Ein Ständchen für das Geburtstagskind Abdel

Zwei Jubiläen sind bei Ostparkkickern Anlass zum Feiern

Mit Kuchenblech und vielen Freunden: Abdel (Zweite Reihe, Vierter von links) feiert bei bestem Wetter. Foto: Faure

Ostend (jf) – „Los, schieß doch!“, „Mehr in die Breite!“, „Doch nicht so steil!“ Die Experten am Rand wissen es auch auf der Wiese im Ostpark besser. Und an diesem Samstag ist viel los. Es ist ein besonderer Tag, denn es gibt doppelten Anlass zum Feiern. Abdelali Aouati, von allen nur Abdel genannt, ist 80 Jahre alt geworden. Unglaublich. 

Vor 40 Jahren gründete der Kaufmann aus Algier den Verein mit, der bewusst nirgendwo eingetragen ist und keine Mitgliedsbeiträge erhebt. Während andere Mitgründer nicht mehr kicken, läuft Abdel weiter in Sportkleidung über den holprigen Rasen, positioniert sich nah am Tor. Abstauben kann er, wie die Freunde glaubhaft versichern. Jeden Samstag im Ostpark, was sagt denn die Familie dazu? Abdel lacht: „Meine Frau und meine Kinder sind stolz auf mich.“ Dabei blieb ihm ein harter Schicksalsschlag nicht erspart, 1986 starb sein Sohn bei einem Brand. „Da wollte ich nicht mehr spielen, für mich war alles zu Ende. Doch meine Freunde riefen an, redeten mir zu, wieder in den Ostpark zu kommen. Der Fußball hat mich wieder in die Spur gebracht“, sagt Abdel.

Und geht erneut auf den Rasen. Vier Mannschaften spielen heute, so viele sind es nicht immer. Ist aber egal, die Kicker treffen sich jeden Samstag zum Spielen, bei minus 12 Grad und bei 40 Grad im Schatten, bei Regen, Schnee und Sonne. Abdelali Aouati, eigentlich Rentner, reist immer noch zwischen Frankfurt und Algier hin und her. Nicht mehr so oft wie früher, als er beruflich medizinische Geräte und Laborausrüstungen exportierte, aber hin und wieder schon. „Ich spiele auch in Algier mit den jungen Leuten Fußball, wenn es klappt“, sagt der im Maghreb Geborene und seit Jahrzehnten in Deutschland Lebende.

Mitspieler machen Abdel zum Ehrenpräsidenten

30 Jahre hatte er in Sachsenhausen gewohnt, dann ist er nach Offenbach gezogen, in eine kleinere Wohnung. „Der Ostpark ist das Beste. Wenn ich unterwegs bin, achte ich darauf, freitags zurück zu kommen, damit ich samstags spielen kann. Und spielen möchte ich noch lange“, unterstreicht Abdel. Natürlich will er immer gewinnen, so wie alle, die hier antreten. „Aber wir sind auch faire Verlierer, trinken anschließend ein Bier zusammen und reden“, erklärt der Senior, dem man sein Alter nicht ansieht. Die Mitspieler haben ihn zum Ehrenpräsidenten gemacht. „Wir haben heute für ihn gesungen, ein Lied nach der Melodie von ‚My Oh My’, dem Hit von Slade aus den 1980er Jahren“, erzählt Joe.

„Einfach Frankfurt, deine Jungs sind hier, wie ein Felsen stehen wir zu dir“, heißt es im Lied. Der Verein kam bei einem Turnier zu seinem Namen. Als jemand fragte, wie die Mannschaft denn heiße, sagte einer: „Schreib doch einfach Frankfurt!“ Seit 20 Jahren spielt Joe aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, es war aber klar für ihn, an diesem Samstag in den Ostpark zu kommen. „Kicken auf der Wiese im Ostpark ist tatsächlich etwas Besonderes. Da spielen Nationalitäten keine Rolle, das Alter auch nicht. Schiedsrichter brauchen wir keine, das klären wir untereinander“, sagt Joe.

Damals markierten Rucksäcke die Tore 

Hans-Peter sieht das genauso, kam etwa ein Jahr nach der „Vereinsgründung“ hinzu. „Damals spielten wir noch mit Rucksäcken als Tore, dann kamen die Stangen, dann – vor 25 Jahren – haben wir zusammengelegt und Tore gekauft“, bemerkt er. „Ob du Afrikaner, Kosovare oder Deutscher bist, ist völlig egal. Sogar einen Inder, der sich Herr Singh nannte, hatten wir einmal mit dabei.“ Keiner muss sich an- oder abmelden, wer da ist, ist da und fertig. Gespielt wird von 14.30 Uhr bis 17 Uhr, anschließend gibt es Bier und Gespräche, gehört alles zusammen.

„Abdel, der Kuchen ist für dich, habe ihn gerade gebacken, der ist noch heiß. Aber ich muss weg, es geht um den Abstiegskampf“, sagt eine junge Frau, drückt dem Jubilar Handschuhe und Kuchenblech in die Hand und ist auch schon wieder verschwunden. Es dauert eine Weile, bis sich alle am Tor eingefunden haben. Inzwischen zeigt Abdel, dass er’s noch drauf hat: Er, das Kuchenblech in der Hand, nickt einem Mitspieler zu, der wirft den Ball auf Abdels Fuß und – zack, ist die Kugel mit dem Hacken im Tor. So geht das.

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