Kommt das Rechenzentrum auf dem Fliegerhorst – oder nicht? Google gibt sich noch wortkarg

Diese Kapelle auf dem Google-Areal steht unter Denkmalschutz. Bild: detlef sundermann

Erlensee – Wer in der Google-Suchmaschine nach einem Begriff oder einer Web-Seite fahndet, bekommt neben dem Ergebnis stolz die Suchzeit angezeigt, oft sind es Bruchteile einer Sekunde. Tempo ist hingegen beim US-amerikanischen Technologiekonzern bei der Bebauung seines Areals auf dem ehemaligen Fliegerhorst mutmaßlich nicht angesagt – und Zeiten werden für das Vorhaben schon gar nicht genannt.

Im Dezember 2020 hatte das Unternehmen das Grundstück mit der denkmalgeschützten Kapelle darauf erworben, zeitgleich mit einer Fläche in Dietzenbach. Damals nannte Google noch keinen Zeitplan für die Gestaltung des Erlenseer Areals. Laut Bürgermeister Stefan Erb soll dort nun voraussichtlich zunächst ein kleines Rechenzentrum entstehen. Der Hard- und Software-Gigant will aber auch dies auf eine Anfrage unserer Zeitung hin nicht bestätigen oder dementieren. Der Standort ist womöglich als ein Glied in der „Cloud-Region“ des Rhein-Main-Gebiets geplant. Ein verteiltes Speichergebilde für die gewaltigen Datenmengen, die durch das Internet verschickt werden. Vor allem Großkunden wie Dienstleister oder Produktionsbetriebe sollen von der schnellen und hohen Verfügbarkeit der Cloud profitieren. Das Vorhaben wurde im Oktober dieses Jahres gestartet, jedoch nicht in Erlensee, sondern im wenige Kilometer entfernten Hanauer Stadtteil Großauheim, ebenfalls auf einer Konversionsfläche, die einst die US-Armee beanspruchte. Die Bauarbeiten laufen bereits. Eine Milliarde Euro will der Konzern bis 2030 in Deutschland in das Cloud-Geschäft investieren, so eine Mitteilung des Unternehmens.

Erlensees Stadtchef Erb, der auch im Vorstand des Zweckverbands Fliegerhorst sitzt, berichtete unserer Zeitung, dass nach seinem Kenntnisstand vorerst eine kleine Lösung in Betracht gezogen werde. Dies habe jedoch nichts mit der Entwicklung in Hanau zu tun, sondern sei technischer Natur. Auf dem Fliegerhorst gebe es derzeit nur einen 20KV-Anschluss, mit dem sich ein großes Rechenzentrum angesichts seines enormen Stromverbrauchs nicht betreiben lasse.

Für die benötigte Leistung müsse der Strom aus einer 100KV-Leitung entnommen werden. Die Hochspannungstrasse liegt jedoch einige Kilometer vom Gewerbegebiet entfernt. Die Anbindung müsste vermutlich mit einem Erdkabel erfolgen, das teuer ist. Überdies werden verschiedene Genehmigungen einzuholen sein.

Das Unternehmen Google, das sich in der Werbung stets äußerst kommunikativ gibt, zeigt sich in eigener Sache jedoch sehr wortkarg und verschlossen. „Wir haben das Grundstück in Erlensee erworben. Darüber hinaus gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nichts weiter zu vermelden“, heißt es aus der Presseabteilung auf Nachfrage.
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