Lustig, trashig, skurril Benefiz-Bingo mit den Gaga-Ladies

Die Gaga-Ladies Dagmar Diarrhoe (von links), Waltraud und Margot beim Benefiz-Bingo. Bild: Faure

Innenstadt (jf) – Das „Switchboard“ ist schon kurz nach Öffnung gut besucht. Junge und ältere Gäste, Frauen und Männer – eine bunte Mischung. Die meisten sind Stammgäste. Das Café ist über dem Thekenbereich über und über mit Weihnachtsdeko geschmückt, an der linken Wand im Gastraum hängt ein bunter, überdimensionaler Adventskranz. Die Ehrenamtlichen haben sich mächtig ins Zeug gelegt.

Dagmar Diarrhoe, eine der drei Gaga-Ladies, begrüßt das Publikum zum sechsten Benefiz-Bingoabend: „Wir spielen gleich drei Runden Bingo, müssen uns nur noch ins Internet einwählen.“ Seltsame Geräusche ertönen vom Band. Dagmar zur Seite stehen die beiden anderen Gaga-Ladies Waltraud und Margot, zusammen sind sie ein trashiges Trio; unmöglich gekleidet, schlecht geschminkt und mit riesigen Sonnenbrillen. Es wird hessisch gebabbelt, an spitzen Bemerkungen zwischen den Ladies nicht gespart.

Dass dieser Abend überhaupt stattfinden kann, ist den Ehrenamtlichen zu verdanken. Etwa 30 Menschen verantworten Küche, Theke, Service und Technik. Ohne sie wäre das „Switchboard“, dessen Träger die Aidshilfe ist, nicht möglich. Das Café ist der größte Ehrenamtsbereich der Aidshilfe in der Stadt.

„Roland Marzinowski hat das ‚Switchboard’ bis vor Kurzem koordiniert, nun übernimmt Josefine Liebing die Koordination“, verkündet Dagmar. Diese Stelle und eine weitere Teilzeitstelle sind hauptamtlich, alles andere wird ehrenamtlich gestemmt. Dann beginnt die erste Runde. Hat jemand eine Schnapszahl, gibt es tatsächlich Schnaps. Oder eher Likör, sonst wäre der Abend wahrscheinlich für einige Gäste schnell zu Ende. Mit viel Freude werden die kleinen Gläser serviert. Wer eine Bingoreihe voll hat, erhält ein Freigetränk.

Die Gaga-Ladies ziehen die Zahlen und verkünden sie, gerne auch auf Spanisch, Italienisch, Französisch. Eine Reihe? Das muss überprüft werden. Schwierig, wenn der Spieler die Zahlen mit einem dicken schwarzen Filzstift markiert hat. Kontrolle ist nur mit Kerzenlicht hinter dem Bingoschein möglich. Fast eine brenzlige Angelegenheit. Für den ersten ausgefüllten Bingoschein gibt es ein Geschenk; der Zeit entsprechend ist das ein Adventskalender mit Anti-Glückskeksen.

„Das Benefiz-Bingo ging erstmals im Februar dieses Jahres an den Start. Dabei sammeln wir Geld für eine Organisation aus dem LGBTQ-Spektrum der Region“, erklärt Dagmar Diarrhoe alias Philippe-Nils Hofmann später. Seine Kunstfigur hat er etwa vor zehn Jahren erfunden. Das „Switchboard“ feierte in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Es ist ein Safe Space für die queere Community. Der Untertitel des Ortes lautet „Bar. Café. Kultur.“ Das Veranstaltungsprogramm ist vielfältig, es gibt eine offene Bühne, die Cream Time am Sonntagnachmittag, Filmvorführungen, Musik, Gespräche, Vorträge und rauschende Partys. Wer mehr wissen möchte, kann sich online auf frankfurt -aidshilfe.de informieren.

Der nächste Benefiz-Bingoabend findet am 24. Februar 2024 statt. Dazu sind nicht nur queere Menschen herzlich willkommen, sondern alle, die Spaß am Bingo und am Trash haben, einen vergnügten Abend erleben wollen und respektvoll und tolerant sind.