Heimat- und Geschichtsverein präsentiert Obertshäuser Historie Fotografien von früher und heute

Armin Paul zeigt auf die damalige Poststation, die 1871 erbaut wurde. Foto: m

Obertshausen (m) – Historie bewegt: Jetzt lernen die Schwarz-Weiß-Bilder laufen. Armin Paul, Erster Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) Obertshausen, stellte in vier Videos Fotos mit bekannten Gebäude von damals denselben Stellen heute gegenüber. Im Werkstattmuseum Karl-Mayer-Haus präsentierte er die Streifen, die auch Stadtrundgänge repräsentieren.

Auf dem Bildschirm sind Fotografien der 1930er bis 60er Jahre von Straßenzügen und einzelnen Häusern zu sehen und von aktuellen Aufnahmen überblendet. Dezente Melodien und kompakte Informationen begleiten die Einheiten. Heinz Kahl, früher Rektor der Joseph-von-Eichendorff-Schule, schrieb 1967 in einer seiner Veröffentlichungen vom „Modernisierungswahn“. Ihm fiel selbst die Gaststätte „Zum Grünen Baum“ zum Opfer, die an der Stelle des jetzigen Parkplatz am Schwesternhaus stand.

Es soll schon vor dem 30-jährigen Krieg errichtet worden sein, mit einem Festsaal, der fast bis zur Bahnhofstraße reichte, und war so eines der ältesten Gebäude der Gemeinde. Im Fachwerkhaus direkt hinter der Pfarrkirche soll der Dorflehrer gewohnt haben. Lange mussten die Kinder nach Lämmerspiel zur Schule gehen, bis sich ein Schneider im Gasthaus „Zum Schwan“ von Wilhelm Jöckel an der Ecke Wilhelmstraße-Fünfhäusergasse bereit erklärt hatte, sie zu unterrichten.

In der Untergasse, der Kirchstraße, ragten Häuser bis in den Straßenraum, ist auf den alten Fotografien zu sehen. Viele dieser Gebäude sind längst abgerissen, Parkplätzen oder Neubauten gewichen. In den 60er Jahre war die Altstadt noch nicht verkehrsberuhigt, die Bilder zeigen Bürgersteige in der Altstadt. Wo auf dem Foto von der Fressgass’ anno 1930 noch eine Bäckerei zu sehen ist, residiert heute eine Fahrschule.

Der damalige Stadtrat Rudolf Bühl schoss dort 1996 ein Bild vom Altstadtfest mit Musikschulleiter Dietmar Schrod und dem Werksorchester Karl Mayer. Viel älter ist das Dokument vom Ende der Wilhelmstraße, die Metzgerei Danz wich Reihenhäusern. Mit gelber Fassade ist das Restaurant „Nachwächter“ vor der Sanierung in den 80er Jahren zu erkennen. Der neue Besitzer ließ es anheben, um das Fundament neu zu gießen, weil das Haus nach vorne zu kippen drohte.

Die Alte Post am „Dalles“ wurde 1871 gebaut, die Kutsche brachte dreimal pro Woche Briefe – und betuchte Reisende. Die Agentur für Obertshausen und Hausen wurde in den 1920er Jahren Wirtshaus mit Metzgerei Hindelang, die Post brachten nach der Eröffnung der Bahn die Züge. 1940 wurde das Postgebäude um einen Bunker erweitert, der unter der Terrasse liegt. Markant ist das Danz-Haus schräg gegenüber, Heusenstammer Ecke Wilhelmstraße. Es hatte zwei Eingänge für Café und Gaststätte, beherbergte später die Volksbank und bis vor einigen Jahren eine Videothek. Auf der anderen Straßenseite entstand 1808 das erste Schulhaus, es wurde 1938 zum Rathaus aufgestockt. „Bis dahin regierten ehrenamtliche Bürgermeister“, erläutert Paul, „die Nazis setzten hauptamtliche Kräfte ein“.

Neben dem neuen Eingang zog ein kleiner Juwelierladen ins heutige Jugendzentrum ein.

Die nächste Schule wurde 1881 hinter dem „Mäuse-Sälchen“ gebaut, dem späteren Gasthaus Gambrinus. 1897 erhielt die Schule ein weiteres Stockwerk und eine Mansarde als Lehrerwohnung. Die Räume wurden nach der Eröffnung des ersten Abschnitts der Eichendorff-Schule noch als Berufsschule genutzt. Danach quartierte die Gemeinde Bedürftige ein. Als in den 80er Jahren das Heimatmuseum einziehen sollte, stürzte bei Bauarbeiten das Treppenhaus ein. Karl Mayer stellte dem HGV sein Geburtshaus zur Verfügung.

Zwölf Touren sollen’s werden, kündigt der Vorsitzende an. Die durch den Stadtteil Obertshausen beschäftigen sich mit der Geschichte der Bahnhofstraße, der S-Bahn-Station, den Arealen von Maingau Energie und Karl Mayer, mit Geschäftshäusern an Beethoven-, Erzberger- und Waldstraße sowie mit der Joseph-von-Eichendorff-Schule.

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