Ehren-Basilika-Organist Edmund Sauerteig beendet seine Ära an der Orgel Nach 62 Jahren ist Schluss

Die Orgel der Herz-Jesu-Kirche war für Edmund Sauerteig 62 Jahre lang seine zweite Heimat. Foto: m

Obertshausen (m) – Er liebt die Vielseitigkeit und das Lebendige der Musik, vor allem aber liturgische Werke. „Es ist etwas ganz anderes, das Halleluja als Liedsatz zu spielen oder einen Kantor zu begleiten“, erläutert der erfahrene Musiker. Und nach 62 Jahren darf er so genannt werden. Zum offiziellen Ende seiner Karriere darf Edmund Sauerteig einen Titel tragen: „Ehren-Basilikaorganisten i. R., in Reichweite“.

„Gottesdienste sind das Wesentliche, nicht ein Konzert.“ Der Geehrte baute mit dem gewaltigen Instrument stets Brücken zwischen den Gläubigen und der Eucharistie. Der gelernte Feintäschner spielt am liebsten alte Meister, Literatur von Johann Gottfried Walter, Georg Friedrich Kaufmann, Johann Kaspar und Ferdinand Fischer bis Johann Sebastian Bach.

Im neuen Gotteslob stünden viele Begleitsätze von Zeitgenossen wie Domorganist Daniel Beckmann, „aber die Finger sind die alten Melodien gewohnt“, verrät der 83-Jährige, „die stecken einfach in den Knochen, das ist ein ganz anderes Klangerlebnis“. Nach sechs Jahrzehnten an Tasten und Pedalen weiß er, „was gut ist, hat auch Bestand, der Zeitgeist verschwindet wieder“.

„Am Sonntagabend begann die Vorbereitung für den nächsten Sonntag“, plaudert er aus dem Nähkästchen. „Es genügt nicht, einmal zu proben, ein Werk muss in Kopf und Finger übergehen.“ Der Scheidende leitete auch eine Männerschola und bildete Kantoren aus. Im Haus des gelernten Feintäschners in der Goethestraße steht ein Cemballo, aber am liebsten übt er an der Orgel in Herz Jesu.

Gelernt hat er bei Heinrich Rohr, dem damaligen Direktor am Institut für Kirchenmusik. Bis heute verehrt Sauerteig ihn. Auch Rohr-Nachfolger Gerd Augst habe ihn stark beeinflusst, „vor allem die Improvisationen, die nicht auf der Harmonielehre basierten, sondern viel Gefühl vermittelten“.

„Der geblasene Ton hat mich immer fasziniert“, erläutert er seine Begeisterung, „wenn man den Luftstrom in der Pfeife hört“. Das Talent war schon von der Vorgänger-Orgel in der Basilika berührt, jetzt steht ein Gerät von Rudolf Tadäus Mendel aus dem Sauerland an der Bahnhofstraße. „Das größte Instrument aus der Werkstatt ist 50 Jahre alt. Es hat drei Manuale und ein Pedal, 2100 Pfeifen, die adäquat zum großen Raum klingen, voluminös aber nicht überbordend.“

Sauerteig war der erste Organist in der schlicht gehaltenen St. Pius-Kirche in Hausen. „Die Töne hatten 14 Sekunden Nachhall, ich hatte fast zwei Takte später noch gehört, was ich vorher gespielt habe.“ Markus Jäger vom Verwaltungsrat Herz Jesu stelte die „besondere Liebe zur Orgel“ hervor. Das Instrument sei dem Spieler ans Herz gewachsen, er kümmerte sich um die Wartung und habe bis heute ein offenes Ohr für Einsätze.

Pfarrer Norbert Hofmann überreichte eine Skulptur mit vielen Personen aus Mangoholz, die der Seelsorger „die Zahllosen“ taufte, Symbol für die vielen Menschen, die Sauerteigs Spiel genießen durften. Dazu verlieh er den Titel des Ehren-Basilika-Organisten. Der ist mit Ehefrau Marie-Luise verheiratet, hat vier Kinder und fünf Enkel. Und weil der Nachwuchs an den Pfeifen rar ist, erfüllt er Jubilaren bei Dankämtern noch Musikwünsche - „wenn’s nicht gerade Yellow Submarine ist“.

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