stadtschreibers ebenfalls nicht unerheblich. „Von dem Geld bezahle ich Rechnungen. Das nimmt den Druck“, erklärte er.

Der Autor arbeitet derzeit wieder an einem Roman

Derzeit arbeitet der Autor von „Als wir träumten“ und „Im Stein“ wieder an einem Roman. „Es ist eine groß angelegte Geschichte, an der ich schon länger arbeite. Da ist es ein guter Zufall, dass ich jetzt durch den Stadtschreiberpreis in Ruhe in einem Refugium daran weiterarbeiten kann“, sagte Meyer. In seiner Heimatstadt Leipzig hat der Schriftsteller eine kleine Bürowohnung, in die er sich zum Schreiben zurückzieht. Beruf und Privatleben hält er getrennt.

Im Stadtschreiberhaus zu arbeiten, hat etwas Mythisches

In dem Haus zu arbeiten, in dem vor ihm bereits eine Reihe namhafter Schriftsteller tätig waren, habe etwas Mythisches, sagte Meyer. Kurios sei der Moment gewesen, als er erfahren habe, dass er zum Stadtschreiber von Bergen-Enkheim ernannt worden sei. „Ich habe auf der Rückreise von New York, wo ich als Dozent an einer Universität unterrichtet habe, mein Mobiltelefon verloren. Das inspirierte mich dazu, einmal eine Handy-Auszeit zu nehmen“, erinnerte sich Meyer. Während dieser Zeit versuchte Adrienne Schneider, Tochter des Stadtschreiber-Preis-Gründers Franz-Josef Schneider und Mitglied der Stadtschreiber-Jury, verzweifelt, ihn zu erreichen. Schließlich habe er eine E-Mail von Schneider erhalten, in der sie ihn dringend um einen Rückruf bat. „Da ahnte ich schon, worum es ging und habe mich sofort bei ihr gemeldet“, erzählte Meyer.

Meyer hat eine Rolle im Tatort des hr übernommen

Noch bevor es für ihn in das Festzelt des Berger Markts zur Amtsübergabe durch seinen Vorgänger Thomas Melle und ans Rednerpult zur Antrittsrede ging, hatte Meyer bereits in Frankfurt einen Drehtag absolviert. Meyer hat nämlich häufig kleine Gastauftritte in Filmen, zu denen er das Drehbuch geschrieben hat. Beim neuen hr-Tatort, der voraussichtlich frühestens Ende kommenden Jahres ausgestrahlt wird, hat er sogar eine kleine Rolle übernommen. „Ich spiele einen Radiomoderator“, sagt er. Der Drehtag sei anstrengend gewesen, habe aber viel Spaß gemacht und sei auf jeden Fall eine neue Erfahrung gewesen.

Der Stadtschreiber ist in der Literatur zu Hause

Mit 28 Jahren hat Meyer seinen ersten Roman „Als wir träumten“ veröffentlicht. Seitdem lebt er von der Schriftstellerei. Das sei immer sein erklärtes Ziel gewesen. Einen „Plan B“ habe es nicht gegeben. „Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Literatur ist ein Raum, in dem ich zu Hause bin“, sagt der 45. Stadtschreiber von Bergen-Enkheim.

Seine Antrittslesung wird Clemens Meyer am 24. Oktober um 19 Uhr in der Nikolauskapelle halten.

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