Mit Joghurt auf die Waage gelockt

Trainierte Zoo-Tiere erleichtern medizinische Kontrollen

Martin Rödl kann mit Joghurt Ameisenbärin Evita dazu bewegen, sich wiegen und untersuchen zu lassen. Foto: Faure

Ostend (jf) – Evita ist eine kleine Diva. „Sie wollte sich ungern wiegen lassen, im Gegensatz zu ihren Gefährten. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen“, erzählt Tierpfleger Martin Rödl. Seit 2009 ist er im Zoo und arbeitet gegenwärtig im Grzimek-Haus. Das Tiertraining ist nicht neu, das machen die Tierpfleger schon lange.

Im vergangenen Jahr wurde allerdings im Zoo Frankfurt eine spezielle Stelle für die Koordinierung des Trainings geschaffen, nun wird unter der Leitung von Regina Brinkmann das Training weiter professionalisiert. Das ist einzigartig in Deutschland. Brinkmann, seit 1989 gelernte Tierpflegerin und zwölf Jahre lang für die Menschaffen zuständig, kennt alle Reviere. Für ihre neue Aufgabe hat sie an einer Fortbildung teilgenommen und auch andere Zoos besucht. Martin Rödl hat einen Napf mit Naturjoghurt in der Hand und wird die Ameisenbärin Evita und ihren halbstarken Sohn Eddi gleich besuchen.

„Eddi wird dabei separiert, nur Evita soll gewogen werden. Außerdem werde ich sie untersuchen, nach den Krallen und möglichen Verletzungen schauen“, erklärt Rödl. Einmal wöchentlich werden die Ameisenbären (Südliche Tamanduas) gewogen. „Das im Juni 2017 geborene Jungtier wiegt inzwischen schon zwei Kilo und lässt sich trotzdem noch auf dem Rücken der Mutter herumtragen. Das ist für diese eine große Belastung und kann auch zu Verletzungen durch die Krallen des Jungtiers führen“, erklärt der Tierpfleger. Dann verschwindet Rödl und taucht gleich darauf mit Joghurt und einer Waage im Gehege von Ameisenbären und Kaiserschnurrbart-Tamarinen auf. Lange muss der Tierpfleger nicht warten, Eddi schlüpft vorbei, Evita hat den Joghurt entdeckt, schleckt ihn auf, begibt sich dabei auf die Waage, lässt sich Krallen und Fell kontrollieren – völlig stressfrei.

Weniger Stress für Tier und Mensch

Um das so hinzubekommen, brauchte Martin Rödl ein dreiviertel Jahr lang Geduld. Aber die zahlt sich nun aus, weder Tier noch Mensch gehen die Gefahr von Verletzungen ein. „Grundsätzlich kann so ziemlich jedes Tier trainiert werden. Eine Vogelspinne wird zwar keine Purzelbäume schlagen, aber man kann sie dazu bringen, sich irgendwohin zu begeben. Man merkt absolut, wenn die Tiere genug vom Training haben, außerdem ist jedes Tier anders und individuell“, erklärt Rödl.

Längst sind noch nicht alle Tiere systematisch beschäftigt, da ist noch viel zu tun. Und es geht nicht um das Erlernen von Kunststücken – der Zoo ist kein Zirkus. Es geht um Bewegung und die Erleichterung medizinischer Untersuchungen. Je weniger Narkosen notwendig sind, um beispielsweise Blut abzunehmen oder Ultraschalluntersuchungen durchzuführen, desto besser. Das wissen auch die beiden Tierärztinnen zu schätzen. „Das medizinische Tiertraining, aber auch eine artgerechte Tierbeschäftigung sind wichtige Säulen der modernen Zootierhaltung“, ergänzt Miguel Casares, seit 1. Februar 2018 amtierender Zoodirektor.

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