Schultheater-Studio feiert 25-Jähriges des Gewaltpräventionsworkshops Theaterpädagogisches Konzept, das alles auf den Kopf stellt

Hier ist Improvisation gefragt: Katharina Fertsch-Röver, theaterpädagogische Leiterin des Schultheater-Studios, überrascht die Zuschauer mit ihrem Auftritt. Bild: Zöllner

Nordweststadt (iz) – Gewalt ist keine Lösung. Doch wie verhindert man sie? Bereits 1998 hat das Schultheater-Studio in Frankfurt im Zuge der Kampagne „Gewalt – Sehen – Helfen“ ein theaterpädagogisches Modell entwickelt. Daraus entstand der Gewaltpräventionsworkshop, den das Team vom Schultheater-Studio in vielen Schulen in und um Frankfurt umgesetzt hat. Für das Schultheater-Studio war das 25-jährige Bestehen ein Anlass, dies gebührend zu feiern. Die Feier beinhaltete aber auch einen Abschied: Die bisherige theaterpädagogische Leiterin, Katharina Fertsch-Röver, wird zum Jahresende ihre feste Mitarbeit beenden und steht dem Schultheater künftig nur noch als freie Mitarbeiterin zur Verfügung. Die Leitung übernimmt künftig Nina Natzke.

„Der Workshop läuft sehr erfolgreich. Vom Prinzip her gehen wir in jede Schule, die uns anfragt, sofern unsere Kapazität das hergibt“, sagt Sina Kuhlins vom Leitungsteam. In Frankfurt hat sich das Präventionsprogramm etabliert, an rund 40 Schulen ist das Theater-Team regelmäßig. „Es gibt einige, die das fest in ihr Schulprogramm aufgenommen haben“, berichtet sie. Der Erfolg liegt laut Fertsch-Röver auf der Hand: „Die Schulen, die uns buchen, sind der Gradmesser.“ Der Gewaltpräventionsworkshop ist nur einer von mehreren; er wird ergänzt durch die Themen Sucht und Geschlechterrolle Mensch.

Für einen Tag kommen vier Theaterpädagogen in eine Klasse und arbeiten interaktiv mit den Kindern und Jugendlichen.

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Anfangs agieren die vier noch durch Improvisationstheater selbst, später kommt nach und nach die ganze Klasse ins Spiel. Zielgruppe ist ab der dritten Klasse bis zur Berufsschule, wie Fertsch-Röver berichtet. „In den 90er-Jahren war es ein Konzept, das alles auf den Kopf gestellt hat“, erzählt sie. „Die Klasse merkt nicht, wie sie selbst aktiv wird und zum Schluss alle mitspielen.“

Sie stellt klar, dass der Workshop in der Schule eingebettet sein sollte in eine Struktur der Gewaltprävention. „Vom Prinzip her ist der Workshop gleich geblieben, er wächst und verändert sich aber durch die Menschen“, sagt sie. Denn die Schüler bringen durch ihr Handeln aktuelle Themen mit. „Heute geht es eher um Cybermobbing, um mediale und psychische Gewalt. Das gab es in den 90ern ohne Handys so nicht“, berichtet die Noch-Leiterin.

Bei den Schülern kommt der Workshop gut an. „Wenn wir fragen, was ihnen gefallen hat, antworten 80 Prozent, dass sie selber aktiv werden konnten und Freiraum zur Gestaltung hatten“, sagt sie.

„Der Workshop lebt von Menschen und Angeboten. Er verändert das Team und die Kinder und Jugendlichen, weil er irritiert und überrascht. Er lebt davon, dass er mit dem Menschen interaktiv ist und dieser es nicht merkt“, stellt Fertsch-Röver klar. Der Erfolg des Workshops sei dem tollen Team des Schultheater-Studios zu verdanken. 40 Mitarbeiter sind dort fest angestellt, 60 bis 80 freie Mitarbeiter unterstützen sie mit ihrer Arbeit. „Der Teamgeist prägt das Studio.“

Marcus Kauer, Referatsleiter Kulturelle Bildung im Hessischen Kultusministerium, lobt, dass das Schultheater-Studio Dinge nicht nur inszeniere, sondern auch erlebbar mache. „Das Theater bietet Antworten auf viele Fragen, die eine Gesellschaft bewegen“, sagte er. „Schüler können sich dadurch selbst erfahren, anderen zeigen und es ermöglicht, die Perspektiven zu wechseln.“