Experimentalfilm abseits des Mainstreams Autor und Regisseur Daniel Hadrovic dreht im Nordend

Daniel Hadrovic (links) und Tamo Echt im „Tiefengrund“. Foto: Faure

Nordend (jf) – „Tiefengrund“, Drehort und angesagter Party- und Tanzkeller für alternative Musik im Nordend. Tamo Echt, einer der beiden Betreiber, macht ausnahmsweise zur Mittagszeit auf: für ein Gespräch mit dem Regisseur Daniel Hadrovic. Echt gehört außerdem zu den Schauspielern im Filmdebüt „Töte mich noch einmal“. 95 Prozent des Films wurden in „seiner Location“ gedreht.

Hadrovic, 1980 in Frankfurt geboren und mit kroatischen Wurzeln, hat 2016 sein erstes Buch veröffentlicht. In den Kurzgeschichten „Küss mich, Stalker“ geht es um schräge Lebenslagen und Abgründe menschlicher Beziehungen. Sein seit fünf Jahren fertiger Roman unter dem Arbeitstitel „Der Zauberlehrling“ soll endlich in diesem Jahr veröffentlicht werden. „Bands aus verschiedenen Teilen der Welt werden dazu einen exklusiven Soundtrack produzieren“, fügt der Autor, der selbstverständlich noch einen Brotberuf hat, hinzu. Im Buch geht es um unterschiedliche Lebensentwürfe verschiedener Generationen von Einwandererfamilien – ein ganz und gar realistischer Ansatz.

Der Film „Töte mich noch einmal“ ist fast fertig. „Ich bin ein Filmfan von Underground bis zum digitalen Streifen. Abseits des Mainstreams existiert eine riesige Underground-Szene“, erläutert der junge Mann im schwarzen T-Shirt. „Aber das breite allgemeine Filmangebot bringt die Zuschauer meist nicht zum Träumen und Nachdenken“, urteilt Hadrovic, dessen Lieblingsfilm „Blade Runner“ ist und der vom Schauspieler Bill Murray, den er persönlich bei einem Auftritt traf, schwärmt. Seine eigene Arbeit bezeichnet Hadrovic als Experimentalfilm: Eine zerstörte Geschichte wird von zwölf Schauspielern visuell erzählt.

Zwei Drehtage für Berufsschauspieler und Laien

Im Mittelpunkt steht der Autor Michele, verkörpert von Antonio Putignano. Sein Fan Clemens (Thomas Goersch) bezichtigt ihn eines nie aufgeklärten Verbrechens und hat dabei ganz eigene Vorstellungen von Schuld und Sühne. „An den zwei Drehtagen herrschte eine ganz besondere Atmosphäre zwischen den Berufsschauspielern und den Laien, die Mischung hat funktioniert. Die Idee war, etwas Fremdartiges gemeinsam zu gestalten“, schildert Hadrovic. „Alle, sowohl die Profis als auch die anderen Darsteller, waren hilfsbereit und verständnisvoll“, unterstreicht der Drehbuchautor und Regisseur. Schwierig wurde es dann, wenn alle agieren sollten – ohne detaillierte Drehbuchanweisungen. „Natürlich gab es auch Kompromisse. Ich bin auf die Wünsche der Schauspieler eingegangen, und sie haben meine Vorstellungen respektiert“, berichtet Hadrovic.

Neben Putignano („Gegen den Wind“, „Helicops“, „Ein Fall für Zwei“, „Marienhof“) und Goersch („Reise nach Agatis“ – in Polen und Amerika bekannter als in Deutschland) wirken unter anderen die Moderatorin Agnes Zimmermann, die Autoren Jannis Plastargias, Karin Afshar und Robert Odei mit. Dabei begann das Projekt holprig; mit einem anderen Drehbuch, einem anderen Storyboard. „Auch mit den zunächst angedachten Schauspielern, dem ersten Drehort und der Technik gab es diverse Unwägbarkeiten“, verrät Hadrovic.

Premiere im Herbst 2019

Schließlich kam aber alles gut zusammen. Der Regisseur erinnert sich an das erste Treffen mit Putignano, der ihm sagte, dass er 60 Sekunden habe, um ihn zu überzeugen. „Daraus wurde dann doch ein ziemlich langes Gespräch“, sagt Hadrovic. Nun ist der Film fast fertig, noch ein paar Drehs und die Bearbeitung des Materials. „50 Minuten lang soll der Film werden. Für den Score konnte ich die britische Band ‚Two Whole Quails’ gewinnen“, verkündet der Regisseur. Die Premiere soll im Herbst 2019 stattfinden. „Wir wollen den auf Deutsch gedrehten Film auf Festivals in England oder Russland zeigen. Vielleicht kann ich ja auch ein Arthouse Kino in Frankfurt überzeugen“, hofft Hadrovic. Sicher allerdings ist bereits: Die Vorpremiere wird im „Tiefengrund“ stattfinden.

Kommentare

Lieber nicht

Das klang vielversprechend, bis ich den Namen Thomas Goersch gelesen habe.
Schaut man in den Lebenslauf des "Schauspielers" entdeckt man meist billigste Amateurfilmchen oder solche, die nie veröffentlicht wurden.

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