Jochen und Noori sind ein Tandem beim Mentoring-Programm Socius Ein idealer Bereich zum Helfen

Das Tandem Jochen und Noori. Bild: Susanne Schmidt-Lüer/p

Frankfurt (red) – Noori strahlt. Er sprüht vor Energie und Zuversicht. Jochen, sein Gegenüber an diesem Nachmittag im Café Metropol, strahlt ebenfalls. Die beiden Männer, 37 und 39 Jahre alt, tun etwas sehr Sinnvolles, das sie beide mit Freude erfüllt: Sie sind ein Tandem beim Mentoring-Programm Socius für Migranten und Geflüchtete der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach. Im September traf sich das neue Tandem zum ersten Mal. Noori, afghanischer Journalist aus Herat, der nach der Machtübernahme der Taliban mit einem Evakuierungsflug ausgeflogen wurde, lebt in der Nähe von Frankfurt. „Ich habe einen Bachelor in Journalismus, ich spreche mehrere Sprachen, aber als Geflüchteter hatte ich keine klare Vision, wie mein Leben hier in Deutschland aussehen könnte. Die Sprache, die Kultur, die Arbeitssituation – alles ist anders.“ Nach zwei bis drei Treffen mit seinem Mentor, erzählt Noori, „fand ich nicht nur meinen Weg, sondern auch meine Moral wieder.“

Die Monate bevor ihn ein Freund auf das Mentoring-Programm Socius aufmerksam machte, schildert der 36-jährige so: „Ich war depressiv, unmotiviert, ich ging ins Jobcenter und erhielt dort schlechte Nachrichten über die vielen Millionen Geflüchteten aus der Ukraine, aus Afghanistan, die hier Arbeit suchen.“ Jochen sagt: „Es war wichtig, dass ich als Verbindungsglied zu anderen Menschen fungierte.“ Er besuchte mit Noori die Walter-Kolb-Stiftung. „Sie halfen mir weiter, was ich in Zukunft tun kann,“ sagt Noori. Eigentlich wollte der gelernte Journalist in Deutschland Jura studieren, sich auf Internationales Recht spezialisieren. Bei der Stiftung erfuhr er, dass er dafür sehr gute Deutschkenntnisse braucht. „Als Alternative nannten sie mir, Projektmanagement zu studieren.“

Noori hatte plötzlich wieder Ziele vor Augen: Gut Deutsch zu lernen und sehr gut Computerprogramme zu beherrschen. Eine Webseite, die Noori gemeinsam mit anderen Exil-Afghanen in Europa und Journalisten in Kabul entwickelt, wird demnächst online gehen. Ihr Name: www.ettelaa.com. Ettelaa, erklärt Noori, heißt Information. Die Webseite soll Neuigkeiten und Berichte publizieren mit Fokus auf dem Schutz von Menschenrechten, Journalisten und Frauen. Jochen, der 39-Jährige Finanzexperte, lauscht aufmerksam den Schilderungen. Er plante schon lange, sich ehrenamtlich zu engagieren. Den Tipp, sich beim evangelischen Mentoring-Programm Socius zu bewerben, erhielt er von einer Arbeitskollegin. Denn bei Socius wird niemand ins kalte Wasser geworfen, sondern zunächst in einer einjährigen Ausbildung für die Aufgabe qualifiziert. Das passte gut zu Jochens Vorstellungen: „Wir lernten rechtliche Aspekte, medizinische Sachverhalte, kulturelle Gegebenheiten kennen.“ Infos für Interessierte gibt es online auf evangelische-beratung. com/migration-flucht/mentori ng-programm-socius.