Ein viertel Jahrhundert bei der Musikschule Obertshausen – Musikschullehrer Jürgen Weiss geehrt „Sie wird nie langweilig und ist eine meiner schönsten Erfahrungen“

Jürgen Weiss (links) wurde von Bürgermeister Manuel Friedrich für seine Verdienste geehrt. Foto: m

Obertshausen (m) – „Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen übt einen positiven Effekt auf meine Tätigkeit in der Musikschule aus“, resümiert der Jubilar. „Sie wird nie langweilig und ist eine meiner schönsten Erfahrungen.“ Mit seinen Auftritten mit gehandicapten und begeisterten Band-Mitgliedern hat Jürgen Weiss Außerordentliches geleistet, hat mit seinen „Irren Typen“ 2003 das „European Songfestival“ gewonnen und damit international das Feld für ähnliche Projekte bereitet.

„Ich habe mich ganz bewusst für den pädagogischen Aspekt der Musik entschieden“, erklärt Weiss, „ich kann mit der Musik dicht am Menschen sein“. Er sieht sich mehr als Pädagoge denn als Künstler, „mir liegt der Lehrerberuf ganz stark am Herzen“. Diesen Blickwinkel hat er aus Battenberg mitgebracht. In seinem Heimatort pflegten seine Eltern ein „offenes Haus“, in dem er Nachbarn mit Behinderungen als „besondere Menschen“ schätzen gelernt hat.

„Die Erfahrung, wie schön es ist, mit ihnen zu leben, schafft einen anderen Zugang zur Gesellschaft“, lautet sein Fazit. Das spüre der Liedermacher immer wieder, wenn er mit seinen Musikerkollegen Farid Faust und Uwe Schneider von den „Irren Typen“ als Band „triOH“ auf Tour ist. Mit der mitreißenden Formation lenke er den Blick auf Mitbürger mir Einschränkungen. 2004 legte der Dozent an der Fachhochschule Frankfurt erfolgreich die Prüfung zum Musiktherapeuten ab, gibt Seminare, Konzerte und Workshops und veröffentlicht CDs.

Jürgen Weiss studierte am Konservatorium in Frankfurt Saxofon und Klarinette, erweiterte seine Kenntnisse später an Klavier, Keyboard und Blockflöte. Er nahm Lehraufträge in verschiedenen Orten an und begann 1993 eine Qualifikation für „Musik mit Menschen mit Behinderungen“.

Damit ging er zwei Jahre später zur Musikschule, gründete die Combo, ein Band-Projekt mit Talenten mit Behinderungen bei der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal.

In der städtischen Einrichtung weiß der Jubilar den Einzel-Unterricht zu schätzen:

„Man lernt einen Schüler gut kennen, begleitet seinen Lebensweg, anders als in einer Schulklasse mit 30 Kindern“.

Der Pädagoge freut sich auch, wenn er ehemalige Schüler trifft: „Es ist schön zu erleben, was meine Arbeit für deren Lebenslauf und Charakter Gutes bewirkt hat“, sagt er. Dabei weiß der Mittelhesse zu schätzen, Mitarbeiter in der größten Musikschule der Region zu sein: „Du bist vernetzt, hast einen Austausch und kannst voneinander lernen“, argumentiert der Fachbereichsleiter Holzbläser. Schüler können problemlos zu Kollegen mit anderen Schwerpunkten und Arbeitsweisen wechseln. Das Institut arbeite „sehr strukturiert“ und genieße eine hohe Wertschätzung, sei vielseitig präsent, auch in Schulen und Kitas tätig und durch die Übernahme der Stadt gestärkt, ins große Ganze eingebunden“.

Für dieses Jahr hatte er ein Klezmer-Projekt zur Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren gestartet, ein Konzert der Holzbläser und natürlich das „Combo-zert“ der „Irren Typen“ vorbereitet. Viele Auftritte muss er wie seine Kollegen begraben, die ständig wechselnden Pandemieregeln erlauben keine Planungssicherheit. Seinen Mut hat der „Musiker mit pädagogischer Berufung“, wie er sich selbst definiert, dennoch nicht verloren.

Weiss ist Träger des Bürgerpreises des Kreises Offenbach, der Hessischen Anerkennungsurkunde und der Ehrenurkunde der Stadt Obertshausen. Noch wertvoller ist ihm aber, dass 32 seiner Schützlinge den Stipendien-Wettbewerb der Musikschule gewonnen haben. Traurig stimme ihn, dass seinen „Typen“ in den isolierten Wohnheimen im Frühjahr die Beziehungen fehlten. Einige leben schon in Pflege-Einrichtungen, doch „geblieben ist ihnen die Zufriedenheit, und trotz ihres bescheidenen Lebens sind sie sehr glücklich“.

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