Rundum gelungene schwarz-weiße Sitzung in Steinheim zum 66-Jährigen mit 88-jährigem Büttenas und Stadtorden für Hannelore Sticher „De klaane Heiner“ kam dank Gernot Pförtner beim Jubiläum ganz groß raus

In „Überlebensgröße“ bildete Gernot Pförtner Steinheims Original, „de klaane Heiner“, nach. Foto: beko

Steinheim (beko) - Ein völlig anderes Protokoll am völlig falschen Platz, der Stadtorden an eine Landstreicherin, ein Spitzen-Chronist im Kulturpalast, „de klaane Heiner“ in Übergröße, der Pfarrer als „Knaller der Kampagne“ oder eben jener 88-Jährige, den nicht nur die Steinheimer kennen und einfach nur „Ei“ nennen - was die „Macher“ des Carneval Clubs Schwarz Weiß (CCSW) Steinheim um Rainer Herbert da mitten in der Kampagne auf die Beine stellten, das verdient das Prädikat „besonders wertvoll“ und wird vermutlich die nächsten Jahrzehnte unerreicht bleiben.

Tradition und Moderne hielten sich die Waage in einer Jubiläumssitzung 6 x 11 Jahre schwarz-weiße Fastnacht in der Wochenmitte zwischen den großen Sitzungen in der Kulturhalle. Als altes Prinzenpaar grüßten Dagmar Horch und Rainer Herbert zur Mittwochs-Fassenacht im Bau in einem Meer von schwarz/weiß mit viel Buntem dabei.

Anfang des 19. Jahrhunderts war die Fastnacht wegen der vielen Massenbesäufnisse in Verruf geraten, berichtet Chronist Uwe Helmig, erzählt vom sich entwickelnden Kulturgut der Sitzungsfastnacht, und erläutert die närrische Zahl „11“ aus der Sicht der Narren, freilich auch aus der Sicht der Fußballer. Und Helmig machte da schon deutlich, worin vielleicht der Erfolg der schwarz-weißen Fastnacht zu suchen sei: „Mir ist es lieber über selbstgeschriebene Vorträge zu schmunzeln statt mich über geklaute Witze kaputt zu lachen!“

Die lokalen Possen, die Originale der Staanemer Fassenacht begeistern ihn ebenso wie „die Schwestern und Brüder am Abgrund des Hainbergs, die in Steinheim keineswegs zu kurz kommen“. Und ganz wichtig: Die Jugend ist der Nährboden für das Fortbestehen des Vereins, für eine kirchlich geprägte Fastnacht.“

Genial gelöst hat Uwe Helmig seine Aufgabe, darauf ist Rainer Herbert stolz, der als Programmchef gemeinsam mit Jutta Schnadt, Andi Sticher und Regina Schindler-Christe den Abend moderierte mit einer bunten Vielfalt aus 66 Jahren schwarz-weißer Fastnacht. Frank Diwisch und Melanie Messmer zeigten sich als gemischtes Duo, die „Excelsa“ präsentierte Lieder des Jahres vom Sommerfest bis zur Fastnacht und erste Jubelstürme erntete Landstreicherin Hannelore Sticher, die ihren Vortrag aus dem Jahr 1989 wiederholte und danach als „Urgestein der Staanemer Fassenacht“ von Stadträtin Waldtraut Hoppe den Stadtorden entgegennahm. Sie, die „Queen Mum“, die „Queen of CCSW-Fischweck-Stand beim Altstadtfest“.

Weiter ging’s mit einem „Schwellkopp“. Seit 90 Jahren werden die großen Pappmachéköpfe bei der Mainzer Fastnacht getragen und kein anderer als Gernot Pförtner kreierte mit dem „Klaane Heiner“ einen Staanemer Schwellkopp, der in die Geschichte eingeht. Weit über die Grenzen Steinheims hinaus bekannt war der „klaane Heiner“, dessen Ebenbild Pförtner in mehr als drei Meter Größe schuf.

