Raus aus der Einsamkeit: „Pontifeen“ bauen Brücken

Acht Fechenheimer geben Senioren Starthilfe

Die „Pontifeen“ helfen einsamen Menschen, Kontakt zu Gruppen im Begegnungszentrum zu knüpfen. Sie unterstützen bei den ersten Schritten und wurden dafür extra geschult. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Angebote für ältere Menschen hält das Begegnungs- und Servicezentrum Fechenheim des Frankfurter Verbands viele bereit. Doch manchen Senioren fehlt der Mut, sich alleine einer neuen Gruppe anzuschließen. Acht Fechenheimer wollen nun Hilfestellung beim „ersten Schritt“ leisten.

Die Brückenbauer heißen „Pontifeen“ und wurden in Workshops auf ihr Ehrenamt vorbereitet. Naoual Alyarrudi hatte die Idee für das Projekt. Sie leitet seit acht Jahren das Begegnungszentrum, das zentral im Fechenheimer Ortskern, Alt-Fechenheim 89, liegt. „Wir möchten verhindern, dass ältere Menschen vereinsamen“, sagt Alyarrudi.

Angebote für Senioren allein reichen oft nicht aus

Ihrer Erfahrung nach reiche es nicht, bedarfsgerechte Angebote aus den Bereichen Gesundheit, Kultur, Geselligkeit und Musik zu bieten sowie zu Festen, Ausflügen und Kursen einzuladen. Manche Menschen trauen sich einfach nicht, auf andere zuzugehen. „Eine Gruppe, die sich schon länger kennt, kann auf einen Neuankömmling abweisend wirken. Dann gibt es eventuell noch ein Missverständnis, was die Sitzordnung angeht und schon fühlt sich jemand Neues nicht willkommen“, erklärt die Leiterin. Damit so etwas nicht passiert, sollen die „Pontifeen“ die alleinstehenden Senioren bei ihren ersten Besuchen der Begegnungsstätte begleiten, bei ihnen bleiben und somit als Brückenbauer fungieren.

„Pontifeen“ sind gut auf ihr Ehrenamt vorbereitet worden

Da die Gründe für Einsamkeit so vielfältig sind wie die Menschen selbst, wurden die „Pontifeen“ von Kommunikationstrainerin Kerstin Zahrt und von der psychotherapeutischen Beraterin Ute Rieschle-Schedler von März bis Mai für ihre ehrenamtliche Aufgabe geschult. In den Workshops galt es, ein Gefühl für den Umgang mit den Betroffenen zu entwickeln. „Die ,Ponitfeen’ müssen erkennen, bei wem sie eher zurückhaltend agieren und an wem sie ,dranbleiben’ müssen. Wir wollen niemanden überrennen“, erklärt Alyarrudi. Kommunikationscoach Kerstin Zahrt ist zuversichtlich, dass die „Pontifeen“ ihre Aufgabe gut meistern werden: „Ich war beeindruckt, mit wie viel Energie die Teilnehmer bei den Workshops bei der Sache waren. Jeder konnte von der Lebenserfahrung der anderen profitieren.“

Mit Zertifikaten ausgezeichnet, können sich die „Pontifeen“ jetzt an die Arbeit machen. So wie Heike Labudda, Die 52-Jährige wollte gerne wieder ehrenamtlich tätig werden und dabei Menschen helfen. „Ich fand vor allem den Psychologie-Workshop sehr interessant, in dem wir gelernt haben, uns in andere hineinzuversetzen“, sagt die Fechenheimerin. Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. „In Zeiten von hoher Mobilität sind funktionierende Nachbarschaften von großer Bedeutung“, begründete Projektreferentin Stefanie Römer, warum die Stiftung die „Pontifeen“ fördert.

Sozialbezirksvorsteher und Seniorenbeirat sollen das Projekt weiterempfehlen

Um Menschen zu finden, die Starthilfe von den „Pontifeen“ benötigen, liegen im Stadtteil Faltblätter aus, in denen das Projekt vorgestellt wird und Ansprechpartner genannt sind. So können sich Senioren, die eine Begleitung bei ihren ersten Besuchen der Begegnungsstätte wünschen, direkt an Naoual Alyarrudi wenden, die dann eine „Pontifee“ vermittelt. Aber auch so genannte Multiplikatoren im Stadtteil, wie Sozialbezirksvorsteher oder Seniorenbeirat, werden einsamen Menschen das neue Projekt weiterempfehlen.

Das Begegnungs- und Servicezentrum ist unter Telefon 069 97694692 sowie per E-Mail an naoual.alyarrudi[at]frankfurter-verband[dot]eu erreichbar. Wer gerne als „Pontifee“ tätig werden möchte, kann sich ebenfalls an die genannte Telefonnummer/E-Mail-Adresse wenden. Wer „Pontifee“ werden möchte, muss in Fechenheim wohnen. „Das ist die einzige Voraussetzung, denn schließlich handelt sich um ein Nachbarschaftsprojekt“, sagt Alyarrudi.

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