Ehrenamtlerinnen kümmern sich um große Population am Stadtrand Die wilden Katzen von Hanau

Roswitha Völker füllt Futter auf. Vorher hat sie alles sauber gemacht. Bild: -

Hanau – Ein kleiner unscheinbarer Pfad führt von der großen Wiese am Stadtrand ins dichte Gebüsch. Nach ein paar Metern öffnet sich eine Fläche, die mit Hackschnitzeln ausgelegt ist. Ein liebevoll gestalteter Unterstand mit mehreren Katzenhäuschen ist darauf platziert. Über den Eingängen hängen Schilder: „Villa Katze“, „Miezenhaus“, oder „Villa Maunz“ heißen die Schlafhäuschen aus Holz, die mit Styropor isoliert sind, zum Schutz vor Kälte. Ein überdachtes Futterhaus steht ebenso auf dem gepflegten Areal wie eine gemütliche Sitzgelegenheit. Doch wer wohnt hier, mitten im Gestrüpp, weit weg von Menschen? Es ist das Zuhause von Benni und Charlie, Paul, Jutta und Clara, Peggy, Norbert und Buddy, allesamt wilde Katzen, Straßenkatzen, um die sich niemand gekümmert hat. Zumindest bis zum Jahr 2015. Damals wurden zwei Hanauerinnen auf die Katzenpopulation aufmerksam – und nahmen sich ihrer an.

„Zu diesem Zeitpunkt waren es 15 Katzen, die hier im Gebüsch lebten“, sagt Roswita Völker. Die Hanauerin kümmert sich mittlerweile zusammen mit sechs weiteren ehrenamtlichen Mitstreiterinnen um die scheuen Felltiger, betreut die gut versteckte Futterstelle. „Selbstverständlich sind alle erst einmal kastriert und gekennzeichnet worden. Alle Katzen wurden dazu mit Lebendfallen eingefangen und zum Tierarzt gebracht“, so die Katzenfreundin. Die Kosten dafür übernahm teilweise der Tierschutz, ein Teil gaben die Katzenfreundinnen auch aus eigener Tasche. Das ist bis heute so. „Manchmal bekommen wir Futterspenden, aber das Meiste kaufen wir aus eigener Tasche“, sagt Völker.

Heute ist sie mit Futterauffüllen und den täglich anstehenden Hygienearbeiten an der Reihe. An jedem Tag der Woche übernimmt eine andere der sieben Frauen, die aus Rodenbach, Großkrotzenburg oder Hanau kommen und die sich über Facebook zusammengefunden haben, diesen Job.

Während Völker die Futternäpfe sauber wischt, kommt schon die erste Katze neugierig heran – hält aber stets einen gewissen Sicherheitsabstand. „Es sind und bleiben verwilderte Katzen. Streicheln lassen hat sich in all den Jahren noch keine“, macht die Katzenfreundin deutlich. Nach und nach kommen immer mehr Katzen aus dem Gebüsch, beobachten die Putzarbeiten – mit Abstand. „Inzwischen erkennen die Katzen sogar schon mein Auto und kommen dann angelaufen“, berichtet Völker.

Die Fütterung erfolgt täglich zur gleichen Uhrzeit. Die Katzen sind darauf eingestellt. „Es ist gut, wenn sie dann alle da sind, dann können wir überprüfen, ob es allen gut geht.“ Paul etwa sei im Sommer stark abgemagert gewesen. Daraufhin wurde er eingefangen und zum Tierarzt gebracht. Der stellte drei vereiterte Zähne fest, zog diese. Mittlerweile geht es Paul wieder gut. „Die Kosten für die Behandlung hat dankenswerterweise die behandelnde Tierärztin übernommen“, sagt Völker.

Im „Dschungelcamp“ – so nennen die Katzenfreundinnen den Platz im Gebüsch – sind die Näpfe im „Restaurant“, wie wiederum das von einem Dachdecker überdachte Futterhaus genannt wird, zum Mittagstisch angerichtet. Vier große Dosen sind auf die Schüsseln verteilt.

Die ersten Katzen nehmen einen vorsichtigen Bissen vom Nassfutter, schauen sich dabei immer wieder scheu um, als müssten sie sich versichern, dass ihnen auch wirklich niemand zu nahe kommt.

„Momentan sind es rund zehn Katzen, die wir pflegen. Manchmal kommen neue dazu, die lassen wir dann kastrieren. Das ist sehr wichtig. Denn sonst vermehren sich die Katzen unkontrolliert.“ Zudem ist die Kastration auch gesetzlich vorgeschrieben, in Hanau etwa durch die geltende Katzenschutzverordnung, die besagt, dass Katzen nur in den Freigang dürfen, wenn diese registriert und kastriert sind. Denn hierzulande leben trotz strengem Reglement Millionen verwilderte, heimatlose Katzen.

„Sie übertragen sich gegenseitig Krankheiten, fechten übelste Revierkämpfe aus. Durch unsere Arbeit wird das alles verhindert“, sagt die Katzenfreundin, die sich auch für das Wohlergehen der Hanauer Tauben engagiert. Sehr wichtig ist der Gruppe den Ort, an dem die Katzen leben, zu schützen. „Wir hatten hier schon öfter mit Vandalismus zu kämpfen. Einmal wurden die Schlafboxen zerstört. Auch als Grillplatz wurde der Ort schon genutzt und vermüllt zurückgelassen.“

Völker begründet ihr Engagement: „Es gibt mir ein gutes Gefühl, zu helfen. Ich bin mit Katzen groß geworden. Und setze mich gern für diese unschuldigen Wesen ein.“ Die Katzen scheinen es ihr zu danken. Nach kurzer Zeit sind die Näpfe blank geleckt und eine nach der anderen verschwindet wieder ins dichte Gebüsch.

Weitere Infos

Wer für die Katzen spenden möchte, kann den Kontakt zu den Katzenfreundinnen über deren Facebook-Seite „Unsere Hanauer Streunerle“ herstellen.

Von Kerstin Biehl

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