Diskussion mit dem Oberbürgermeister, Vertretern von IHK und Mainova Diskussion in Musterschule: Wie schafft man Energiewende?

Die Teilnehmer auf dem Podium: Rudolf Jäger (von links), Dila Pinar, Natassja Lachner, Peter Feldmann, Constantin Alsheimer, Christof Bauer und Detlev Osterloh. Foto: Faure

Nordend (jf) – „Die Musterschule wurde am 13. April in Wiesbaden ausgezeichnet und belegte bei der Aktion ‚Schulradeln 2015’ den ersten Platz für die meisten Teilnehmer und den dritten Platz für knapp 15.500 geradelte Kilometer. Auch das trägt zum Klimaschutz bei“, begrüßte Sabine Bartsch, stellvertretende Schulleiterin, die Gäste und die vielen interessierten Schüler in der Aula.

Auf dem Podium stellten sich Oberbürgermeister Peter Feldmann, Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, Christof Bauer, Sachverständiger Energiewirtschaft und Detlev Osterloh, Geschäftsführer Innovation & Umwelt der IHK, der Diskussion. Auf Schülerseite waren Dila Pinar, Rudolf Jäger und Nastassja Lachner – alle aus der rund 50 Schüler starken E-Stufe und Teilnehmer an der Workshopreihe „S.O.S. – Skyline ohne Strom“ – vertreten.

Claudia Lau leitet diesen Kurs, in dem es darum geht, Energie zu sparen und nachhaltig zu handeln. Osterloh sprach über das IHK-Projekt „S.O.S. – Skyline ohne Strom“, das im dritten Jahr durchgeführt wird, und unterstrich: „In den teilnehmenden Schulen geht es nicht um langweiliges Lernen, sondern um eigenes, kreatives Denken. Die Schüler haben wieder spannende Projekte entwickelt, die am 1. Juli in der IHK vorgestellt werden.“ Alsheimer betonte: „Die Mainova als Frankfurter Versorger hat 8,5 Minuten Ausfallzeit bei Strom, der Bundesdurchschnitt liegt bei 12,5 Minuten. Spannungsunterschiede sind ein wichtiges Thema. Wir haben gute Netze. Aber die kosten auch Geld.“

Verlässlichkeit ist gefragt

Bis 2020 hat sich Deutschland im Rahmen der Klimapolitik der Europäischen Union verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß (CO2) um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. „Sie wird dieses Ziel nicht erreichen, weil es beispielsweise noch zu viel Strom aus Braunkohle gibt“, äußerte Alsheimer. „Aber wir als Mainova sind für einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle und setzen auf Gas. Das ist relativ CO2-arm und speicherbar. Eine Musteranlage wird in Frankfurt gerade erprobt.“ Der Mainova-Vorstandsvorsitzende zweifelte daran, ob das Subventionssystem für erneuerbare Energien auf lange Zeit sinnvoll ist. Regulierungen durch den Markt hält er für eine bessere Lösung. Außerdem sagte er: „Wir brauchen Verlässlichkeit auf Seiten der Politik. Ein ständiges Hin und Her fördert die Investitionsbereitschaft nicht.“

„Den weltweiten Klimaschutz bestimmen Länder wie Russland, Indien und China. Wir als Klimaschützer müssen etwas tun, was sich auch diese Länder leisten können und sollten nicht in Wunschdenken verfallen“, bemerkte Bauer.

Zu hohe Preise im Personennahverkehr für Schüler

„Wir in Frankfurt haben seit 2013 den ‚Masterplan 100 Prozent Klimaschutz’, wurden mehrfach ausgezeichnet, weil bereits Energie eingespart wurde. Unser Ziel bis 2050 ist es, die Hälfte der Energie einzusparen. Außerdem wollen wir 2050 den Energiebedarf zur einen Hälfte aus der Region und zur anderen Hälfte aus Frankfurt decken – und zwar vollständig aus erneuerbaren Energiequellen“, erläuterte Feldmann.

In der Fragerunde ging es um für Schüler zu hohe Preise im öffentlichen Personennahverkehr, um die Rolle Deutschlands im weltweiten Klimaschutz, um den Atomausstieg und um Windräder und Photovoltaik.

Kritische Fragen

Einig war man sich darin, dass Deutschland etwas unternehmen muss – selbst wenn globaler Klimaschutz nur funktionieren kann, wenn alle mitmachen. „Der Verweis auf andere nützt in der Diskussion nichts. Wir müssen irgendwo anfangen. Wer den Film „The Day After Tomorrow“ gesehen hat und weiß, das solche Katastrophen tatsächlich eintreten können, steht ziemlich erschüttert da. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen für eine gute Zukunft auch auf Dinge verzichten, wenn man es ihnen richtig erklärt, und sich nicht wie Tiere gegenseitig auffressen“, sagte Feldmann.

Es war eine angeregte Diskussion, die nicht nur vom Podium geführt wurde – die Schüler stellten durchaus kritische Fragen. Zwei spannende Schulstunden. Und viele neue Erkenntnisse.

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