Naturfreundin entsetzt über Vorgehen bei Gehölzarbeiten

Rückschnitt am Berger Südhang erhitzt Gemüter

Renate Kostecki beklagt, dass bei Rückschnittarbeiten am Berger Südhang Bäume verletzt wurden. Foto: sh

Bergen-Enkheim (sh) – Renate Kostecki liebt die Natur und geht gerne am Berger Südhang – im Gebiet zwischen dem Riedbad und dem Ludwig-Emmel-Weg – spazieren. Als das Wetter wieder freundlicher wurde und die Bergen-Enkheimerin die Idylle genießen wollte, traute sie ihren Augen nicht: Bei Rückschnittarbeiten wurden Bäume verletzt und die Schnitte nicht sauber ausgeführt.

„Ich kenne hier jeden Baum“, sagt sie, als sie sich mit ihrer Freundin Katharina Bornscheuer auf den Weg hinter dem Schwimmbad macht. Am Wegesrand liegen Baumteile, die an der Schnittstelle abgerissen aussehen. „Da wurde maschinell gearbeitet“, ist sich Kostecki sicher. Warum an dieser Stelle das Geäst gekappt wurde, erschließt sich ihr nicht. „Der Weg ist eigentlich breit genug“, sagt sie. Dann entdeckt sie unter den abgetrennten Ästen Weidenkätzchen. „Die sind wichtig für die Hummeln, denn diese finden dort ihre erste Nahrung. Weidenkätzchen dürfen nicht einfach abgeschnitten werden“, erklärt die engagierte Naturfreundin. Sie findet viele der vorgenommenen Rückschnittarbeiten „absurd“, wie sie sagt. „Es wurden Haselnusssträucher zurückgeschnitten. Das ist unnütz, denn die wachsen nach oben und ragen überhaupt nicht in den Weg hinein.“

Renate Kostecki beklagt, dass beim Rückschnitt brutal vorgegangen wurde

Was Kostecki und Bornscheuer besonders negativ auffällt, ist die Brutalität, mit der die Arbeiten ausgeführt wurden. „Wir waren entsetzt, als wir das gesehen haben. Bei den Arbeiten wurden Bäume, die stehengelieben sind, so stark verletzt, dass sie wahrscheinlich in den kommenden Jahren sterben werden“, beklagen die beiden Frauen.

Das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) und die Obere Naturschutzbehörde, also das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, erklärten, dass für das Freihalten der Wege entsprechende Rückschnitte notwendig seien. Das ASE komme damit seiner Verkehrssicherungspflicht nach, da die Wege am Berger Südhang öffentlich zugänglich sind. Laut Regierungspräsidium seien regelmäßige Gehölzrückschnitte im Naturschutzgebiet Berger Hang zwingend erforderlich, um die Zufahrtswege für Mähfahrzeuge zu den orchideenreichen Magerwiesen offenzuhalten. Um den Orchideenreichtum zu erhalten, müssten die Magerwiesen regelmäßig gemäht werden. Dies stehe „in seiner Wertigkeit über allen anderen Aspekten“, teilte das RP Darmstadt mit.

Ein Unimog mit Mähbalken ist laut Amt für Straßenbau und Erschließung im Einsatz gewesen

Laut ASE kam für den Rückschnitt ein Unimog mit Mähbalken zum Einsatz, aber anders als bei üblichen Rückschnittarbeiten sei nicht vorgegangen worden, hieß es seitens beider Behörden. Zudem sei laut RP Darmstadt das Vorgehen mit der Unteren Naturschutzbehörde und den anerkannten Naturschutzverbänden zuvor abgesprochen worden.

Renate Kostecki und Katharina Bornscheuer haben beim Betrachten ihres Spazierwegs eine andere Wahrnehmung von den maschinellen Arbeitsmethoden gewonnen. „Wir haben nicht den Eindruck, dass mit dem nötigen Sachverstand vorgegangen wurde “, sagen die beiden Freundinnen.

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