Kulturforum wird jetzt mit vier Kameras überwacht Gewalt nimmt immer mehr zu

Eine der vier Kameras, die jetzt im Kulturforum an der Decke hängen. Bild: kertin biehl

Hanau – Das Kulturforum am Freiheitsplatz ist offenbar nicht nur Ziel von Menschen, die sich für Bücher interessieren oder lernen wollen: Weil es in den vergangenen Wochen immer mehr Fälle von Vandalismus und Aggressionen gegen Mitarbeiter gab, wird die Einrichtung jetzt mit vier Kameras überwacht. Eine ist im Erdgeschoss über der Servicetheke installiert worden, drei weitere Kameras befinden sich im zweiten Obergeschoss.

Ziel sei ein besserer Schutz des Bestandes, aber auch der Nutzer des Kulturforums sowie der Mitarbeiter, führt OB Claus Kaminsky in einer Mitteilung aus dem Rathaus aus.

In den vergangenen Monaten seien unterschiedliche Formen der Sachbeschädigung festgestellt worden, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung. Vorfälle aus dem vergangenen Jahr sind laut Stadt aufgeschlitzte Polster an den Sitzgelegenheiten, das Beschmieren von Wänden, Möbeln und den neuen Lernboxen mit Edding-Stiften, die mutwillige Zerstörung eines Bildschirms an den öffentlichen Computerarbeitsplätzen sowie Schmierereien auf den Kacheln der Toiletten. Bereits in den vergangenen Jahren sei ein Touchscreen beschädigt worden, ebenso ein SonicChair in der Jugendbibliothek. Teilweise habe man Anzeige gegen Unbekannt erstattet, da die Stadt nicht nachvollziehen konnte, wer für die Beschädigung verantwortlich ist – wie etwa in Sachen des zerstörten Touch-screens. Dieses Verfahren sei allerdings eingestellt worden, sagt Stadtsprecherin Ute Wolf.

Nicht nur gegen Sachen richtet sich die Wut mancher Besucher: Im Dezember 2023 sei eine Mitarbeiterin „lautstark rassistisch“ beleidigt worden. Zudem gebe es zunehmend Fälle von Aggressionen, wenn Platzverweise oder Hausverbote ausgesprochen würden. Dies sei im Januar und Februar verstärkt vorgekommen. Mitarbeiter bekämen es verbal zu spüren, wenn sie zur Einhaltung der Hausordnung aufforderten und darauf hinwiesen, dass bestimmte Verhaltensweisen und Ruhestörungen nicht gestattet seien. Ab und zu gebe es außerdem Rangeleien, die geschlichtet werden müssten, fügt Stadtsprecherin Wolf hinzu.

Aufgezeichnet werden ihren Angaben zufolge Bewegtbilder, die auf einem Server in einem abgeschlossenen Raum im Kulturforum für sieben Tage gespeichert werden. Zugriff hätten ausschließlich die Leitung des Kulturforums und der Verantwortliche für Verwaltung und IT. Die Stadtpolizei habe keinen Zugriff auf die Daten. „Bei Vorfällen werden die Bilder an die staatliche Polizei zur Strafverfolgung weitergegeben“, erläutert Wolf.

Die Einführung der Videoüberwachung ist laut Kaminsky mit der Rechtsabteilung und mit der Beauftragten für Datenschutz abgestimmt. „Für viele Menschen ist das Kulturforum ein wichtiger Ort zum Lernen, Arbeiten, Freundinnen und Freunde treffen, Recherche betreiben oder Ruhe finden. Das soll auch zukünftig so bleiben, deshalb wenden wir uns mit aller Entschiedenheit gegen negative Einflüsse.“

Die Stadt hat für das Überwachungssystem 3200 Euro bezahlt, heißt es auf Nachfrage. Den Angaben zufolge fallen keine jährlichen Service- oder Wartungskosten an.
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Kommentare

Nicht Aufgabe der Mitarbeiter

Mir tun immer die Mitarbeiter leid, denen noch aufgebürdet wird, für ziviles Verhalten zu sorgen. Das ist doch nicht deren Aufgabe. Seid Jahren lungern dort immer wieder Menschen herum, die offensichtlich nicht an den medialen Angeboten interessiert sind. Ich als Nutzer muss auch manchmal um Rücksichtnahme oder ruhiges Verhalten bitten. Das war früher nicht nötig. Wenn man Glück hat, wird darauf reagiert. Auf alle Fälle ist es ein möglicher Konfliktherd. Und eine Sysiphosarbeit. Ich würde befürworten, wenn der Zugang nur mit Bibliotheksausweis möglich wäre. Dann könnte man disziplinarisch auch den Zugang für Vandalen und Störenfriede unterbinden. Und die lern- und studierwilligen hätten wieder einen geschützten Raum unter ihresgleichen.