„Ich habe den Mond schon immer geliebt“ Frankfurts ältester Bürger Boris Kit wurde 107 Jahre alt

Er ist Frankfurts ältester Bürger: Boris Kit feierte seinen 107. Geburtstag am 24. März. Foto: Schieder

Bornheim (ms) – Seinen 100. Geburtstag feierte er noch mit vielen Freunden und Bekannten im gemütlichen „Hotel am Berg“ in Sachsenhausen. Heute lebt Professor Boris Kit als russisch-orthodoxer Christ im Jüdischen Altersheim in der Bornheimer Landwehr in einem hellen freundlichen Zimmer. Dort feierte er am Freitag, 24. März, seinen 107. Geburtstag.

Glücklich strahlend freute er sich über die vielen Gratulanten, die mit einer Geburtstagstorte in sein Zimmer kamen, begleitet von einem Akkordeonspieler, der ihm ein Ständchen darbrachte.

„Ich habe den Mond schon immer geliebt,“ bekannte er. Und das bestimmte dann auch seinen ereignisreichen Lebensweg. Geboren wurde er 1910 in St. Petersburg, wo er bis zum seinem achten Lebensjahr aufwuchs. Dann gingen seine Eltern zurück in des Vaters Heimat Novogrudek im heutigen Weißrussland. Dort besuchte er das Gymnasium und ging dann zum Studium nach Vilnius (Litauen).

Schüler verhalfen ihm zur Freiheit

„Eigentlich wollte ich Geschichte studieren, doch da waren die Wartezeiten auf einen Studienplatz zu lang, so bin ich zur Mathematik und Physik gekommen,“ erinnert sich Kit. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs war er bereits mit 29 Jahren Direktor mehrerer Schulen in Vilnius. „Dann kamen die Deutschen und besetzten die Stadt,“ berichtete er weiter.

In dieser Zeit wurde er einen Monat lang von einem Sicherheitsdienst der SS inhaftiert. Er hat nur überlebt, weil Schüler ihm zur Freiheit verhalfen. Doch kurz vor Kriegsende floh er 1944 nach Deutschland. An der Universität Regensburg erwarb er den Doktor der Philosophie auf dem Gebiet der Mathematik und studierte nebenbei drei Jahre Medizin.

Auch ein Museum ist nach ihm benannt

1948 wanderte er mit seiner Frau und den zwei Söhnen in die USA aus. In Los Angeles und New Jersey arbeitete er an den großen Raketenprojekten unter der Leitung von Wernher von Braun mit. Unter anderen war auch das Apollo-Projekt dabei. Er entwickelte dabei den Flüssigkeitstreibstoff für die Raketen. Außerdem verfasste er das weltweit erste Lehrbuch über Raketentreibstoffe, schrieb die „Geschichte der UdSSR-Raumfahrtentwicklung“ und zahlreiche Fachzeitschriften. Er erhielt auch mehrfach Auszeichnungen, wobei er auf die Hermann-Oberth-Medaille am Bande für Verdienste um die Raumfahrt, die er 1995 erhalten hat, besonders stolz ist. In seiner Heimat Novogrudek gibt es auch ein Boris-Kit-Museum.

Seine Familie lebt heute in den USA, wo einer seiner Söhne als Chirurg arbeitet. Der zweite ist bereits gestorben. Er hat vier Enkelkinder. Als Rentner ging er 1972 zurück nach Deutschland und lehrte noch als Mathematikprofessor an der Europa-Abteilung der University of Maryland in Heidelberg.

Zu seinem 107. Geburtstag überbrachte ihm Stadtbezirksvorsteher Gerd Wilcken die Glückwünsche des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und des Oberbürgermeisters Peter Feldmann und überreichte ihm dabei ein Kästchen Wein und Blumen.

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