Ehepaar Schölzel übergibt ihr Fachgeschäft für Augenoptik an Zeljko und Stephanie Radnic aus Rodgau Abschied nach 33 Jahren

Das Ehepaar Schölzel wechselt nach einem erfüllten Arbeitsleben in den Ruhestand und übergibt den Brillenladen an ihre Nachfolger Zeljko und Stephanie Radnic aus Rodgau. Foto: m

Obertshausen (m) – Noch ein Abschied, aber der hat ausnahmsweise nichts mit Corona zu tun: Vor 33 Jahren kamen Michael und Petra Schölzel nach Hausen, um das Optik-Fachgeschäft an der Kreuzung der Gutenberg- mit Seligenstädter und Schönbornstraße zu übernehmen. Jetzt verlassen sie die Stadt, doch Optik-Schölzel bleibt.

Der 66- und die 62-jährige wechseln nach einem erfüllten Arbeitsleben in den Ruhestand und übergeben den Brillenladen mit den modernsten Services rund ums gute Sehen an ihre Nachfolger Zeljko und Stephanie Radnic aus Rodgau. „Das Geschäft geht im Kopf weiter, weil ich das mit Herz mache“, beschreibt Augenoptiker-Meister Schölzel.

Wenn er durch seinen Urlaubort oder beim Besuch der Kinder durch die Stadt spaziert, gucke er bei jedem Kollegen ins Fenster. Bei der Tagesschau kontrolliere er automatisch, ob der Nachrichtensprecher die richtige Brille trägt. „Wir haben den Beruf sehr gern gemacht“, erklärt er.

Als sein Vater als Leiter der Polizeischule und der Bereitschaftspolizei in Hessen von Wiesbaden nach Mühlheim versetzt wurde, ereilte den Sohn ein „Kulturschock“, erzählt der mit einem Lächeln. In der Stadt an Main und Rodau lernte der in Hofgeismar geborene Lehrling nämlich eine Kollegin kennen! Während er eine Stelle in ihrer Heimatstadt hatte, fuhr sie zur Ausbildung nach Gravenbruch.

„Wir mussten zuerst Fenster putzen, um ein Gespür für den klaren Blick zu bekommen“, berichtet die Fachfrau lächelnd. Das Paar heiratete und übernahm am 1. Januar 1987 das Geschäft von Karl-Heinz Fischer. Rückblickend habe „es wunderbar geklappt“, dass sie auch geschäftlich ein Team waren, während sich die Söhne als Arzt und Jurist „anders orientiert“ haben.

Das Geschäft am auffälligen Ort habe viele Stammkunden, mit denen die beiden Spezialisten auch „schöne persönliche Kontakte“ pflegen. Nach zehn Jahren haben sie die Räume komplett neu gestaltet, vor fünf Jahren neue Stühle und einen Fernseher an die Wand gebracht. Dass Optiker oft die originellsten und kunstvollsten Schaufenster haben, „hängt wohl mit Artikel und Service zusammen, die wir bieten“, sagen sie. Und an ihrer Dekorateurin, einer wahren Künstlerin. Zuletzt statteten die Scheidenden ihre Fenster selbst aus. „Wir müssen uns gegenüber Groß- und Internetanbieter positionieren“, weiß der Fachmann. „Das geht durch persönlichen Einsatz, Präsenz und Zeit für den Kunden.“ Den Wandel in ihrer Branche beschreibt das Duo als „ständiges Auf- und Ab“: Die Gestelle werden größer, dann wieder kleiner, erhalten einen Balken, einen Rand, eine Goldauflage oder werden ganz „oben ohne“ getragen. Als Material verarbeiteten sie Edelstahl, Titan, Karbon, selbst Holz zum Nachschnitzen, Papier und recycelte Stoffe. Manche Modelle waren in alle Richtungen drehbar. Die berühmte Pilotenbrille war eigentlich für amerikanische Flugkapitäne geschaffen. „Sie verschwindet immer wieder, gerade ist sie jedoch wieder topaktuell“, informiert Petra Schölzel. „Als Sonnenbrille geht die immer“, bemerkt Zeljko Radnic. Knallbunte Rahmen sind jedenfalls „out“, Retro ist der Renner. „Die Kunst ist, für seine Kunden immer die richtige Brille im Regal zu haben“, sind sich die Experten einig. „Eine Brille kann man schließlich nicht wie ein Kleid nach einem halben Jahr weglegen.“ „Kunden wissen heute viel mehr“, meint Radnic. Das Vertrauen sei wichtig, „du brauchst Kenntnisse in Physik, Chemie, Medizin, als Dekorateur und Modeberater“. Diese Berufe vereint Stefan Wilz auf sich, der seit 30 Jahren im Geschäft ist und die Kundschaft kennt. Er wird auch nach dem Wechsel ihr Ansprechpartner sein. Viel getan habe sich bei den Gläsern, Herstellung und Material werden ständig weiterentwickelt. Zu Beginn ihrer Lehre haben Schölzels mineralisches Glas geschliffen, dann kam der Kunststoff, leichter, bruchsicher, splittert nicht. Es folgte die Gleitsichtbrille, denn „die Sehanforderung ist heute anders“, die Leute sitzen vor dem vermutlich schädlichen, blauen Computerlicht. „Corona-Brillen berücksichtigen die Distanzen zu Bildschirm, Tastatur und Schreibtisch“, erläutert die Runde.

In dem Fachgeschäft steht künftig ein DN-Eye- und ein Fundus-Scanner sein. Die Messungen beurteilt ein Mediziner beim telemedizinischer Dienst, die Resultate gehen zurück zum Optiker, der seinem Kunden eine Empfehlung gibt. „Aber nur dem Arzt obliegen Befund und Behandlung“, betont der „Neue“. Durch die neuen Medien sei ein digitaler Austausch mit dem Mediziner möglich.

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