Projekt „Das Wir gewinnt“ an der Elisabethenschule mit Gästen aus dem Japanischen Generalkonsulat

Strenge Schule, Sushi und die schwere Kalligrafie

Yui und Carina (links) üben sich in Kalligrafie, Rumi Iwasa (Mitte) zeigt, wie es geht.

Nordend (jf) – Petra Fladung ist an diesem Tag schon von weitem auf dem Hof der Elisabethenschule zu erkennen; sie trägt einen Kimono. Und fällt damit natürlich auf. Die Ko-Klassenlehrerin erwartet mit 20 Kindern der sechsten Jahrgangsstufe und den Kolleginnen Toni Hofmann und Gabi Bartella Besuch vom Japanischen Generalkonsulat. Die kleine Delegation mit Michael Mayerhofer, Yukiko Luginbühl und Rumi Iwasa hat einen Bollerwagen voller Material mitgebracht und wird von den Kindern mit dem japanischen Kinderlied „Inu No Omawarisan“ begrüßt.

An zwei Projekttagen unter dem Titel „Das Wir gewinnt“ lernen die Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufe fünf und sechs, wie Kinder in anderen Ländern leben und lernen. „In Afrika und Asien haben die Kinder weite Wege bis zur Schule, in Japan ist das Schulsystem sehr streng – das haben die Sechstklässler schon gestern gelernt und einen Film über Japan gesehen“, erklärt Gabi Bartella. So können sie die Frage von Yukiko Luginbühl, was sie denn mit Japan verbinden, beantworten: „Sushi“, „nette Menschen“, „coole Kultur“, „große Städte“, „Reis“, „Kampfsport“, „Origami“, „andere Schriftzeichen“, sagen sie. Die Vertreterin aus dem Generalkonsulat hat eine Power Point-Präsentation mitgebracht. Japan ist über 20.000 Quadratkilometer größer als Deutschland, hat anderthalb Mal so viele Einwohner und ist knapp 10.000 Kilometer entfernt. Tokyo ist mit 14 Millionen Einwohnern riesig und eine Stadt, die nie schläft. Das U-Bahnnetzt mit 13 Linien und täglich über acht Millionen Fahrgästen ist das am stärksten genutzte der Welt. „Man wird in die Züge gestopft“, sagt Luginbühl und zeigt auf ein entsprechendes Bild, zu den Hauptverkehrszeiten ist dafür besonderes Personal auf den Bahnhöfen.

„Okinawa ist die südlichste Insel und fast so schön wie die Malediven“, berichtet Luginbühl, „auf Hokkaido, der nördlichsten Insel, liegt dagegen viel und lange Schnee.“ Tradition und Moderne existieren im Land, dessen Flagge mit einem roten Kreis auf weißem Grund den Sonnenaufgang symbolisiert, nebeneinander. Der Kimono ist ein gern getragenes Kleidungsstück, mit humanoiden Robotern wie Asimo gehen die Japaner selbstverständlich um. Allerdings werden überall auch heute noch die Schuhe vor der Wohnung ausgezogen.

„In Japan wird dreimal täglich warm gegessen“, erzählte Luginbühl weiter. Neben Sushi und Ramen haben es inzwischen auch Spaghetti und Curry-Reis in der Beliebtheitsskala weit nach oben geschafft. „Es gibt wenigstens drei Arten, sich zu verbeugen. Das lernt man schon im Kindergarten“, sagt die Vertreterin aus dem Generalkonsulat.

Das Schulsystem ist wesentlich strenger als in Deutschland, ab der Mittelschule werden Uniformen (und Hüte) getragen. Ein japanischer Schultag ist lang, die Kinder stehen früh auf und kommen selten vor 21 Uhr nach Hause. Sie putzen ihre Schule nach dem Unterricht selbst.

Die Vertreter aus dem Generalkonsulat lassen Schulhefte durch die Reihen gehen. Es gibt drei verschiedene Schriftzeichen-Systeme, unvorstellbar viele Zeichen sind zu lernen; „2200 Zeichen sind Pflicht“, bemerkt Rumi Iwasa. Die Mädchen und Jungen staunen. Die Japanerin hat Kalligrafie-Tinte und -Pinsel mitgebracht, für jedes Kind. Es geht bei Kalligrafie nicht nur um schön gemalte Kanji-Zeichen, sondern auch um die entsprechende äußere und innere Haltung. Mit einem waagerechten Strich wird begonnen, Iwasa geht von Tisch zu Tisch, korrigiert, erläutert. „Schreiben wir ein ‚A’ schlägt sie vor. Doch das ist viel zu schwierig. Ein „I“ gelingt schon eher. Als die Kinder auf die Idee kommen, ihre Namen auf diese Weise aufs Papier bringen zu wollen, hat Rumi Iwasa richtig viel zu tun.

Die Verbindung zwischen Elisabethenschule und Japanischem Generalkonsulat gibt es seit einem Jahr. Sie wird mit Freude weiter gepflegt werden und könnte eine Anregung für andere Ländervertretungen in Frankfurt sein.

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