Wann ist ein Mensch zum Sterben bereit? Gabi Fachinger stellt den Roman „Accabadora“ vor

Gabi Fachinger stellte den berührenden Roman „Accabadora“ von Michela Murgia vor. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Die Bibliothekarin Gabi Fachinger stellte beim Literaturgespräch in der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) der Herz Jesu Gemeinde in Fechenheim einen wahren Geheimtipp vor: Den Roman „Accabadora“ von der italienischen Autorin Michela Murgia.

Das eher unscheinbare, 170 Seiten umfassende Büchlein erzählt vom Leben in einem kärglichen Dorf auf Sardinien in den 50er Jahren, von einem Mädchen mit zwei Müttern und wirft Fragen zum Thema „Sterbebegleitung“ auf. Das Mädchen Maria, eine der beiden Hauptfiguren der Geschichte, stammt aus ärmlichen Verhältnissen, wird im Alter von sechs Jahren einer kinderlosen Schneiderin übergeben, die sich gut um Maria kümmert. Eines Tages kommt das Kind dahinter, dass ihre Adoptivmutter noch einer anderen Tätigkeit nachgeht: Ihre Ziehmutter ist eine sogenannte Accabadora, was übersetzt so viel bedeutet wie „die für den Übergang zuständige“.

Die Accabadora ist auf Sardinien eine mystische Figur

„Auf Sardinien ist die Accabadora eine mystische Figur und selbst Völkerkundler sind sich nicht sicher, ob es sie wirklich gegeben hat oder ob sie nur Legenden sind“, erläuterte Fachinger. Accabadoras fungierten sowohl als Hebammen als auch als Sterbehelferinnen. Als Maria erfährt, dass ihre Ziehmutter Sterbenden hilft, kann sie dies zunächst nicht gutheißen. „Sie hinterfragt die archaischen Strukturen kritisch“, erklärt Fachinger.

Im Roman wird zum Nachdenken über das Thema Sterbehilfe angeregt

Auch der Leser wird sich während der Lektüre mit seiner eigenen Einstellung zum Thema Sterbehilfe auseinandersetzen müssen. „Im Verlauf des Romans werden Fälle geschildert, in denen nach der Accabadora verlangt wird. Wann ist ein Mensch bereit zum Sterben und wann nicht? Diese Fragestellung wird in der Geschichte eindringlich beschrieben“, sagt Fachinger. Manchmal erscheint die Antwort eindeutig, manchmal aber auch nicht. Das Buch mache deutlich, dass der Tod zum Leben gehört, lautete Fachingers Fazit. Sprachlich komme das Buch laut Fachinger „ohne literarische Schnörkel aus“. Vielmehr habe man das Gefühl, man sitze mit der Autorin an einem großen Holztisch bei einer Portion Spaghetti und lausche ihrer Erzählung.

Das Buch „Accabadora“ kann in der KÖB der Herz Jesu Gemeinde ausgeliehen werden.

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