Mundart-Vortrag über Friedrich Stoltze im Karl-Mayer-Haus „Der hot fleißisch geschribbe“

In feinster hessischer Mundart babbelt Dieter Mank im Karl-Mayer-Haus über das Leben von Friedrich Stoltze und Adolf Stoltze. Foto: m

Obertshausen (m) – So beschrieb Dieter Mank den Fleiß seines Vorbilds im feinsten reinhessischen Dialekt. Sogar eigene Zeitungen habe Friedrich Stoltze herausgebracht, so die „Kreppel-und-warme-Brötche’-Zeitung“, die satirische „Frankfurter Latern’“, deren Beiträge der Herausgeber gerne von Wilhelm Busch illustrieren ließ. Mehr als die „Blutblas“, das wohl bekannteste Stoltze-Werk, verriet der Obertshausener Schriftsteller über den zweitbekanntesten Frankfurter. Mank berichtete im voll besetzten Versammlungsraum im Karl-Mayer-Haus aus dem Leben der Familie Stoltze. Friedrich wurde am 21. November 1816 geboren. Der spätere Journalist und Verleger setzt sich stets für ein geeintes Land und für eine demokratische Staatsform ein. Mmit seiner Lebensgefährtin Maria Christina Retting hatte er „en Stall voll Kinner“, elf an der Zahl.

Vor der preußischen Zensur floh der Schreiber zeitweise nach Stuttgart und in die Schweiz, erfuhr das Publikum. Auch wegen Majestätsbeleidigung wurde der „Starrkopp“ bereits bestraft. „Hui! Wie sin die Schmiss gefloge uff dem Mohr sei Schweineblas! Bis se blatzt! - Un ausgestoße hat en dumpfe Ton der Mohr; aus de Baa von seine Hosequoll e Butstrom, ach, evor.“

Die „Blutblas“ ist sicherlich sein bekanntestes Gedicht. „Der Friedrich war damals der populärste Frankfurter“, informierte Mank und berichtete auch über den Sohn Adolf. Der Bub erblickte in Mainz das Licht der Welt, wuchs bei seiner Großmutter in Enkheim auf und kam erst mit 22 Jahren nach Frankfurt, um seine uneheliche Geburt zu vertuschen. Dort habe man ihn „in Gnade uffgenomme’“, formulierte der Redner im Werkstattmuseum. Adolf Stoltze folgte der elterlichen Tradition und hatte mit seiner Frau acht Kinder.

Auch beruflich trat Adolph in die Fußstapfen des Vaters und machte sich ebenfalls als freier Schriftsteller einen Namen. 1864 veröffentlichte er das „erste Frankfurter Annoncenblatt“. Sein „Rendezvous im Palmengarten“ wurde immer wieder neu aufgelegt. Vater Friedrich starb am 28. März 1891 in seiner Heimatstadt. Dieter Mank hielt rezitierte und informierte in seinem Vortrag mit eiserner Konsequenz und bis zum letzten Satz in Mundart. Das große Interesse an Lesungen dieser Art im Museum gereicht dem Heimat- und Geschichtsverein als Anregung, die Reihe fortzuführen.

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