Jügesheimer Kreuzung erhitzt die Gemüter Anwohner wünschen sich ruhigen Verkehr

Der Verkehr in der Mitte Jügesheims steht in der Kritik. Zu viele Fahrzeuge, Drängler und Fahrer, die rücksichtslos unterwegs sind. Anwohner wollen Änderungen erreichen. Foto: Pulwey

Rodgau (pul) – Für Ursula Flottmann ist der Zustand unerträglich. An der Kreuzung Dudenhöfer Straße, Ludwigstraße und Eisenbahnstraße herrscht ein Verkehr, der ihr die Lebensfreude nimmt: „Mir gehen die Nerven hier kaputt“. Seit Jahrzehnten wohnt sie an einer Ecke der Triangel-Kreuzung. „Früher war hier eine ruhige Straße, es gibt Fotos, da zog eine Hochzeitsgesellschaft die Ludwigstraße entlang. Heute können wir keine Fenster mehr aufmachen“. Die Probleme sind der Lärm und die Abgase des permanenten Verkehrs.

Abends wir hier gepost, beschreibt Ursula Flottmann mit einem englischen Begriff die Kavalierstarts jüngerer Fahrer. Mit quietschenden Reifen wird angefahren, besonders abends, wenn die Straße nicht mehr ganz so voll ist. „Wir brauchen hier dringend Blitzer“, resümiert sie.

Dass die Stadt vor einiger Zeit über weite Strecken der zentralen Jügesheimer Nord-Süd-Verbindung eine Tempo 30-Zone eingerichtet hat, begrüßt sie sehr. „Ohne Tempo 30 sterben wir hier“, sagt sie. Über eine Studie hat sie sich erkundigt: Tempo 30 ist vom Lärmaufkommen so positiv, als seien die Verkehrszahlen halbiert. „Es gibt Zeiten, da fahren sie vernünftig, das merkt man auch“. Zuvor ergaben ihre eigenhändig durchgeführten Messungen im Schnitt 75 Dezibel als Mittelwert und bis zu 97 Dezibel Lärm in der Spitze. Dann rief sie eine Bürgerinitiative ins Leben. Die erste Aktion war eine Unterschriftenliste gegen den Verkehrslärm. Knapp 200 Personen aus Rodgau machten mit. Es folgte eine Demonstration, die vor dem Rathaus endete; dort wurden die Forderungen lautstark verkündet. Als Ziel ihrer Initiative formuliert sie: „Ruhe hier zu bekommen“.

Aus ihrer Sicht müsste die Ampelanlage geändert werden. Bei jeder Ampelschaltung wegen einem Kreuzen der Fußgänger oder wenn Fahrzeuge aus der Eisenbahnstraße herauskommen, folgt das Rotsignal. Der Verkehr steht und bildet eine Schlange. „Wir haben nur stehende Autos vor der Tür“. Mit entsprechender Abgasbelastung.

Eine Idee für eine Verbesserung sind Schaltungen aus den Bussen heraus, die dem öffentlichen Personennahverkehr Vorfahrt einräumen. Darüber hinaus sollen ihrer Meinung nach die Fußgängerampeln weg, stattdessen gehören Zebrastreifen vor die Sparkasse und auf Höhe der Hausnummer 13, da sich dort ein Durchgang in die Hintergasse befindet.

Ein weiterer Vorschlag sind Radwege entlang der Hauptverkehrsstraße. Bei der aktuellen Verkehrsführung ist dies natürlich nicht umsetzbar, eine Einbahnstraßenregelung sei die Lösung.

Eine Ladenmieterin des Triangel-Gebäudes und weitere Anwohner der Eisenbahnstraße bedrückt ebenfalls die dortige Situation: Zu viel Verkehr, und davon viele zu schnell.

Auch im Internet in den sozialen Netzwerken äußern sich Jügesheimer mannigfaltig zu der neuen Tempo 30-Zone. Einige Kommentatoren kritisieren diejenigen Verkehrsteilnehmer, die zu laut und mit zu viel Gas unterwegs sind, und denen die Geschwindigkeitsbeschränkungen – ganz gleich ob 30 oder 50 – eh prinzipiell egal sind. Aktuell bekommen Verkehrsteilnehmer ihre auf der Dudenhöfer Straße gefahrene Geschwindigkeit über eine Anzeigetafel vor Augen geführt.

Manche begrüßen die gesenkte Maximalgeschwindigkeit auf Tempo 30; andere Mitbürger sehen darin entlang der Dudenhöfer Straße keinen Vorteil: Wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der vielen geparkten Autos ließe sich nie 50 fahren. „Schlimmer als vorher“, gehört zu den Kommentaren im Netz oder „Stau vorprogrammiert“. Die Einzeichnungen der Parkflächen seien unvorteilhaft, schreibt eine andere Person, mit dem Wagen käme man kaum in die Lücken, was zu Rückstau führe. Das Gros der Anwohner begrüßt die neue Zone mit der Geschwindigkeitsreduzierung.

In vielen Kommentaren wird Rücksichtslosigkeit angeprangert: Zu dichtes Auffahren, Busse, Autos und Laster, die über den Gehweg ausweichen und deren zu lautstarke Beschleunigung. Nur wenige hielten sich an Tempo 30.

Durch die neue Regelung entlang der Dudenhöfer Straße rückt auch die parallel verlaufende Babenhäuser Straße in den Fokus. Mehrere Anwohner sehen das Tempo der passierenden Wagen dort nun deutlich höher als vorher.

Entlang der Ludwigstraße habe sich an der Geschwindigkeit der Autos nichts geändert, heißt es. Es sei nach wie vor gefährlich, die Straße, selbst am Zebrastreifen, zu überqueren, betont eine Anwohnerin der Ludwigstraße.

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