Obertshausen feiert Kerb mit buntem Programm Tradition und Einfallsreichtum

Mit einem Seilzug richteten die Trachtenträger sicher den Kerbbaum vor St. Thomas Morus auf. Foto: Prochnow

Obertshausen (m) – Hans-Jürgen Möser und die Sonne strahlten um die Wette. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereinsrings behielt sein Lächeln bis nach Mitternacht, weil bei der Obertshäuser Kerb einfach alles klappte – auch ohne den Mann an der Spitze, Luis Galvez. Ganz kalendergerecht gab der Sommer noch einmal Gas, und Mösers Kameraden vom Kleingärtnerverein brillierten mit Technik, die begeistert: Mit einem selbst angefertigten Seilzug richteten die Trachtenträger sicher den Kerbbaum vor St. Thomas Morus auf. Zahlreiche Zuschauer auf dem Pilgerplatz bejubelten die erfolgreiche Aktion vor dem Glockenturm der Pfarrkirche, darunter Pfarrer Norbert Hofmann mit Birett und langem Chorrock. Er hatte den Baum zuvor mit Bürgermeister Roger Winter, dem Bundestagsabgeordneten Björn Simon und Mitgliedern der Kerb-Vereine in einem Umzug von Herz Jesu aus begleitet. Dort verkünden die Glocken seit 65 Jahren Freud’ und Leid, wies er auf ein weiteres Jubiläum hin.

Der Rathauschef sprach vorm Bieranstich den Organisatoren vom Vereinsring ein großes Lob aus, auch allen Gruppierungen, die sich aktiv an der Kerb beteiligen.

Das Blasorchester der TGS Hausen spielte im Wechsel mit den Nodebabbschern vom Karnevalsverein. Die Blauschürzen machten mit riesigen Fahnen auf sich aufmerksam.

Aus Hausen waren wieder die Radler vom Männerchor der Sängervereinigung dabei, dem Kleingärtnerverein klatschten die raren Zuschauer am Wegesrand Applaus für ihren prächtig dekorierten Wagen mit Erntekrone, die ein weiteres, doppelarmiges Caravaca-Kreuz zierte.

Während die Sänger an ihrem Stand gute Tropfen und frischen Federweißen ausschenkten, mixte die Junge Union direkt an der Bühne Hütchen und Longdrinks. Die Kickers servierten Hamburger, die TGO Brat- und Mexikowurst, Hackbraten und Pommes – auch aus Süßkartoffeln, warb Vorsitzender Thomas Zeiger. Die Reservisten bereiteten auf ihrem Stammplatz an der Straße Suppen und Steaks zu und fragten fast jeden, ob er nicht eine Herberge für den Verein hat, dem die Räume in Heusenstamm gekündigt wurden. Der FC Croatia zog am Sonntag mit einem goldbraunen Spanferkel die Aufmerksamkeit auf sich. Kaffee und Kuchen bot der Freundeskreis der katholischen Jugend feil, Feuerwehrverein und Jugendwehr führten den Bierwagen, verkauften auch Eis und Crêpes. Kerbvadder Heinz Jürgen Grab verbreitete seine Gedanken in geschliffenen Versen: „Den Hintergrund der Kerb ich euch verrat’, es ist und bleibt der Kirchweihtag!“

Dennoch äußerte auch klare Bemerkungen zur Politik: „Bürgermeister werden ist nicht schwer, Bürgermeister sein dagegen sehr. Ich tu’ nicht Namen sonderlich verraten, sondern grüße alle Kandidaten, die für die Kleinstadt mit Herz – stellen sich zur Wahl im März.“ Der Zylinderträger betonte noch, „ob parteilos oder nicht ist nicht so wichtig, nur könne’ muss er’s, und zwar richtig!“

Aus welchem Stadtteil er kommt, sei einerlei, das „Wir-Gefühl“ möge entscheiden. Von dem „armen Kerl“ werden Kita-Plätze erwartet, ein großes Herz für die Natur, ein neues Rathaus und Gewerbesteuern. Doch, „nur fordern, das scheint wichtig. Wo das Geld herkommt, ist wohl nichtig“, kritisierte der Vadder. Zur Lourdes-Grotte im Pfarrgarten findet er es „toll und nicht verkehrt, wenn man Heilige auch heute noch verehrt“.

Dann grub er aber doch noch alte Rivalitäten aus: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wo gibt’s die schönste Kerb im Land? – Niemals dort in Hausen, die schönste gibt es nur in Obertshausen!“.

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