NS-Aufklärer Frank Nonnenmacher erhält das Verdienstkreuz am Bande Mit Verdienstorden ausgezeichnet

Frank Nonnenmacher mit der Urkunde und Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg. Bild: Stadt Frankfurt/Chris Christes/p

Altstadt (red) – Frank Nonnenmacher ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden. Der emeritierte Professor der Didaktik der Sozialwissenschaften der Goethe-Uni hat von Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg die Auszeichnung überreicht bekommen.

Nonnenmacher ist in der Politikdidaktik aktiv und war jahrelang Vorsitzender des Landesverbandes Hessen der Deutschen Vereinigung für politische Bildung. Zudem ist er mit seiner Doppelbiografie „Du hattest es besser als ich – Zwei Brüder im 20. Jahrhundert“, welche die Lebensgeschichte seines Vaters und seines Onkels während der NS-Diktatur erzählt, bekannt geworden. Mit seinem Werk, das er häufig in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen vorstellt, und seinem Einsatz für die von den Nazis als „Berufsverbrecher“ und „Asozialen“ betitelten, lange nicht anerkannten NS-Opfer, leistete der 79-Jährige einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Nonnenmachers Onkel Ernst hatte bereits als Kind, getrieben durch die extreme Armut seiner Familie, angefangen zu stehlen und musste schon in jungen Jahren mehrfach wegen Diebstahl, Bettelei und Hehlerei kurze Haftstrafen absitzen. Die Nazis ließen ihn dann als „Berufsverbrecher“ ohne richterliche Anordnung oder Verurteilung ins KZ Flossenbürg bringen, wo er vier Jahre lang dem Grauen des NS-Terrors ausgesetzt war und nur mit Glück überlebte. Insgesamt 70.000 KZ-Häftlinge – markiert durch einen grünen oder schwarzen Winkel auf der Brust – galten als „Berufsverbrecher“ oder „Asoziale“. Wenn sie überlebten, hatten sie nach dem Ende des Krieges Schwierigkeiten, als NS-Opfer anerkannt zu werden. Auch Ernst Nonnenmacher kämpfte darum und scheiterte. Sein Neffe führte seinen Kampf weiter: Frank Nonnenmacher initiierte 2018 eine Petition an den Deutschen Bundestag, die sogenannten Berufsverbrecher und Asozialen als Opfer der NS-Diktatur anzuerkennen und Überlebenden somit ein Anrecht auf staatliche Leistungen zu schaffen. Im Februar 2020 wurde die Petition angenommen und bestätigt – 75 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft.

„Schweigen und Verschweigen. Das waren nach dem Zweiten Weltkrieg die häufigsten Reaktionen auf das große Morden, mit denen die Nationalsozialisten Deutschland und Europa überzogen haben. In das Verschweigen haben sich die Täter geflüchtet, das Schweigen wurde zum Schicksal der Opfer. Sie, verehrter Herr Nonnenmacher, haben daran gearbeitet, dass das Schweigen und Verschweigen durchbrochen wurde. Sie haben den Weg für notwendige Erinnerungskultur bereitet“, würdigte die Bürgermeisterin den Einsatz.