„Wir haben uns gemeinsam in die Kurve gelegt“

Christine Fiebig und Rahulla Torabi stellen in der Eulengasse aus

Christine Fiebig und Rahulla Torabi vor Landschaft und dreidimensionaler Kalligrafie. Foto: Faure

Bornheim (jf) – Noch sind nicht alle Arbeiten aufgehängt. Werke in Schwarz-Weiß – flüchtige Landschaften, Kalligrafie zwei- und dreidimensional, kleine Zeichnungen von Autos – bilden einen erheblich empfundenen Gegensatz zum bunten Bild einer Straße, die auf dem Kopf steht und offensichtlich mit einem Auto befahren wird; ein Film flimmert über einen Monitor, begleitet von afghanischer Hintergrundmusik.

Christine Fiebig und Rahulla Torabi sind fast fertig mit dem Ausstellungsaufbau. Die Exposition steht unter dem Jahresthema „Hin und Weg“ des Ateliers Eulengasse. „Der Film ist auf der A 661 und auf der A 3 entstanden, ist Stück einer Reise. Ich habe im Auto geschlafen und gearbeitet“, berichtet Rahulla Torabi. Die kleine Kamera hatte er absichtlich umgekehrt montiert; „einem wird ein bisschen schummrig beim Zuschauen, das ist gewollt“, sagt er. 

Torabi, als junger Mann aus Afghanistan geflohen, hat eine besondere Beziehung zum Auto: Es ist für ihn ein Raum, über den er bestimmen kann. „Als Kind in Afghanistan habe ich vom Autofahren geträumt“, sagt der seit über 30 Jahren in Deutschland lebende Künstler. An der Wand befinden sich zwei Objekte aus Holz, schwarz. „Es sind Buchstaben, so etwas wie dreidimensionale Kalligrafie“, erklärt Torabi.

Kohlezeichnungen unterwegs angefertigt

Rund die Hälfte der etwa 30 Arbeiten im Atelier Eulengasse stammt von Christine Fiebig. „Eigentlich sind meine Zeichnungen unabhängig vom Jahresthema entstanden, aber sie passen doch ziemlich gut dazu“, sagt die Künstlerin, die ihre Kohlezeichnungen unterwegs, auf dem Beifahrersitz im Auto, bei einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 Stundenkilometer anfertigt. „Wenn man etwas treffen will, hat man zehn Sekunden. Es geht darum, das Wesentliche der Landschaft zu begreifen“, erklärt Fiebig und erzählt stolz: „Mein Mann und ich können fast jede Zeichnung zuordnen.“ Zeichnung als Erinnerung, Fotoersatz, Tagebuch.

Beide Künstler sind sich einig: „Man muss machen, darf nicht denken, bekommt dabei ein Gefühl für Geschwindigkeit.“ Und welche Rolle spielt die Kalligrafie bei beiden? „Wir haben uns gemeinsam in die Kurve gelegt“, bemerkt Fiebig lächelnd, Torabi nickt. „Kalligrafie ist Respekt des Raumes und seine Verwandlung in Tanz“, meint der Künstler. „Ein fast blindes, sicheres Arbeiten ist in der Kalligrafie notwendig“, ergänzt die Künstlerin. Dabei ist die Bedeutung einer Buchstabenformation unwichtig, eine davon, sehr schwungvoll und detailreich, heißt „Diesel“. Wer hätte das vermutet?

Öffnungszeiten der Ausstellung

Dieses reine Arbeiten, ohne viel darüber nachzudenken, einfach Bilder zu übersetzen in schwarz-weiße Schwingungen, ist beiden Künstlern eigen. Die zwei ungewöhnlichen „Road Movies“ komplettieren die Ausstellung in der Seckbacher Landstraße 16, die donnerstags von 17 Uhr bis 21 Uhr, freitags von 15 Uhr bis 18 Uhr und sonntags von 15 Uhr bis 19 Uhr bis zum 20. Mai zu sehen ist.

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