Gaststätte Remedy feiert 25-jähriges Bestehen „So alt werden heute nicht viele in der Gastronomie“

Remedy-Chef Markus Straße zeigt alte Erinnerungsfotos von den Anfängen. Foto: m

Obertshausen (m) – „Gute Qualität zu annehmbaren Preisen“, das gibt Marcus Straße dem Nachwuchs in der Gastronomie mit auf den Weg. Und der „Käpt’n“, wie ihn seine Stammgäste rufen, muss es wissen: Seit 25 Jahren führt er das „Remedy“, die Gaststätte des Vereins für Schutz- und Gebrauchshunde (VSGO) am Rembrücker Weg. Bereits 1995 startete er in der Obertshausener Mitte ein Bewirtungskonzept, dessen Anklang ihn ins Grüne spülte.

„Dann musst du einen Partner finden, der das mitmacht.“ Er fand seine Ehefrau meistens schlafend vor, so spät kam er heim. „Ich bin abends nicht daheim, dafür habe ich meinen Sohn tagsüber aufwachsen gesehen“, findet er schnell einen Vorteil seines Berufs. Er beschäftigt heute zehn Aushilfen und Teilzeitkräfte, fünf in der Küche und sechs im Service. Sie seien wichtig für den Erfolg, der „direkte Draht zum Gast“.

Doch, heute sei es schwer, gutes Personal zu finden, vor allem für die Schichten spätabends. Manche Mitarbeiter des Jubilars gehören schon seit mehr als 15 Jahre zum Remedy-Team. „Eigentlich wollte ich nie Wirt werden“, verrät er. Heute führt der gelernte Kaufmann eines der gefragtesten Lokale in der Region, und „so alt werden heute nicht viele in der Gastronomie“.

Doch der Ruhm hat seinen Preis. Der 49-Jährige schiebt regelmäßig eine 70- oder 80-Stunden-Woche. „Du musst viel allein machen“, sagt er und zählt Sachen auf wie Einkauf, Buchhaltung, Putzen. „Es ist ein harter Job und nicht leicht, Geld zu verdienen“, hat der Hausener gelernt. „Mehr als zehn Tage Urlaub im Jahr sind meistens nicht drin.“ Trotzdem würde er alles wieder genauso machen, bestätigt Straße.

Die Geschichte begann in einer Bierlaune. Mit seinen Freunden Jörg Ziegler und Hans-Jürgen Chop übernahm er 1995 das Scarabäus am Stadtbrunnen. Dabei bestand der 1,90-Meter-Hüne darauf, dass der erste Mietvertrag nur über ein Jahr läuft. Die Speisekarte an der Leipziger Straße war überschaubar, legendär dagegen der „Flaschenbier-Abend“ an jedem Mittwoch. „Außerhalb der Schule gab’s keinen Ort, an dem sich mehr junge Leute versammelten“, beobachtete der Macher. Da waren Konflikte mit der Nachbarschaft vorprogrammiert.

Der damalige Bürgermeister Josef Seib vermittelte das Unternehmen zum VSGO, der zu jener Zeit neue Wirtsleute suchte. Die Hundefreunde bekamen ein volles Haus. Straße übernahm das Lokal alleine, organisiert Auftritte vom Oldie-Trio im Biergarten, von Top-Bands wie Cashma Hoody und namhaften DJs bis zu Musikgruppen aus der Umgebung, „weil die ihre Anhänger mitbringen“. Die Nächte vor dem 1. Mai und vor Heiligabend gehörten Doctor Blond, der Formation, die bis vor kurzem Freund Chop leitete.

„Wir sind relativ gut durch den Lockdown gekommen“, resümiert der Chef, „weil wir vom ersten Tag an Essen ausgeliefert haben“. Die Kunden sind mitgezogen, haben „eine extreme Solidarität an den Tag gelegt, das hat Spaß gemacht“. Viele haben dem Team Mut zugesprochen. Bei den nächsten Wellen werden sie sich „auf jeden Fall wieder ins Auto setzen“, fleißig Werbung in sozialen Netzwerken platzieren und „mit weniger Angst rein gehen“.

„Ein Drittel der Belieferten haben wir nie vorher gesehen“, bemerkt der Wirt. So habe das Remedy neue Gäste gewonnen. Freilich, Hochzeiten, Betriebsfeiern und Tanz-Veranstaltungen sind nicht mehr drin. „Manche Kollegen ohne Biergarten gehen kaputt“, fürchtet der Fachmann. Er selbst dankt den Hundefreunden, die es ihm erlauben, seine Freifläche auf 120 Plätze zu verdoppeln. Präsentierte sich das Remedy in der Stadtmitte noch als „verrauchte Kneipe, in der laute Musik gespielt wurde“, sei die Adresse seit 2000 „mehr Restaurant, Treffpunkt für drei Generationen“. Das Jubiläum feierten sie unter freiem Himmel mit einem DJ und fünfmal Live-Musik, mit Simpatico, Jay Kay und Doctor Blond. „Die Besucher können eine gute Zeit haben, aber keine wilden Partys feiern“, lehrt Marcus Straße, dass auch zu Corona-Zeiten viel möglich ist. „Ich möchte damit das Kulturangebot in Obertshausen erweitern. Gastronomie ist wie eine Sucht“, gesteht er. „Aber ich mach’s gern!“

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