Voll besetzte TSV-Halle bei der Bürgerversammlung zum geplanten Seniorenwohnheim in Klein-Auheim Sascha Feldes: „Ich hoffe, es dauert jetzt keine 20 Jahre mehr!“

So soll das neue moderne Seniorenwohnheim im Klein-Auheimer Mühlfeld einmal aussehen. Am rechten Rand zu erkennen die Einfahrt zur Tiefgarage vom Quergartenweg aus. 15 bis 18 Monate Bauzeit sind angesetzt. Allerdings steht jetzt erst mal die Baugenehmigung aus. Visualisierung: Rudolph-Bau GmbH

Von Bernhard Koch

 

Klein-Auheim – Von einer „beschämenden und unwürdigen Diskussion“ schrieb dieser Tage ein Kollege und auch die HeimatPost stellte aktuell in der jüngsten Ausgabe das Zitat einer Bürgerin in den Blickpunkt: „Ich dachte, es geht hier um das Seniorenwohnheim und nicht um Verkehr und Parkplätze in Klein-Auheim.“

Das Thema „Alten- und Pflegeheim“ sollte in der Bürgerversammlung eigentlich im Blickpunkt stehen, doch die Verantwortlichen ließen sich im Laufe der zwei Stunden dauernden Veranstaltung in der mit mehr als 350 Besuchern nahezu voll besetzten TSV-Halle das Thema „Verkehr“ regelrecht überstülpen.

So war denn auch im Nachgang der Frust bei etlichen Besuchern ziemlich groß, wenngleich freilich auch das Thema „Parkplätze und Verkehr“ den Klein-Auheimern offensichtlich unter den Nägeln brennt. Doch die Bürgerversammlung stand ursprünglich unter einem anderen Licht. Dem will sich die HeimatPost nun auch zunächst widmen, nicht, ohne das immer und immer wieder angezettelte Thema „Verkehr“ aus den Augen zu verlieren.

Auf dem Mühlfeld-Areal, dort wo einst die 1905 gegründete und knapp 90 Jahre später geschlossene Hessische Gummiwarenfabrik Fritz Peter (den Einwohnern besser als „Gummi-Peter“ bekannt) beheimatet war, dort wo Reifen auf dem Gelände einer ehemaligen Zigarrenfabrik produziert wurden, entsteht die künftige Altenwohnanlage mit Tagespflege mit modernsten Ansätzen, wie den beiden Präsentationen des Abends zu entnehmen war.

Dort, wo einst das Thema „Hochwasser“ die größte Sorge der Vorfahren war, und heute - zumindest bei einigen - offenbar das Thema „Verkehr“ im Blickpunkt steht, An den Mainwiesen, In den Krautgärten, am Quergartenweg und all den kleinen Sträßchen, dort sollen künftig vermehrt alte Menschen, Senioren, ihren Platz finden.

In einem Wettbewerb wurden der Caritas-Verband Offenbach und die Rudolph Bauprojekt GmbH Obertshausen schließlich ausgewählt, um das Projekt zu realisieren.

Das baurechtliche Verfahren steht vor der Offenlage, Anwohner können auch formal noch ihre Kritik ins Verfahren einbringen.

Und Kritik im ursprünglichen Wortsinn soll nicht negativ sein, sondern vor allem helfend in der Sache. Die Baugenehmigung könnte dann bald vorliegen und der Projektstart voraussichtlich Anfang 2020 sein. Eine Bauzeit von 15 bis 18 Monaten kündigte Timo Büchse von der Rudolph Bauprojekt GmbH an.

48 Wohnungen, 33 für das Modell Pflegewohnen sollen entstehen, berichtete Caritasdirektor Michael Klein, Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen 20 und 60 Quadratmeter groß.

Es klingt sehr zufriedenstellend für die interessierten Zuhörer. Betreutes Wohnen mit einem zubuchbaren Service (Putz-, Wäsche-, Einkaufs-, Essensservice und mehr.

„Der Nutzer muss nicht ausziehen, wenn ein höherer Pflegebedarf besteht“, weiß Katja Roßwog von der Caritas und ergänzt: „Im Einzelfall ist eine Betreuung bis Pflegestufe 5 möglich.“

Oberbürgermeister (OB) Claus Kaminsky ist sehr angetan von der großen Resonanz zur Bürgerversammlung und sagt klar und deutlich: „Die Notwendigkeit für das Projekt ist unstrittig.“

Ortsvorsteher Sascha Feldes erinnert, dass Ingrid Ehmes in ihrer Zeit als Ortsvorsteherin bereits vor 20 Jahren mit den Ideen für ein solches Seniorenheim angefangen hat. „Wir wollten etwas Neues“, sagt Feldes, und die Klein-Auheimer holten sich Expertenwissen ein, sogar aus Steinheim bei Manfred Maaß von der Mainterrasse. Feldes: „Ich hoffe, es dauert jetzt keine 20 Jahre mehr.“

Dann zumindest wäre nicht das Auto, sondern der Zug abgefahren, wenngleich natürlich zu überlegen bleibt, ob nicht auch andere Ideen forciert werden müssten, um alten Menschen das Wohnen und Pflegen in den eigenen vier Wänden zu erleichtern. Aber sowas wird anno 2019 (noch) nicht konkret überlegt.

Fakten sprechen die Wahrheit und der OB hat sie: 1.500 Menschen über 65 wohnen derzeit in Klein-Auheim (um 2,1 Prozent gewachsen seit 2013), 400 sind über 80 Jahre alt (15,7 Prozent gewachsen seit 2013) und steigend. Die Bevölkerung des Stadtteils ist seit 2013 um 1,2 Prozent gewachsen.

Derweil biegt das Projekt auf die Zielgerade ein. Ein „modernes Wohnprojekt“, wie man immer wieder hört und auch in den Präsentationen sieht. „Es werden moderne Antworten gebraucht, sagt Kaminsky, und Moderator Manfred Gutberlet hat mit seinem Team alle Hände voll zu tun, die Anfragen zum Thema „Verkehr“ abzubremsen“.

Die Redaktion der HeimatPost bleibt wie immer am Ball. Wir recherchieren und informieren.

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