Thomas Walter hat das Pfarramt in Goldstein verlassen Von der Gemeinde zur Seelsorge

Thomas Walter geht jetzt neue Wege. Bild: p

Goldstein (red) – Hin und wieder kommen die Leute in Goldstein dieser Tage auf Pfarrer Thomas Walter zu: „Schön, Sie zu sehen“, heißt es an der Supermarktkasse, „Sie sind noch da“ freudig an der Straßenecke. Ja, noch wohnt Walter mit seiner Frau und den beiden Kindern im Teenageralter im Pfarrhaus. Noch hält der Theologe ab und an Gottesdienste in der Dankeskirche im Südwesten Frankfurts. Aber eigentlich ist seine Dienstzeit in Goldstein nach 16 Jahren und drei Monaten zu Ende.

Gerne war Walter in der Dankeskirchengemeinde tätig, „aber ich wollte noch einmal etwas anderes machen“, sagt der 56-Jährige. Seit dem 1. Januar arbeitet er mit halber Stelle bei der Telefonseelsorge und Beratungsstelle Mainz/Wiesbaden, eine andere 50-Prozent-Stelle übernimmt er als Seelsorger in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken. Seelsorge und Diakonisches hält Walter für wichtige kirchliche Standbeine, „die in Zukunft noch bedeutungsvoller werden“.

Bei aller Liebe zu Gemeindlichem, diese Seite von Kirche will er auf der weiteren Berufsstrecke erleben. Dabei ist die Liebe zu Gemeindlichem nicht klein: Begeistert erzählt Walter von engagierten jungen Erwachsenen, von dem umfassenden Kirchenmusikprogramm, von der Ghanapartnerschaft, die in Goldstein intensiv gepflegt wird.

Die Verbindung in den Stadtteil hat Walter geschätzt und gehegt, etwa wenn die Vereine mitmachten beim Martinsmarkt auf dem Kirchplatz. Die Ökumene funktioniert in Goldstein, auf Gemeindeebene, aber auch mit dem von der Caritas getragenen Jugendhaus. Regelmäßig ist der Schutzmann zu Gast in der Gemeinde und bietet Beratung an. Zur Flüchtlingsunterkunft im Eiskeller werden Kontakte unterhalten.

Walter hat viel aufgebaut in der Gemeinde. Er hat jedoch auch Verluste begleiten müssen. „Die Umsetzung des Gebäudekonzepts mit der Abgabe des alten Gemeindehauses und des zweiten Pfarrhauses war schmerzhaft.“ Entstanden ist ein ansehnliches neues Ensemble aus Gemeindehaus und Kita mit 30 Plätzen für Krabbelkinder, für Drei- bis Fünfjährige gibt es seit der Eröffnung 2014 sechs statt drei Gruppen. Walter hat nicht als Chef agiert oder einfach nur moderiert, eine aus 14 Personen bestehende Steuerungsgruppe „Dankes14“ hat das Projekt überzeugend umgesetzt – nach außen und intern vermittelt.

Der in Biedenkopf geborene, in Wuppertal, Göttingen, Marburg und Berlin zum Theologen und Erwachsenenpädagogen Ausgebildete kann andere überzeugen, Neues anzugehen. In Coronazeiten hat er den Kirchenvorstand für eine „digitale Kirche“ gewonnen, Geld wurde in die Hand genommen, Equipment angeschafft, Walter besuchte Schulungen fürs Predigen vor der Videokamera. Bis heute gibt es die Gottesdienste hybrid, vor Ort, gestreamt und auch auf Youtube, 150 bis 200 Aufrufe sind es bei „normalen“ Sonntagen, bei Konfirmationen oder anderen Ereignissen auch mal 600. Am 17. März, 15 Uhr, wird er in der Dankeskirche, Am Goldsteinpark 1, offiziell verabschiedet.