Rhythmus in den Füßen, Musik in der Seele

Jahresabschlusskonzert der Barrelhouse-Jazzband

Bläser auf dem Weg durchs Publikum: Frank Selten, Horst Schwarz und Reimer von Essen. Foto: Faure

Ostend (jf) – Es ist immer wieder etwas Besonderes, wenn die Barrelhouse-Jazzband, sonst in großen Sälen zuhause oder bei Open Airs, in der Hans-Grötsch-Halle des Frankfurter Turnvereins (FTV) 1860 im Ravenstein-Zentrum an der Pfingstweidstraße auftritt.

Ute Müller-Kindleben, stellvertretende Vorsitzende des FTV und verantwortlich für Kultur und Integration, begrüßte die vielen Gäste und die Band: „Wir freuen uns, die sieben Musiker bei bester Gesundheit hier zu haben.“ Barrelhouse eröffnete das Konzert mit der bekannten Fats Domino-Komposition „When My Dreamboat Comes Home“. Bandleader Reimer von Essen führte wie gewohnt durch das Programm und erläuterte das Eine oder Andere zu den Stücken.

Der Titel „Moune A Ou Ce Moune A Ou“ von Albert „Al“ Lirvat folgte, den creolischen Gesang übernahm Reimer von Essen. „Am Anfang des Jazz waren kulturbeflissene Kreolen in New Orleans sehr wichtig, unter ihnen wurde viel musiziert. Ein bekannter Komponist mit kreolischen Wurzeln ist Jelly Roll Morton, von ihm spielen wir ‚The Pearls’“, kündigte der Bandleader an. Aus der frühen Swing-Zeit folgte das von Horst Schwarz interpretierte „I’ve Got My Fingers Crossed“ von Fats Waller. „Waller war ein genialer Pianist, ein großartiger Sänger und Komödiant“, sagte von Essen. Kreolische Rhythmen nahm auch Humphrey Lyttleton in „Red Beans And Rice“ auf – so gelangte ein Lieblingsgericht von Satchmo ins Repertoire.

Musiker von King Oliver begeistert

Als 1953 die Barrelhouse-Jazzband gegründet wurde, waren die Musiker von King Olivers Musik begeistert. „Mühsam haben wir die Titel Takt für Takt nach Schellack-Aufnahmen nachgespielt“, erzählte Reimer von Essen. „Wir haben diese Musik nie vergessen.“ Entsprechend folgte „Snag it“ aus dem Jahr 1926. Der Kornettist Joe „King“ Oliver verband in diesem Stück Blues- und Boogie-Elemente. Die meisten kreolischen Stücke für Barrelhouse schrieb Horst Schwarz – darunter das viel gerühmte „The Barrelhouse Showboat“, das schon zur Ankündigung Applaus bekam. Ein zweites Mal stand King Oliver auf dem Programm, nun mit „Just Gone“.

Dann gab es eine große Überraschung; die Jazzband interpretierte „Let It Be“ von Paul McCartney – natürlich auf ihre Weise. Henry Red Allen war ein virtuoser Trompeter und stammte wie der sieben Jahre ältere Louis Armstrong aus New Orleans. Von Allen war „Get Rhythm In Your Feet And Music in Your Soul“, gesungen von Horst Schwarz mit einer Skat-Einlage, zu hören. Bei der Swing-Ballade „Everything“ von Jonah Jones zeigte Lindy Huppertsberg ihr Können am Kontrabass, den sie nicht nur zupfte, sondern in diesem Fall „bogte“ (mit dem Bogen strich), wie Reimer von Essen bemerkte. Duke Ellington gehörte an diesem Nachmittag ebenfalls dazu, von ihm spielte die Band eine neue Version von „Caravan“. Ursprünglich stammt das Stück von Juan Tizol, Ellington bearbeitete es nach – die Barrelhouse Jazzband mit großen Klavier- und Schlagzeugsoli neu

Stücke zu Ehren von Fats Waller gespielt

Fats Waller starb mit 39 Jahren – ein fast vorgezeichnetes Schicksal, wenn es zum Frühstück schon mehrere Steaks und Whiskey gibt. Dennoch erschütterte Wallers Tod viele Musiker. Ihm zu Ehren schrieben Gene Sedric und Mezz Mezzrow den „Blues For Fats Waller“. Nach diesem Stück folgte als fast letztes des Nachmittags „Martinique“ von Wilbur De Paris. Doch ohne Zugaben durften die Musiker nicht gehen. Mit stehenden Ovationen wurde Reimer von Essen (Klarinette, Altsaxofon), Frank Selten (Saxofon, Klarinette), Horst Schwarz (Trompete, Posaune), Christof Sänger (Klavier), Roman Klöcker (Gitarre, Banjos), Michael Ehret (Schlagzeug) und Lindy Huppertsberg (Kontrabass) für zwei unterhaltsame und überraschende Jazz-Stunden gedankt.

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