Traute Fikau ist durch viel Bewegung im Leben 100 Jahre alt geworden Ein Faible für Irland, das Wandern und Fahrradfahren

Zum 100. Geburtstag überreichte Barbara Kazdal vom VdK Blumen an Traute Fikau (links) im Beisein ihrer Tochter Barbara Schneider (Mitte). Bild: Ingrid Zöllner

Riedberg (iz) – „Das sind aber schöne Blumen“, sagt Traute Fikau. Dazu gibt es einen Gutschein für den Blumenladen, wo sie sich nach Lust und Laune den Frühling in ihr Zimmer ins Seniorenheim „Korian Bettinahof“ holen kann. Beides überreicht ihr neben einer Karte Barbara Kazdal vom VdK. „Das ist sehr lieb. Schau mal, was für ein schönes Bild da drauf ist“, sagt die Seniorin zu ihrer Tochter Barbara Schneider. Zum 100. Geburtstag darf es eben etwas Besonderes sein.

Die Rentnerin ist gut aufgelegt, nur das Hören funktioniert nicht immer so, wie sie will. „Das ich so fit bin, liegt daran, dass ich mich immer viel bewegt habe“, erzählt sie. So kennt die 100-Jährige fast jeden Baum und jeden Stein im Taunus. „Ich bin mit meinem Mann und den Kindern früher jedes Wochenende im Taunus wandern gewesen.“ Tochter Barbara nickt: „Sonntags hieß es immer; Kinder, zieht euch an, es geht in den Taunus. Als Kind fand ich das furchtbar, aber später habe ich daran Gefallen gefunden.“ Die beiden lachen. „Ihren Humor hat sie sich bis heute bewahrt, wir lachen immer sehr viel“, sagt Schneider.

Geboren wurde Fikau am 16. Februar 1924 im damaligen Pommern in Danzig. Aufgewachsen ist sie als Jüngste neben zwei Brüdern und einer Schwester in Graudenz, das heute zu Polen gehört. „Direkt nach der Schule habe ich als Verwaltungsangestellte im staatlichen Gesundheitsamt angefangen. Ich war so jung, ich hatte damals überhaupt keine Ahnung davon. Aber die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, ich hatte einen tollen Chef“, erzählt die 100-Jährige, die fließend Polnisch spricht.

Mit den Kriegswirren muss die Familie 1945 aus Pommern fliehen. „Wir sind immer an der Ostseeküste entlang Richtung Westen“, erinnert sie sich. Da der Vater eine Schrotmühle hatte, besaß die Familie Pferde und einen Wagen, mit denen sie geflohen sind. „Zum Glück hatten wir die Pferde, denn die Züge waren vollgestopft mit Flüchtlingen“, weiß Fikau. Die Familie kommt schließlich nach mehreren Wochen in Kiel an. Sie werden in sogenannten Finnenhäusern in Flintbek untergebracht: „Das waren tolle Häuser mit Keller, Betonsockel und oben aus Holz. Wir hatten einen Keller und einen kleinen Garten.“

Ihren künftigen Mann Karlheinz lernt sie damals über Bekannte in Berlin kennen, wo sie eine Sommerblumenschau besucht. Durch den Krieg bleiben die beiden über Briefe in Kontakt. Er kehrt als einer der letzten Kriegsgefangenen aus britischer Haft zurück. Im Jahr 1949 heiraten die beiden. Ein Jahr später kommt Tochter Barbara in Kiel zur Welt. 1954 zieht die kleine Familie nach Frankfurt, wo Ehemann Karlheinz einen Posten als Postbeamter antritt. Tochter Sabine kommt 1957 in Frankfurt zur Welt. Die Familie wohnt in Eschersheim, erst nahe der Hügelstraße, später beim Weißen Stein. Bis zur Rente ihres Mannes in den 80er-Jahren arbeitet die zweifache Mutter in der Verwaltung beim Gesundheitsamt in Frankfurt.

„Als wir beide in Rente waren, sind wir viel verreist“, erzählt die 100-Jährige. Ein erklärtes Lieblingsziel ist Irland: „Es ist da stiller, naturnah, nicht so überlaufen und die Menschen sind so offen.“ Im Gepäck sind die Fahrräder, mit denen sie die Insel erkunden. „Wir sind generell viel mit den Fahrrädern gefahren. Deswegen bin ich so alt geworden“, ist sie sicher. Mitglied beim Vdk ist sie seit 2016. Ihre Tochter Barbara hatte die Mitgliedschaft forciert, weil bei ihrer Mutter die Schwerbehinderung nicht anerkannt werden sollte. „Ich bin seit den 90ern beim VdK, weil der Verein mir super geholfen hat“, sagt Schneider. „Die machen tolle Arbeit, ich bin froh, dass ich eine Anlaufstelle habe. Ohne diese Stütze wäre es nicht so gut gewesen“, so Fikau.