Begegnungsstätte geht auf Foto-Exkursion mit Jürgen Gries Ratsherren und Windspiele

Gucken nicht mehr in die Röhre: Jürgen Gries (links) geht mit Exkursionsteilnehmern endlich wieder auf Fotopirsch. Foto: Faure

Fechenheim (jf) - Es regnet ein bisschen. Soll man da wie geplant auf Fotopirsch gehen? „So schlimm ist es doch nicht“, sagt einer der fünf am Kurs Teilnehmenden. Naoual Alyarrudi vom Interkulturellen Begegnungs- und Servicezentrums des Frankfurter Verbands hat die Türen des Hauses geöffnet. Dort kommen die Fotofreunde und eine Fotofreundin zusammen.

Die Idee für eine solche Gruppe hatten Alyarrudi und Hobbyfotograf Jürgen Gries, der 40 Jahre als Polizeibeamter und zuletzt als Schutzmann vor Ort in Fechenheim tätig war, schon lange. Digitalfotografie und Motivsuche sollten mit Bilderbesprechung und Techniktipps verbunden werden. Jeden zweiten Montag im Monat wollte man gemeinsam am Laptop über die Bilder sprechen und ein Thema für den nächsten Rundgang festlegen, jeden vierten Montag auf Exkursion gehen. Die ersten Treffen fanden statt und dann kam Corona. Nun wurde der Kurs wieder aufgenommen.

Die Fotobegeisterten laufen bis zum Alten Rathaus. Bei der vorangegangenen Exkursion durfte man den Turm der gegenüberliegenden Melanchthonkirche der evangelischen Kirchengemeinde erklimmen. Von dort bot sich ein schöner Blick aufs Quartier. Nun also unten, vor dem Rathaus, in dem sich der Polizeiposten befindet und ein Kindergarten. „1902 wurde das Haus für drei Meister errichtet: Bürgermeister, Hausmeister und Wachtmeister“, sagt Gries, „Fechenheim gehörte damals noch nicht zu Frankfurt. Und hatte Geld.“ Neben einer Löwenskulptur am Dach und einer Hundefigur an der Fassade ist über einem Fenster die Büste eines Ratsherrn zu sehen. Muss man schon genau hinschauen. Dann geht es in den Hof mit der Feuerwehrrutsche. „Wer in den Hof will, sollte allerdings bei der Polizeiwache Bescheid sagen“, rät Gries.

Das Wandbild eines Theatermalers ist in der Baumertstraße zu entdecken. Der erfahrene Hobbyfotograf gibt Tipps: „Vielleicht sollte man den Kontext mit abbilden. Oder die Tiefenschärfe verändern.“ Jedenfalls nicht in den Hof hineingehen, das ist schließlich Privatbesitz.

Vorbei geht es am früheren Bunker in der Gründenseestraße, in dem sich moderne Wohnungen befinden, über die Martin-Böff-Gasse zum Ehrenmal für die 1870/71 Gefallenen in der Starkenburger Straße. Ein paar Inschriften sind an der Alten Freiligrath-Schule zu entziffern. Weiter führt der Weg über die Gasse Am Mainbörnchen zum Fluss. Gries fällt auf einer Hauswand eine Spinne auf. Das entgeht dem Spezialisten für Makrofotografie natürlich nicht: „Ich kann mittlerweile bei Eintagsfliegen Männchen und Weibchen unterscheiden“, scherzt er.

An den Straßenbahnschienen angelangt, stoßen die Exkursionsteilnehmer auf ein Schild „Im Wind“ mit QR-Code für die Internetseite kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de. Silke Wagner schuf 2017 sechs Skulpturen für den Fechenheimer Leinpfad. Alle Windspiele haben etwas mit der Umgebung zu tun. So steht eine Art Gewebe-Skulptur mit sichtbarem „L“ an der Leinwebergasse. „Wenn man sich entsprechend positioniert, kann man den Turm der Herz-Jesu-Kirche in der Gewebe-Skulptur sehen und das Motiv fotografieren“, verrät Gries.