Interview mit Mentalmagier Nicolai Friedrich / Er ist am 31. August im Amphitheater

Mit der Fingerguillotine durch die Nachbarschaft

Am 31. August kehrt der Weltmeister der Mentalmagie für ein Sommer-Special ins Amphitheater zurück. Nicolai Friedrich zeigt die Höhepunkte aus seinem Tourprogramm. Foto: Veranstalter/p

Hanau (kama) – Der 1976 in Offenbach geborene Nicolai Friedrich war bereits in der frühen Kindheit von Magie und Zaubertricks fasziniert. Bereits mit fünf Jahren und einem kleinen Zauberkasten begeisterte er auf Gartenfesten die gesamte Nachbarschaft. 2009, mit 33 Jahren, gewann der Magier die Zaubereiweltmeisterschaft in Peking im Bereich der „Mentalmagie“. Auf der aktuellen Tour macht Nicolai Friedrich am Donnerstag, 31. August, auch Halt im Hanauer Amphitheater. Der Redaktion der HeimatPost gab er aktuell ein Telefoninterview.

„Ich bin von Beruf Magier!“

? Wie hat es mit Ihnen und der Liebe zur Magie begonnen?

! Ganz klassisch: Als kleiner Junge habe ich im Zirkus einen Zauberer gesehen und war total begeistert. Das hat mich mehr fasziniert als die typische Kinderunterhaltung der Clowns. Etwa zeitgleich hatte ein Nachbarsjunge einen Zauberkasten und hatte mir einige Tricks vorgeführt. Hier merkte ich, dass Zaubern gar nicht so unerreichbar ist. So habe ich mir zu Weihnachten auch einen Zauberkasten gewünscht und dann ging es los: Im Laufe der Zeit habe ich aus verschiedenen Zauberkästen die besten Tricks zusammengestellt und für Familie, Freunde und Nachbarskinder kleine Vorführungen im Garten und auf Familienfesten gegeben.

? Erinnern Sie sich an den Zaubertrick, bei dem Sie wussten: Daraus wird eine Magierkarriere?

! Mein Papa war Pilot und hat mir aus aller Welt einzelne Tricks mitgebracht, darunter war auch eine kleine Fingerguillotine. Das war schon eine Schwierigkeitsstufe höher als der erste Zauberkasten. In diese Guillotine hat man eine Karotte durchgesteckt, das Messer durchgehauen und das Gemüse durchgeschnitten. So merkten die Zuschauer, dass das Messer scharf und stabil ist. Und als nächstes mussten die Zuschauer ihren Zeigefinger in die Guillotine halten und auf einmal ging das Messer magisch ohne Verletzung durch den Zeigefinger. Ich war so begeistert von diesen Requisiten, dass ich tatsächlich in der Nachbarschaft losgezogen bin und an den Haustüren den Trick vorgeführt habe. Irgendwie habe ich so viel Überzeugungsgabe besessen, dass alle Nachbarn mitgemacht haben und auch entsprechend viel Verständnis und Talent gehabt, so dass alle Nachbarn auch noch alle Finger haben.

Die Leidenschaft zur Magie hat mich sehr früh gepackt, aber dass es mal zu einem Beruf werden würde, hätte ich nie gedacht. Das hat sich einfach irgendwie ergeben: Immer mehr Auftritte, immer größere Konstanz der Qualität und auf einmal konnte man sagen: ‘Ich bin von Beruf Magier’.

? Wie entstehen ihre eigenen Tricks; wie darf man sich den Prozess vorstellen?

! Einerseits kann man alte, bereits vorhandene Tricks weiterentwickeln, modernisieren und verbessern. Andererseits kann man sich vom täglichen Leben inspirieren lassen. Momenten, in denen man an Grenzen stößt und sich Magie als Aushilfe wünscht: Wenn man schnipsen könnte und das richtige Puzzleteil ist sofort zur Hand; oder wenn man den Zauberwürfel in die Luft wirft und er ist auf einmal sortiert. Tricks, die auf solchen Ideen basieren, berühren die Zuschauer auf einer emotionalen Ebene, weil alle sagen: ‘Wow, das würde ich auch gerne können!’ Hier gibt es mehrere Stadien: Anfangs entwickelt man die Theorie am Schreibtisch, dann folgt das Bauen der Requisiten in der Werkstatt und schlussendlich das Üben, bei dem man merkt, ob der Trick in der Praxis auf der Bühne funktioniert. Zeitlich ist das sehr unterschiedlich: Manche Tricks dauern in der Entwicklung Jahre, manches ist in paar Wochen fertig.

Rasierklinge vergessen?

? Ihr schönster und der schlimmste Moment auf der Bühne?

! Der schönste Moment fand eigentlich hinter der Bühne statt: Ich habe mal eine Person auf die Bühne geholt, die eigentlich stotterte und absolute Panik vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit hatte - das habe ich im Vorfeld nicht gewusst.

Auf der Bühne lief allerdings alles gut. Nach der Show kam die Person auf mich zu und bedankte sich sichtlich emotional, dass sie sich auf der Bühne mit mir so wohl gefühlt habe und das Stottern für eine kurze Zeit aufgehört hat. Das hat mich sehr berührt, dass ich da - auch wenn nur für einen kurzen Moment - helfen konnte.

Andererseits habe ich mal tatsächlich Rasierklingen verschluckt, die ich eigentlich an einer Schnur wieder rausholen wollte. Hinter der Bühne habe ich die Dinger wieder hochgewürgt, allerdings wusste ich nicht ob alle draußen waren. So sind wir nach Mitternacht noch in die Notaufnahme und ich habe versucht die Sachlage zu erklären: ‘Können Sie mich bitte röntgen, ich möchte wissen ob da nicht noch eine Rasierklinge in mir steckt. Ich bin Magier und habe sie aus Versehen bei einem Trick verschluckt.’ Paar Minuten später war die Dame von der Notaufnahme mit einem Psychiater wieder da, weil mir niemand glaubte ich sei tatsächlich Zauberer und alle dachten ich wäre suizidgefährdet.

? Was erwarten ihre Fans in der Vorstellung Ende August im Hanauer Amphitheater?

! Ich persönlich erwarte eine traumhafte Kulisse und tolle Open-Air-Atmosphäre.

Für die Show habe ich die besten Tricks aus der aktuellen Tour, aber auch ein paar ganz besondere Überraschungen dabei, so dass selbst die hart gesottenen Fans etwas Neues zu sehen bekommen.

Verlosung von Karten - siehe HeimatPost im E-Paper.

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