„Frösche können gute Eltern sein“

Amphibien-Expertin Lisa Schulte forscht nun im Zoo

Miguel Casares (von links), Ina Hartwig, Lisa Schulte und Sven Klimpel. Foto: Faure

Ostend (jf) – Hinter dem Podium in der Freiflughalle des Faust-Vogelhauses im Zoo sind Banner aufgestellt, eines davon zeigt einen großen grünen Frosch mit riesigen roten Augen. Er passt gut ins Bild, denn mit Fröschen beschäftigte sich Lisa Schulte schon als Kind. Nun wurde die promovierte Biologin zur ersten Kooperations-Professorin berufen; vor zwei Jahren war die Einrichtung einer Stiftungsprofessur für „Zoo-/Wildtierbiologie und Systematik“ beschlossen worden.

„Auch Wissenschaft kann spannend sein“, leitete Zoodirektor Miguel Casares das Pressegespräch ein. Forschung gehöre seit Jahren zu den Hauptaufgaben der beliebten Freizeiteinrichtung, das werde nun mit dieser Professur vertieft. Kulturdezernentin Ina Hartwig machte auf die ungewöhnliche Umgebung aufmerksam: „Ein Pressekonferenz mit Vogelgezwitscher gibt es auch nicht so oft.“ Die Professur biete neue Möglichkeiten, ein Modul dabei ist der Zoo. „Wildtiere sind weit schwieriger zu beobachten“, äußerte Hartwig.

Die Stiftungsprofessur, ein Novum in der Zusammenarbeit zwischen Zoo und Goethe-Universität, wird fünf Jahre lang vom Zoo getragen, 250.000 Euro stellt die Stadt dafür zur Verfügung. Nach diesen fünf Jahren übernimmt die Universität die Stelle. Sven Klimpel, Dekan des Fachbereichs Biowissenschaften, erklärte, dass es in Hessen seit 2016 Qualifikations-Professuren gäbe. Im Bewerbungsprozess hätten die Unterlagen von Lisa Schulte herausgeragt; sie forschte in Peru, schloss ihre Promotion in Trier mit Bestnoten ab, studierte in den USA und war als Postdoktorandin in Brüssel.

Brutpflege von Fröschen war ihr Steckenpferd

Nicht nur im Zoo und an der Goethe-Universität, sondern auch am Forschungsinstitut Senckenberg finde Lisa Schulte nun beste Bedingungen für ihre weitere Arbeit. „Den Großteil meiner Forschungen habe ich in der freien Natur durchgeführt und mich besonders um die Brutpflege von Fröschen gekümmert. Frösche können sehr gute Eltern sein“, erklärte Schulte. Gerade bei den Pfeilgiftfröschen seien die Väter besonders engagiert, wenn es darum ginge, die Kaulquappen in einen Pool zu bringen, in dem noch keine anderen Kaulquappen sind – die Quappen kannibalisieren sich nämlich.

Ein Schlüssel für die Suche nach dem richtigen Ort für den Nachwuchs sind Pheromone, die von den Tieren ausgesandt werden. „Es gibt noch viele weitere Hormone zu entschlüsseln und einen hohen Forschungsbedarf auf diesem Gebiet. Ich freue mich auf Feldforschungen mit Studenten“, sagte die Biologin. Zwar gibt es im Zoo nicht die von Schulte erforschte Pfeilgiftfroschart, aber ähnliche. Und was machen die deutschen Frösche? „In unseren Breiten betreibt nur die Geburtshelferkröte Brutpflege. Aber kannibalistische Kaulquappen gibt es auch nur in Südamerika“, erläuterte Lisa Schulte.

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