Die „Flying Potatoes“ erfreuten die Narren dann ebenso wie die junge Emelie Horch, die einen Vortrag von Elsie Bosche gekonnt zum Besten gab, „Mister Europa“ Stephanus zeigte, dass man den Motto-Song „Am Rosenmontag“ auch auf griechisch singen kann und dann - alle anderen mögen es verzeihen - der Höhepunkt der Jubiläums-Sitzung: Zwei Buchstaben. Das „Ei“.

Mit seinen 88 Jahren ging Josef „Seppl“ Petermann nochmals in die Bütt’. 1952 startete er seine Bühnenkarriere beim „Liederzweig“, ein paar Jahre später ging er „in den Nahen Osten, zum CV nach Klein-Auheim“, um 1961 erstmals in der CCSW-Sitzung aufzutreten. Unnachahmlich, gekonnt, mit geschliffenem Wort, dem nötigen Esprit, den Gags an der richtigen Stelle und neben den Erinnerungen an die ersten Auftritte auch brandaktuelle Einwürfe zu Navis, Smartphones oder Rettungsgasse, kennzeichneten den Vortrag von Petermann. Klar, dass er sich in seiner Art verabschiedete: „Egal, ob mer lebt odder sterbt - Hauptsache, mer bleibt gesund debei!“

Pause. Schnell ein paar bekannte Gesichter von früher aufsuchen, auch der damalige Kaplan Christian F. Dach, heute kurz vor seinem 79. Geburtstag, war gekommen und weiter ging’s mit den Rosenmontagsfrauen und dem nächsten Knaller.

Da kam einer, der von seinem Umzug erzählte, von seiner Eingewöhnung in Steinheim und davon, dass die Liebe zur Fastnacht eine der Voraussetzungen gewesen ist für die Übernahme der Pfarrerstelle in Steinheim. „Lukasz, wie hältst Du’s mit der Fassenacht?“ soll ihn Kardinal Lehmann seinerzeit gefragt haben. Auf seine positive Reaktion meinte der Bischof: „So werden sie dir dort, das musst du wissen, die Füße küssen.“

Doch das Wichtigste für ihn, „er wird zum Hersch, wie sieht se aus, die neue Kersch?“

Fünfmal stand er in diesen Tagen in der närrischen Bütt, Pfarrer Lukasz Szafera, und jedesmal wird er frenetisch gefeiert. „De rischtische Parrer fer Staanem, unn bald aach fer Klanaam.“

Ohne Worte zeigten Frank Diwisch und Wolfgang „Zoppo“ Müller den „Tanz der Giganten“, Jutta Schnadt ließ den Vortrag ihres Vaters Rudolf Sattler aus dem Jahr 1967 aufleben („Ich lebe und sterbe für meinen Verein“), Marco Simowski und Andi Sticher sangen mit den Gästen die Urhymne, Thomas Franz protokollierte ausnahmsweise gegen Ende, die „Blauen“ tanzten Dschingis Kahn, seit 25 Jahren auf der Bühne die Truppe „Yellow Snow“ mit Stefan Schwickert, den Brüdern Andi und Alex Sticher und Michael Friese, der Abschied nahm, heizte nochmal ein, auch zugunsten (?) ihrer Freunde aus dem Knerrntal, fast ist sie vorbei die Jubiläums-Sitzung.

Nicht ohne ein Resumee von Rainer Herbert vor jenem beeindruckenden Bühnenbild und da drückte ihn schon die eine oder andere Träne, auch beim Dank an seine Frau Karin und seine Kinder. Er bleibt in Erinnerung, dieser außergewöhnliche Abend, der einmal mehr all das vereinte, was die schwarz-weiße Fastnacht ausmacht: Nostalgie, Wehmut, Freude, Stolz auf das Geleistete. Und beim CCSW werden auch die nicht vergessen, die hinter den Kulissen wirken, stellvertretend der Dank an das super Technikteam und der Blumenstrauß an Marianne Lemmer, die nicht nur für die Einladungen und die Presseinfos von Bedeutung ist.

Schwarze Natascha. Ole Fiesta. Narrhallamarsch. Auszug.

Fotos von der Jubiläumssitzung in unserer großen Bildergalerie.

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