Blick ins Atelier werfen Frankfurter Schüler besuchen Max Weinberg

Max Weinberg (links) signiert die Bilder, die sich die Schüler aussuchen durften. Foto: Faure

Ostend/Nordend (jf) – Treffpunkt war 20 Uhr im Atelier von Max Weinberg in der Ostparkstraße. Noch lief Beethoven auf dem alten Abspielgerät. „Ich liebe Beethoven“, betonte er und stoppte die Musik, denn die Besucher standen schon vor der Tür.

„Wie verrückt ist das denn!“, staunten die 14- bis 17-Jährigen, als sie das Atelier betraten. Wohl tausende Bilder stapelten sich auf Tischen, Großformate reihten sich mehrfach hintereinander an den Wänden. Der 88-jährige Künstler freute sich über den Besuch der Helmholtz-Schüler: „Cracy, spacy – so nennt ihr das doch“, meinte er gut gelaunt. „Ihr könnt euch ein Bild aussuchen, ich werde es signieren, dann könnt ihr es mitnehmen“, bot Weinberg an. Auch die begleitenden Erwachsenen – die Kunstlehrer Wolfgang Wild und Eva Zischek sowie Referendarin Andrea Kramer – waren von der Bilderflut genauso überrascht wie von der Großzügigkeit des Malers.

Die 15 Jugendlichen aus der E-Phase der Helmholtzschule absolvierten vor Pfingsten eine ganz besondere Kunstwoche. „Sie besuchen jeden Tag ein Atelier. Am Montag waren wir bei Martin Hakan Weigl im Atelierhaus Kunstwerk Ost in der Wächtersbacher Straße, da durften sie sogar ein abgeklebtes Auto anmalen. Am Dienstag haben die jungen Leute an einem Werkstattkurs des Museums für Moderne Kunst teilgenommen; das Thema hieß zerstören und reparieren. Am Mittwoch waren wir im Naxos-Atelier und abends nun bei Max Weinberg. Donnerstag werden die Jugendlichen in der Schule sein und am Abend die Familie Montez in den Bögen der Honsellbrücke besuchen“, erläuterte Eva Zischek.

Bretterbude wurde erstes Atelier

Max Weinberg schaute aufmerksam zu, während die Jugendlichen nach dem für sie richtigen Bild suchten, vorsichtig in den Stapeln stöberten. „Es ist seltsam, wenn ich Kinder bitte, sich ein Bild herauszunehmen, entscheiden sie sich sofort. Je älter die Menschen werden, desto länger brauchen sie“, sinnierte Weinberg. Max Weinberg wurde 1928 in Kassel geboren, hatte deutsch-polnische Eltern. 1933 floh die Familie nach Belgien, 1935 nach Palästina. Schon mit 13 Jahren verkaufte Weinberg seine ersten Bilder in Tel Aviv. Kurz besuchte er die Kunstschule, baute sein erstes Atelier, eine Bretterbude, am Stadtstrand.

Später ging er dann doch noch auf die Staatliche Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv, kam 1959 nach Frankfurt und bildete sich an der Städelschule fort Heute sind ihm sowohl Kunst Lehrende als auch – und erst recht – der Kunstmarkt suspekt. „Eine Mafia“, schimpfte er. Geduldig signierte er die ausgewählten Bilder, fragte nach, warum es ausgerechnet dieses Blatt sein soll, kam mit den Jugendlichen ins Gespräch. „Menschen sind da, um schöpferisch tätig zu sein – leider müssen sie oft etwas anderes machen“, bemerkte er in einem Nebensatz.

Weitere Pinselstriche

Inzwischen arbeiteten die Jugendlichen an ihren Bildern, die sie mitgebracht und an denen sie jeden Tag in dieser Kunstwoche ein Stück verändert hatten, im Flur vor dem Atelier weiter. Weinberg kam dazu, betrachtete die Werke anerkennend. „Wo hast du schwarze Farbe?“, fragte er Namik plötzlich, griff zum Pinsel, schaute den groß gewachsenen Jungen schelmisch an: „Darf ich?“ Namik nickte. Und dann war auf Namiks Bild auch ein bisschen Max Weinberg.

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