Filmreihe „Local Heroes“ beschäftigt sich mit dem Neuen Frankfurt

Die große Leistung des Dezernenten Ernst May

Joachim Krausse diskutiert in der „Denkbar“ mit dem Publikum über seine Filme zum Neuen Frankfurt. Foto: Faure

Ostend (jf) – Ernst May, von 1925 bis 1930 Siedlungsdezernent in Frankfurt, schaffte es, in fünf Jahren mehr als 16.000 Wohnungen zu bauen. Im Vergleich zu 2013 bis 2017: Da entstanden in Frankfurt 17.054 neue Wohnungen. 25.000 hätten es allerdings sein müssen.

In der fünften Veranstaltung zum Thema „Local Heroes“ zeigte Initiator Wolfgang Voss in der „Denkbar“ drei Filme zum Stichwort „Das Neue Frankfurt“. Als Gast war der Professor für Designtheorie und Publizist Joachim Krausse gekommen. Er hatte die Filme 1981 gemeinsam mit dem Architekten, Stadtplaner und Autor Jonas Geist gedreht, der WDR hatte das Projekt ermöglicht.

„1981 gab es noch Zeitzeugen, die in den May-Häusern wohnten oder gewohnt hatten“, erklärte Krausse. Bis 1981 war zum Thema noch nichts erschienen. „Mit Anzeigen in der Tageszeitung haben wir nach Erstbeziehern gesucht, die Rückmeldungen waren extrem hoch. Doch der Zustand der Siedlungen war miserabel“, schilderte der Publizist. „Die einst klaren Formen und die Serialität konnten kaum mehr gezeigt werden. Umtriebige Türen- und Fenstervertreter hatten längst auch in den May-Wohnungen für Veränderungen gesorgt. Eine Musterwohnung fehlte. Frankfurt enttäuschte damals.“ Die große Leistung Ernst Mays war es, bezahlbare Wohnungen ohne Ghettocharakter zu bauen.

Der erste Film, „Neues Wohnen – Neues Bauen“ beschäftigte sich zunächst mit dem geschichtlichen Umfeld. In den 20er Jahren war die Industrie enorm gewachsen, die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg groß, vier Jahre lang waren ja keine Wohnungen mehr gebaut worden. Es ging um „Schlafstellen“, oft waren die mehrfach vergeben.

Ernst May errichtete mit Hilfe einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft unter anderen die Siedlungen Römerstadt, Praunheim, Westhausen, Bornheimer Hang, Höhenblick. Dem Team gehörten etwa 60 Architekten an, darunter Martin Elsaesser, Walter Gropius, Bernhard Hermkes, Ferdinand Kramer, Adolf Meyer und Mart Stam. „Mit den Siedlungen haben wir große Strukturen geschaffen. Wohnen soll sympathisch und menschlich sein“, sagt May im Film. „Wir waren sehr selbstständig“, urteilt Margerete Schütte-Lihotzky, die Gestalterin der Frankfurter Küche und Planerin von Kleingärten an der Nidda. „Nur junge Leute zogen in die May-Siedlungen, ältere hingen eher an Biedermeier und Gelsenkirchener Barock“, bemerkt Paul Müller im Film.

Im zweiten Streifen „Die Wohnung für das Existenzminimum“ zeigen Geist und Krausse, wie auf rund 40 Quadratmetern Wohnen ermöglicht wurde. „Es war alles eingebaut, Klappbetten und Wandschränke gehörten serienmäßig dazu“, erinnert sich Friseur Friedrich Boneberg, „da zog man mit einem Tisch und Stühlen ein“.

Für den Musiker Albert Mangelsdorff, der selbst in einer solchen Wohnung aufwuchs, war das Gefühl „alles andere als bedrückend“, obwohl man zu fünft auf äußerst beschränktem Raum lebte. „Es gab Heizung und Warmwasser und einen Rundfunkanschluss“, sagt er in der Doku. Die Laubengänge sorgten für gute Nachbarschaft, die Kinder fanden schnell zueinander. „Das Feld und die Nidda waren nicht weit, wir haben viel draußen gespielt“, erinnert sich der Musiker.

Der dritte Film drehte sich um die Frankfurter Küche, in der alle Elemente vernünftig auf kleinstem Raum angeordnet sind. Die Hanauer Firma Haarer hatte vorher bereits Aluminium-Schütten in verschiedenen Größen entwickelt. Anni Haarer erklärt das Motto für ihre Firma: „Ein Griff – und ich hab’s.“ Schütte-Lihotzky nahm Haarer-Elemente in ihre Pläne auf.

Es gibt einige Varianten der Frankfurter Küche, die Grundstruktur ist jedoch überall gleich.

In der anschließenden Diskussion stellte sich Krausse den Fragen des Publikums. Leider, so berichtete er, sei das gesamte nicht verwendete Filmmaterial weggeworfen worden. Hätte man 2019 zum 100. Jubiläum des Bauhauses gut brauchen können.

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