Beratung, Betreuung, Begegnung 30 Jahre Günter-Feldmann-Zentrum

Dascha Geyer singt ein russisches Scherzlied über Sonnenblumenkerne. Foto: Faure

Ostend/Bornheim (jf) – Noch ein bisschen zusammenrücken bitte, weil die zusätzlichen Stühle die Fluchtwege nicht verstellen dürfen. Es wurde eng im Clubraum des Saalbaus Bornheim – so viele Gäste waren zum 30-jährigen Bestehen des Günter-Feldmann-Zentrums gekommen.

Sofja Vinarskaia, Geschäftsleiterin und Vereinsvorsitzende, begrüßte die Gäste. Luba Fomychova führte durch das Programm und begann mit der Geschichte des 1988 unter dem Namen „Pädagogisch-psychotherapeutisches Beratungs- und Fortbildungszentrum“ gegründeten Vereins. Der Kinder-, Jugend- und Familientherapeut Günter Feldmann, Holocaust-Überlebender und langjähriger Leiter der Jüdischen Erziehungs- und Beratungsstelle in Frankfurt, war, wie Alexander Freischist, Besucher des Zentrums, in einem Gedicht formulierte, „ein ungewöhnlicher Professor und Jude“. Feldmann rief dazu auf, die eigenen Talente zu nutzen, er lebte mit Neugier, heißt es weiter.

Dann sprach der Sohn und Oberbürgermeister Peter Feldmann: „Ich kann mich daran erinnern, wie mein Vater das Zentrum gründete. Inzwischen ist das Günter-Feldmann-Zentrum, das 2006, als mein Vater starb, nach ihm benannt wurde, eine etablierte Größe in der Stadt. Es bedeutet vor allem Gemeinschaft, Offenheit und Nähe und ermöglicht Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, eine neue Heimat zu finden.“ In Frankfurt leben 50 Prozent Migranten aus 180 Nationen. „Die Stadt hat seit mindestens 2000 Jahren Integrationserfahrungen und hatte davon immer Vorteile“, unterstrich der Oberbürgermeister. 2016 erhielt das Günter-Feldmann-Zentrum den Integrationspreis der Stadt. „Ich weiß, mein Vater lebt in diesem Zentrum fort, das von vielen getragen wird“, sagte Peter Feldmann abschließend.

Das Zentrum ist für alle da, neben dem Schwerpunkt der pädagogischen und psychosozialen Beratung werden Deutsch- und Englischkurse angeboten, Nachhilfe für Kinder und Jugendliche. Es gibt Musik und Ausstellungen, sogar eine zweibändige Veröffentlichung unter dem Titel „Kriegskinder“ wurde herausgegeben.

Michael Bourgeon, Leiter des Evangelischen Zentrums für Beratung und Therapie am Weißen Stein, kam anschließend zu Wort: „Ich habe Günter Feldmann viel zu verdanken, er war mein Lehrer.“ 1988 habe der Therapeut seine vielen Kontakte genutzt, um das pädagogisch-psychotherapeutische Zentrum zu gründen, musste jedoch noch mit den Vorschriften des deutschen Vereinswesens kämpfen. „Von Anfang war es dem Zentrum wichtig, Hilfe suchende Menschen mit niedrigschwelligen Angeboten zu erreichen“, betonte Bourgeon. Nach 30 Jahren sei das Zentrum eine kompetente Beratungseinrichtung, die bei unterschiedlichen Kulturen für gegenseitige Anerkennung wirbt.

Der Regionalgeschäftsführer des Paritätischen Hessen, Michael Zimmermann-Freitag, ging auf die Situation 1988 ein: Das Gesetz zur Erhöhung der Abgeordnetendiäten scheiterte in Hessen, Ost und West näherten sich an, der Holocaust war fast 50 Jahre her. In diesem Umfeld sei das Zentrum ins Leben gerufen worden. Seit 2011 gibt es Angebote für Kinder und Jugendliche, seit 2016 Bewegungs- und Tanzkurse, seit 2017 Begleitung mit Sprachhilfe und Übersetzung. „Das alles passt perfekt zum Paritätischen, dessen Mitglied das Zentrum seit 1992 ist“, bekräftigte Zimmermann-Freitag und bemerkte: „Das Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft muss immer wieder neu gelernt werden.“

Jumas Medoff, Vorsitzender der Kommunalen Ausländervertretung, bestätigte: „Das Günter-Feldmann-Zentrum hat 30 spannende Jahre hinter sich. Mit 30 ist man noch ein junger Erwachsener, das Zentrum hat also noch viel vor.“

Wöchentlich kommen rund 200 Besucher in die Räume in der Waldschmidtstraße, immer gibt es interessante Begegnungen.

Zwischen den einzelnen Ansprachen wurden Bilder gezeigt, kleine kulturelle Darbietungen umrahmten die Feier: Dascha Geyer spielte auf dem E-Piano und trug ein Scherzlied über Sonnenblumenkerne auf Russisch vor, Sima Teffner spielte auf dem Klavier eine Komposition von Veniamin Chernitskiy, Raissa Jiang bot Zen-Atemübungen an, Jemal Malasidze spielte auf der Gitarre, Elina und Ronald Gurevitsch begeisterten mit einem Tanz.

Eine gelungene Feier, die von vielen mitgestaltet wurde, den Organisatoren und Aktiven gilt ein großes Dankeschön.

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