Besuch im Betriebshof Ost der Verkehrsgesellschaft Frankfurt zum 15-jährigen Bestehen

Ohne System geht’s nicht

Alles im Blick: Jan Tölg im Stellwerk des Betriebshofes.

Seckbach (jf) – Ein Straßenbahn-Sondershuttle brachte angemeldete Interessierte kostenfrei vom Zoo zum Betriebshof Ost der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) in die Gustav-Behringer-Straße. Dort, im Westen Seckbachs, wurde am 3. Juli 2003 der modernste Betriebshof der VGF eröffnet. Roy Meister vom Verein Historische Straßenbahnen begrüßte die Gäste im Pt-Wagen Baujahr 1977 mit Klapptrittstufen in beige-oranger Lackierung. Über die Hanauer Landstraße, Am Riederbruch und Am Erlenbruch ging es auf den Betriebshof. „An die Zeiten, als die Tram noch von Bornheim nach Bergen fuhr, kann ich mich gut erinnern“, sagte ein ehemaliger Fahrer, der sich das Jubiläum nicht entgehen lassen wollte.

Durch die Waschanlage gelangte die Sonderfahrt auf das für sie vorgesehene Gleis. Frank Nagel, Erster Vorsitzender des Vereins Historische Straßenbahnen, hieß die Interessierten auf dem Betriebshof Ost willkommen. „Über drei Kilometer Gleise gibt es auf dem 7,5 Hektar großen Gelände, fast 40 Weichen und Platz für 150 Wagen.“

Hans-Jürgen Poths, Leiter Straßenbahn und U-Bahn-Betriebswerkstätten, führte anschließend durch die Werkstatt. „Schon 1976 wurde nach einem Standort für einen neuen Betriebshof gesucht, denn das innenstadtnahe Gelände Gutleut war zu klein geworden“, erklärte Poths. Die VGF hat 300 Stadtbahnen und 112 Straßenbahnen – nicht alle haben auf dem Betriebshof Ost Platz. „Aber einmal pro Woche durchlaufen alle Fahrzeuge die Werkstatt mit zwei 40 Meter und zwei 100 Meter langen Gleisen sowie der Waschanlage“, erläuterte der Experte. Der Bau des Betriebshofes war schwierig, vielfach musste umgeplant werden. „Nun sieht er aus wie ein langes Handtuch“, meinte Poths. In der sauberen Werkstatt gibt es einen Gang unter den Fahrzeugen mit Hydraulik zum Anheben der Drehgestelle und eine Arbeitsbühne für Tätigkeiten auf dem Dach – alles erfolgt nach strengen Vorschriften. „Wir suchen besonders Mitarbeiter im Bereich Elektrotechnik“, warb der Leiter der Werkstätten in diesem Zusammenhang. „Das Abstellen der Fahrzeuge ist immer problematisch, ein Fehler hat erhebliche Folgen“, sagte Poths. „Alles hat System.“ Der Betriebshof hat ein eigenes Stellwerk. Auf sechs Monitoren überblickte Jan Tölg den gesamten Hof. Noch waren viele Flächen frei. Aufgereiht standen die Städte-Partnerschaftszüge gut nachbarlich nebeneinander.

In der Waschanlage werden die Fahrzeuge außen maschinell gereinigt, innen besorgen das Menschen. „Sie glauben nicht, wie viel Müll schon in den Vormittagsstunden besonders in den Wagen der Linie elf und zwölf zu finden ist“, beklagte Poths. Ein Problem für die Mitarbeiter. Dagegen habe der Vandalismus nach Ausstattung der Wagen mit Videokameras stark abgenommen. „Die Täter wissen inzwischen, dass auch eine Sonnenbrille und eine Kapuze nicht vor Erkennung schützen“, äußerte der Experte.

Nach etwa einer Stunde brachte Jörg Komm die Besucher per Sonderfahrt wieder zurück zum Zoo. Unfallfrei. Leider kommt es in Frankfurt immer wieder zu Unfällen, etwa 350 sind es pro Jahr. Damit liegt die Mainmetropole in der entsprechenden bundesweiten Unfallstatistik im mittleren Bereich. „Straßenbahnen sind durchschnittlich mit 50 Stundenkilometern unterwegs. Bei einem Gewicht pro Zug von etwa 40 Tonnen beträgt der Bremsweg rund 40 Meter“, erläuterte Komm. Straßenbahnen sind ziemlich beliebt in Frankfurt. Nicht nur bei den Fans, wie das Interesse am Jubiläum deutlich bewies.

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