Überraschungen bei „Über den Wolken“

Gelungene Premiere an der Interkulturellen Bühne

Welches Geheimnis verbindet Philip (Gunnar Tobias Meier) und Lydia (Johanna Pitsch)? Foto: Faure

Bornheim (jf) – Eine sparsam möblierte Bar, das Licht gedimmt, am Piano probt eine Musikerin (Orchide Tsitak), das Personal – George (Esa Holstein), der schwule Barbesitzer, und seine beiden Bardamen Malou (Morgane Lexgue-Nicolas) und Divana (Severine Denis) –poliert mehr oder weniger gelangweilt Gläser, wischt Tische ab. In Lederhose, die Gitarre in der Hand, betritt Felix (Torsten Leiss) die Bar. „Geschlossene Gesellschaft“, sagt George abweisend. Doch erstaunlicherweise zieht Felix eine Einladung hervor. Yusuf Kilic, Chef der Interkulturellen Bühne, führt Regie bei „Über den Wolken“. 

Eine ominöse Einladung bringt drei Männer und drei Frauen in der Bar zusammen, die alle etwas miteinander zu tun haben. Oder besser hatten, denn sie sind mittlerweile geschieden. Da ist Felix, inzwischen standesgemäß gekleidet im geliehenen Anzug, der belesene und zynische Antiquar Max (Dirk Leukroth) , der vermeintliche Tausendsassa Philip (Gunnar Tobias Meier). Die Damen sind so unterschiedlich wie ihr Outfit; Sabrina (Bianca Wirth) im türkisfarbenen Kleid trägt den Schmuck ihres Ex, Jasmin (Anja Köhler), ganz in Rot, fällt zunächst durch ihren punkt- und kommalosen Redeschwall auf, Lydia (Johanna Pitsch) durch ihr gewagtes Kleid und ihre arrogante, oberflächliche und zugleich besitzergreifende Art. Drei Scheidungspärchen, die sich gegenseitig Schlimmes angetan haben. Und nie und nimmer auf die Idee kommen würden, es noch einmal miteinander zu versuchen. Oder?

Weitere Spieltermine

Das Stück führt in menschliche Abgründe, die Frauen und Männer, großartig in Szene gesetzt und dargestellt, gehen nicht zimperlich miteinander um und treiben ihre Spielchen. „Der Ehering kommt jetzt mal runter“, sagt Max und zieht das Symbol der Gemeinsamkeit entschieden vom Finger. Weshalb trägt er als Geschiedener den Ring überhaupt noch? Eine von vielen Fragen, die im Laufe des Theaterspiels aufgedeckt werden. Die „Ich-bin-geschieden-Party“ birgt diverse Körnchen an Wahrheit und bringt alle Neurosen, die nicht funktionierende Kommunikation und die Missverständnisse der gescheiterten Ehen ans Tageslicht. Der Zuschauer hat am Ende eine Ahnung davon, warum Affen deutlich erfolgreicher in der Partnerwahl sind als Menschen und sich nur selten trennen. Und wie man Fehler in den Beziehungen vermeiden kann.

„Über den Wolken“ ist an der Interkulturellen Bühne, Alt-Bornheim 32, wieder am Freitag, 30. September, am 21. und 22. Oktober jeweils um 20 Uhr, am 23. Oktober um 17 Uhr und an weiteren Terminen im November und Dezember zu sehen. Das Programm des Hauses ist unter www.interkulturelle-buehne.de zu finden.

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