Lisbeth bekommt ihre gerechte Strafe Bernemer Kerb mit Festzug, Ehrung und Baum-Doppel

Jessica Kandler und Ralf Moritz als Kerwebürgermeisterpaar. Foto: Faure

Bornheim (jf) – Eine zänkische Frau spielt zur Bernemer Kerb der Legende nach eine wichtige Rolle: Lisbeth, die ihren Mann nicht zur Kirchweih gehen lassen wollte, deshalb am Vortag in den Wald gebracht und hoch an einer Fichte festgebunden wurde. So sitzt auch heute eine Lisbeth-Figur hoch im Kerwe-Baum – in diesem Jahr gar dem Festtreiben abgewandt und mit Blick auf das „Schmärrnche“. So kann’s gehen.

Bereits am Freitagabend wurde der Festplatz vor der Johanniskirche mit der elften Folk- und Blues-Nacht eröffnet. Für Stimmung sorgte die Downtown Bluesgang. Ortsdiener Dieter Bender läutete in Begleitung des Kerwepaars Claudia Gulde und Horst Gregori sowie der Kerweburschen Dieter Zollner und Walter Bischof und dem Kerwemädchen Petra Ittner in 14 Bornheimer Wirtschaften die 409. Kerb ein. Alle Achtung, gute Leistung.

Um sechs Uhr in der Früh rückten am Samstag die Baumholer aus. Mit Kerwebürgermeister Ralf Moritz an der Spitze ging es in den Enkheimer Wald. Doch welch ein Pech, der erste Baum verlor beim Fallen die Krone. Da musste nochmal gesucht werden. Ein stabileres Exemplar wurde gefunden, gefällt – und war zu schwer selbst für die stämmigsten Burschen. Die Lösung: Ein Stück wurde abgesägt. Geschafft. Unter Musikbegleitung ging es zurück zum Festplatz, auf den letzten Metern ist das jedes Jahr eine kräftezehrende Angelegenheit. Wenn dann noch Autos im abgesperrten Bereich stehen und erst einmal abgeschleppt werden müssen, kostet das Zeit. Doch bis der 26,75 Meter lange und 1,7 Tonnen schwere Baum steht, gibt es alle Getränke ermäßigt, das freut die Gäste. 12.40 Uhr war es dann soweit, mit einem dreifachen „Baum hoch!“ wurde dieser Kraftakt gefeiert.

Erstmals durchgängiges Musikprogramm

Erstmals gab es bis zur offiziellen Eröffnung am frühen Abend ein durchgängiges Musikprogramm, gestaltet von der preisgekrönten Band „The Jukes“.

Ein bunter Hingucker war der Festzug mit 49 teilnehmenden Vereinen, Unternehmen und Gruppen, die mit viel Beifall auf dem Festplatz empfangen wurden. Mit dabei war auch ein Baum B, vervollständigt mit der abgebrochenen Krone des ersten Baumes. Der dienstälteste Kerwebursche Carlo Munck wurde mit einer speziellen Skulptur der Kerwe Gesellschaft auf der Bühne geehrt. „Nach dem Krieg baute er gemeinsam mit meinem Großvater Fritz Koelle die Kerb wieder auf“, unterstrich Kerwebürgermeister Ralf Moritz sichtlich gerührt. Munck durfte in diesem Jahr dass Fass Bier anstechen, Oberbürgermeister Peter Feldmann und Binding-Verkaufsleiter Hermann Brausch halfen dabei.

Carlo Munck stand auch am Sonntag noch einmal im Mittelpunkt: Er erhielt vom Stadtverband der Vereinsringe für sein über 70-jähriges Engagement in der Bernemer Kerwe Gesellschaft die Goldene Ehrennadel.

Vorrunde beim Giggelschmiss

Ab zwölf Uhr gab es im Hof des Hauses der evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt Bornheim Spiele und Spaß für Kinder. Gemeinsam mit Helfern des Frankfurter Gartens durften sie zudem Grüne Soße zubereiten.

Ebenfalls zum zweiten Mal bereits am Sonntagnachmittag fand nun der Gickelschmiss statt – erstmals mit einer „Vorrunde“ für Kinder. Siegerin Shalin durfte sich nach ihrem gelungenen Schlag auf den Blumentopf Süßigkeiten aussuchen. Bei den Erwachsenen schaffte es Florian Bube, den Keramiktopf zu zertrümmern. Wie jedes Jahr war Heinz Schwerdtfeger vom Bornheimer Kleintierzuchtverein zur Stelle, er hatte ein hübsches buntes Thüringer Barthuhn mitgebracht. Das durfte gestreichelt und bestaunt, aber nicht geschlachtet werden – Schwerdtfeger und Bube fanden eine Vereinbarung, wie der glückhafte Dreschflegeleinsatz entgolten wird. Gefeiert wurde am Sonntag noch bis in die Dunkelheit.

Damit war die 409. Bernemer Kerb jedoch noch nicht vorbei – am berühmten Bernemer Mittwoch brennt noch einmal nicht nur die Luft im lustigen Dorf. Auch Lisbeth wird traditionell verbrannt – und wird zur Jubiläumskerb im nächsten Jahr sicher erneut auferstehen. Vielleicht dann wieder mit Blick auf den Bernemer Festplatz.

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