Wandergeselle macht nach dreijähriger Walz Station bei Münsters Bürgermeister Gute Reise, Bernd Franke

Bürgermeister Gerald Frank empfängt Bernd Franke aus Fulda. Der Wandergeselle ist seit drei Jahren auf der Walz.  Foto: p

Münster (rin) –   Gesellenprüfung bestanden, ledig, kinderlos, frei von Schulden und Vorstrafen sowie unter 30 Jahre alt – all diese Kriterien treffen auf den 1991 geborenen Bernd Franke zu, der seine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer erfolgreich abgeschlossen hat. Um fremde Länder und neue Arbeitspraktiken kennenzulernen sowie Lebenserfahrung zu sammeln, fasste er im Jahr 2013 den Entschluss, für längere Zeit auf Wanderschaft zu gehen.

War die Gesellenwanderung in mittelalterlicher Zeit in vielen Zünften als Teil des Ausbildungsweges bis hin zur Meisterschaft Pflicht, nehmen heute nur noch wenige junge Menschen die Entbehrungen einer Walz auf sich. Dazu gehört, dass Wandergeselle Franke eine sogenannte Bannmeile respektieren muss. Das bedeutet, dass er für drei Jahre und einen Tag seiner Heimatstadt Fulda nicht näher als 50 Kilometer kommen darf. Darüber hinaus ist für ihn das Tragen der traditionellen Kluft Pflicht. Die besteht aus einem schwarzen Hut, schwarzen Schuhen und einem Jackett mit mindestens drei Knöpfen; außerdem ist die Farbe Grün tabu. Werkzeug, Hab und Gut, trägt der Wandergeselle in einem geschnürten Bündel mit sich. Geld für Unterkunft und Fortkommen auszugeben, ist strengstens untersagt – die Bahnfahrt als mögliches Reisemittel fällt also flach. Dafür schafft die Wanderkskluft Vertrauen und öffnet dem Träger so manche Tür – denn er hat sich stets ehrbar zu verhalten.

Bernd Frankes Wanderung, die vor gut drei Jahren begann, führte den jungen Mann nicht nur durch 17 Länder, sondern auch nach Münster, wo er im Rathaus bei Bürgermeister Gerald Frank Station machte. Franke, der sich als Mitglied der Gesellschaft der rechtschaffenen fremden und einheimischen Maurer- und Steinhauergesellen (die älteste Vereinigung reisender Bauhandwerker) vorstellte, präsentierte Bürgermeister Frank seine Kluft samt Wandergepäck und Wanderstock. Er erklärte, dass die Tradition der Gesellenwanderung bereits 900 Jahre alt sei.

Der Rathauschef signierte des Gesellen Wanderbuch, das nur so strotzt von Einträgen und Stempeln aus anderen Städten und Gemeinden. Mit den besten Wünschen für die Weiterreise verabschiedete Frank den Burschen aus dem Rathaus, der dank eines Stipendiums in Venedig seine Wanderschaft um ein Jahr verlängern wird. Über die Schweiz will er in die italienische Lagunenstadt ziehen, um dort seine handwerklichen Fähigkeiten zu vervollkommnen.

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