Aktion für Geschwister von schwer kranken Kindern Eine Woche lang ohne Sorgen spielen und Filme drehen

Kinder, Jugendliche und Betreuer haben in der Freizeit viel zusammen erlebt. Foto: Faure

Nordend (jf) – „Das bin ja ich!“ Emy ist vom Kinosessel aufgesprungen und schaut stolz und staunend auf das Großbild. Zum ersten Mal sieht sie sich auf der Kinoleinwand, sie spielt eine der drei Hauptrollen im Film „Die gestohlene Krone“ – einer von insgesamt acht Streifen, die in der Freizeit im niederbayrischen Handloh entstanden sind.

2014 hatte eine Initiativgruppe um Thomas Ziegler vom Frankfurter Kinderbüro die Idee, etwas für Geschwister von schwer kranken oder bereits verstorbenen Kindern zu tun. 2015 fand die erste Freizeitwoche in Handloh statt, elf Kinder nahmen daran teil. „Die Geschwister von schwer kranken Kindern müssen schon früh mit ran und Verantwortung übernehmen. Das ist nicht leicht“, erklärt Zoe Rothmann vom Kinderbüro. Vom 24. bis zum 31. März fand die vierte Ferienfreizeit für Geschwisterkinder statt.

20 Mädchen und Jungen zwischen zehn und sechzehn Jahren nahmen daran teil. Sieben Betreuer kümmerten sich um sie, darunter Zoe Rothmann: „Das Haus in Handloh erfüllt viele Ansprüche und ermöglicht es, mit einem komplett ausgestatteten Studio Filme zu produzieren.“ Der professionelle Filmemacher Boris Kreuter erklärt den Kindern nicht nur, wie es geht, sondern überlässt ihnen viel in eigener Regie. Über Filme können sich die Kinder und Jugendlichen gut und schnell ausdrücken, es macht ihnen Spaß, sie sind sehr engagiert und kreativ.

Kurze Spielfilme gedreht 

Waren es 2015 Trickfilme, sind es in diesem Jahr zusätzlich kleine Spielfilme. Das kann man in 76 Kinominuten sehen; da wird am Drehbuch gearbeitet, die Kameraführung besprochen, gestritten und viel gelacht. „Die Kinder sind jedes mal vom Filmen begeistert“, sagt Lisa Criseo-Brack, Koordinatorin beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Hanau. Sie war nicht nur Betreuerin, sondern als Köchin für die Verpflegung verantwortlich und spielte eine Hauptrolle als „entführte Köchin“ im Action-Streifen „Unprofessionals“. Außerdem hatte sie Origami entdeckt und teilte die japanische Kunst des Papierfaltens mit den Kindern, die sich dafür interessierten.

Handloh heißt Freiheit. Die Mädchen und Jungen dürfen so ziemlich alles, auch wenn es ein paar Regeln gibt, die eingehalten werden müssen. „Während der Freizeit kann ein Kind ein Spiel zu Ende spielen, auch wenn es eine Stunde dauert. Das ist zuhause meist nicht möglich“, erläutert Criseo-Brack. „In Handloh gibt es auch einen Mondscheindienst in der Nacht. Jeder, der einen Tee oder eine Wärmflasche braucht oder einfach nur reden möchte, darf anklopfen“, bemerkt Rothmann.

Ausflüge, gemeinsames Kochen, Sport und Lagerfeuer

Nach vier Jahren wird das Projekt vom Kinderbüro an die 2017 gegründete Geschwisterzeit Rhein-Main übergeben, dessen Träger die RheinMainBildung gGmbH und KOMM Ambulante Dienste sind. Die Aktion Mensch unterstützt das kleine Team, das aus Nina Vietzke und Joshua Wolter besteht – beide waren mit auf der diesjährigen Freizeit. Die Filme sind das Hauptwerk in Handloh, aber es gibt auch Ausflüge beispielsweise zum Baumwipfelpfad, gemeinsames Kochen und Backen, Sport, Spiele, Lagerfeuer, Spaziergänge mit dem Therapiehund Maju, Bogenschießen, Gummischweine schleudern – ein ganz besonderes Spiel mit einem extra dafür entwickelten Katapult. In der unbeschwerten Woche entstehen Freundschaften. Kein Wunder, dass der Wunsch entstand, sich öfter treffen zu können.

„Wir wollen neben den Geschwistertagen, die alle vier bis sechs Wochen stattfinden, auch kürzere Freizeiten im Sommer und im Herbst anbieten und alle 14 Tage einen Geschwisterclub im Ostend“, sagt Nina Vietzke. Emy fand die Woche in Handloh ganz toll, besonders die Fahrt auf der Sommerrodelbahn hat ihr gefallen. Asmaa war vom Peng-Spiel im Wald beeindruckt, Dania begeisterte sich für die Trickfilmerei. „Es ist schön dort, man lernt Freunde kennen. Und es ist nicht wie in der Schule“, sagt sie. An diesem Tag im Kino Mal Seh’n kehrt ein Teil der unbeschwerten Fröhlichkeit von Handloh zurück, es wird viel umarmt und gelacht. Und das tut allen gut.