Klein-Auheimer Pfarrer verlässt St. Peter und Paul nach sechs Jahren gen Gernsheim Olaf Schneider: Vorbild für das Priestertum

Diesmal war der Chorraum fast zu klein, um all die aufzunehmen, die sich als Aktive der Pfarrei St. Peter und Paul Klein-Auheim von Pfarrer Olaf Schneider verabschieden wollten. Neben Messdienern, Lektoren und Kantoren noch viele Auheimer, die Dank sagten für das segensreiche Wirken als Seelsorger. Foto: fj

Klein-Auheim (fj) – Auf den Tag genau sechs Jahre Amtszeit in der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Klein-Auheim lagen hinter Pfarrer Olaf Schneider, als dieser sich am Sonntag im Abschiedsgottesdienst zum letzten Mal an die Gemeinde wandte. Er wolle danken für die gemeinsamen Jahre, aber auch um Vergebung bitten. Nicht alles sei gut gewesen. „Ich war damals nicht offen für das, was kommt“, sagte Schneider.

Vor allem Seelsorger wolle er sein, hatte er während seiner Amtszeit immer wieder betont. Doch durch die Verwaltungsaufgaben eines Pfarrers, in Klein-Auheim allein aufgrund der beiden Kindertagesstätten in Fülle vorhanden, hatte er diesen Wunsch gebremst gesehen. Zeitaufwendig zudem die Planungen zur Kirchenrenovierung anlässlich des 150. Kirchenjubiläums am 18. Oktober, die Schneider gemeinsam mit den Gremien auf den Weg gebracht hatte. Mit dem Zusammenwachsen St. Peter und Pauls mit den beiden katholischen Pfarrgemeinden in Steinheim - die drei Gemeinden bilden ab 1. September eine Pfarrgruppe unter der Leitung von Pfarrer Lukasz Szafera - hatte eine weitere Mammutaufgabe angestanden. Hinzu waren Enttäuschungen wie geringe Besucherzahlen im Gottesdienst gekommen.

Dass Pfarrer Schneider der Abschied aus Klein-Auheim dennoch schmerzt und er viele Begegnungen in guter Erinnerung behalten wird, zeigte sich am Sonntag nicht zuletzt beim finalen Händeschütteln an der Kirchenpforte. Statt um persönliche Geschenke hatte Schneider um die Beteiligung an der Abschiedskollekte gebeten, die einem Aids-Waisendorf in Namibia und der Kirchenrenovierung, hier insbesondere der neuen Rollstuhlrampe, zugute kommen soll. Einigen Gottesdienstbesuchern war es dennoch ein Bedürfnis, ein Andenken in Form eines Geschenks zu überreichen.

Tief berührt hatte alle Beteiligten auch die Verabschiedung in den Kindertagesstätten. Heidi Mann, Leiterin der Kita St. Josef, sprach im Gottesdienst herzliche Worte des Dankes an Pfarrer Schneider und den Verwaltungsrat: „So einen wertschätzenden und liebevollen Träger habe ich noch nie erlebt.“

Es waren Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit und Leidenschaft, aber auch die tiefe Spiritualität Schneiders, die die Redner am Sonntag hervorhoben. Im Verwaltungsrat habe er den Pfarrer als Projektleiter und Manager mit enormer Kraft und Genauigkeit, der selbst spät nachts noch Mails verschickte, erlebt, sagte Peter Franz, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates.

Dekan Dieter Bockholt, der den Gottesdienst neben den Pfarrern Schneider und Szafera sowie Diakon Rupert Schnell mit zelebrierte, sieht in Schneider ein Vorbild. „Ich beneide dich darum, wie du aus tiefem Glauben und Frömmigkeit das Priestertum lebst“, sagte er. Immer wieder sei Pfarrer Schneider auf sein Rad gestiegen, von Termin zu Termin geradelt, habe „sich verzehrt“. Es sei schließlich auch sein großes Anliegen gewesen, Menschen in Freude und Leid zu begleiten, schloss Karola Emge-Kratz sich den Abschiedsworten an. „Sie haben Krisenfälle und Trauer begleitet, sind in Krankenhäuser und Hospize, mit ins Leid gegangen“, sagte die Gemeindereferentin. Den Steinheimern ist dieses Engagement vor allem während der schweren Krankheit und nach dem Tod des Steinheimer Pfarrers Werner Suerbaum und der anschließenden Vakanz, die Schneider mit vielen Vertretungen füllte, in dankbarer Erinnerung geblieben.

Pfarrer Schneider verlässt Klein-Auheim auf eigenen Wunsch. Er geht jedoch nicht, wie ursprünglich vom Bistum vorgesehen, als Pfarrvikar nach Rüsselsheim, sondern wird zum 1. Oktober Pfarrer der Pfarrei Maria Magdalena in Gernsheim - unter anderem deshalb, weil sich dort nach der ersten Ausschreibung niemand auf die freie Stelle beworben hatte.

In seinen Abschlussworten zeigte sich Pfarrer Schneider zum einen erkenntlich bei allen, die ihn bei seiner Arbeit in der Pfarrei unterstützt haben, zum anderen bei all jenen, die ihm während seiner Zeit in Klein-Auheim mit Wohlwollen begegnet sind. „Es ist wichtig, dass ein Pfarrer auch ein Stück Heimat findet“, sagte er. Seinem Nachfolger, Pfarrer Lukasz Szafera, riet er, sich nicht um das Füllen von Fußstapfen zu bemühen: „Geh deinen eigenen Weg!“

Zur Abschiedsbegegnung lud Pfarrer Olaf Schneider auf den Kerbplatz der 1. Karnevalgesellschaft ein, wo die Gottesdienstbesucher Märkchen für Essen und Getränke einlösen konnten. Dem scheidenden Pfarrer war es ein Anliegen gewesen, die Räte und Ehrenamtlichen, die momentan in den Vorbereitungen für das Kirchweihjubiläum sowie die Einführung Pfarrer Szaferas und die Begrüßung des neuen Pfarrvikars Hermann Differenz (Gottesdienst am 9. September mit anschließender Begegnung vor der Kirche) stecken, nicht mit weiteren Planungen zu belasten.

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