Gartenprojekt an der Waldschule mit Sozialpreis ausgezeichnet „Tomaten und Zucchini sind schon in der Küche gelandet“

Das Gartenprojekt an der Waldschule fördert das gemeinsame Miteinander. Foto: m

Obertshausen (m) – Sie säen, setzen, hegen, hacken, jäten, gießen – und ernten. Und sind die Schüler nicht zur Stelle, greifen die Bewohner von nebenan zur Harke, ist eine Lehrerin im Mutterschutz, packen Geflüchtete und Naturschützer mit an. Jetzt wurde das Gartenprojekt an der Waldschule für die Kooperation mehrerer Gruppierungen mit dem Sonderpreis „Soziale Natur“ der UN-Dekade ausgezeichnet.

Tomaten und Zucchini sind schon in der Küche gelandet. Die Tulpen senken verblüht ihre Köpfe, während der Kopfsalat mit frischen grünen Blättern aus der Erde schießt. Das Corona-Virus hat die Aktivitäten im Schulgarten ausgebremst, immer nur einzelne Hobbygärtner kümmern sich um die Pflanzen an der Waldschule. Die traditionsreiche Einrichtung gehört zu den erfolgreichsten im Land, hieß es zur Verleihung der Urkunde. Die UN-Dekade mit Sitz in Hürth fördert die biologische Vielfalt, möchte „möglichst viele Menschen für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität begeistern“. Sie lobte die soziale Vielfalt an der Brückenstraße, weil an dem Vorhaben gleich mehrere Organisationen beteiligt. Neben zehn Kindern der Arbeitsgemeinschaft der Grundschule machen Bewohner der benachbarten Anlage des Wohnverbunds der Behindertenhilfe Offenbach und deren Förderkreis mit, die beim Malteser Hilfsdienst (MHD) angesiedelte Flüchtlingshilfe und jetzt auch der Naturschutzbund, NABU. Die Ehrung sollte beim Nachbarschaftsfest übergeben werden, bei einem schönen Fest auf dem Gelände der Waldschule feiern, erklärt Stefanie Moritz-Hagen vom Förderverein der Wohnanlage. Doch auch das hat das Virus vereitelt. „Wir möchten mit dem Garten einen kleinen Begegnungsraum in der Natur schaffen für Gruppen, die im Alltag eher nebeneinander als miteinander leben“, unterstreicht die Vorsitzende. „Die Wohnanlage für junge Leute mit Behinderungen kooperiert mit der Waldschule mit inklusiven Klassen und mit Flüchtlingsfamilien, deren Kinder wiederum die Klassen besuchen“, sagt die Sprecherin. „Begegnungen sind bislang selten und immer noch gibt es Berührungsängste. Aber die wollen wir durch die gemeinsame Gestaltung und die Freude am Garten abbauen“, so Moritz-Hagen.

Den rund 40 Bewohnern werde damit „ein weiteres Stück Teilhabe am Leben“ ermöglicht. Die Gartenarbeit eröffne „Außenkontakte in ihrer Reichweite und eine sinnvolle Freizeitmöglichkeit in der Natur mit vielfältigen Anreizen für die Wahrnehmung und zum praktischen Tun“.

Die geflüchteten Familien können sich am gesellschaftlichen Leben beteiligen und die Schule ihrer Kinder von einer anderen Seite kennen lernen. Viele freue es, diesmal auf der „Geber-Seite“ stehen zu können, erläutert Elisa Pisapia vom MHD.

„Für alle soll durch diese neue Form der Kooperation ein Miteinander entstehen: Man lernt einander kennen, indem man gemeinsam plant, arbeitet und die Produkte genießt, zum Beispiel bei Gartenfesten“, laute das Konzept des Gartens. „Nur sehr wenige Bewohner sind in der Lage, eigenständig in Obertshausen unterwegs zu sein. Die Stadtrandlage der Unterkunft stellt hier eine große Hürde dar“, schildert Moritz-Hagen. „Deswegen ist es uns besonders wichtig, im nahen Sozialraum langfristige Kooperationen zu entwickeln, nachhaltige Beziehungen aufzubauen und dabei ein Stück Inklusion möglich zu machen.“

2018 erweckten Mitarbeitern der Firma Perkin-Elmer aus Rodgau den verwilderten, rund 140 Quadratmeter großen Schulgarten bei einem Social Day aus dem Dornröschenschlaf. Vor einem Jahr gestaltete die katholische Jugend Obertshausen bei der 72-Stunden-Aktion das Gelände rollstuhlgerecht. Die finanzielle Unterstützung der Stiftung Miteinander Leben des Kreises Offenbach ermöglichte den Einbau von Hochbeet, Gewächshaus und Gartenbank.

Die Arbeit am Garten soll auch die Artenvielfalt unterstützen, betont Schulleiterin Elke John. „Kräuter und Blumen werden angebaut, ein Insektenhotel soll folgen“. Erster Stadtrat Michael Möser gratulierte mit einer Video-Botschaft zur Auszeichnung und lobte das Engagement. Längst sprießen weitere Ideen, ein Bio-Imker möchte einen Bienenstock aufstellen, Wachteln könnten gezüchtet werden und vielleicht ergibt sich wieder die Teilnahme am Radio-Wettbewerb um den größten Kürbis.

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