Nabu-Mitglieder starten zur Winterwanderung Die Dudenhöfer Düne erkundet

Der Naturschutzbund setzt seine Reihe der Exkursionen in die Natur auch 2020 fort. Die erste Wanderung führte zur Düne von Dudenhofen, wo Klaus Benedickt vielfältige Informationen gab. Foto: Pulwey

Rodgau (pul) – Dieses Jahr hat der Naturschutzbund (Nabu) Rodgau 14 Veranstaltungen geplant. Der Reigen der Exkursionen, Feste und Vorführungen begann mit einem Spaziergang zur Düne von Dudenhofen.

Vorstandsmitglied Klaus Benedickt und der Ehrenvorsitzende Josef Lach informierten mehr als 30 interessierte Teilnehmer über die besondere ökologische Bedeutung des Landschaftstyps der offenen Binnendüne. Die Sandfläche ist ein Relikt der nacheiszeitlichen Landschaft in der unteren Mainebene und durch Flugsandablagerungen der vergangenen 500.000 Jahre entstanden. Vor Jahrzehnten rettete ein nicht durchgeführtes Bauvorhaben die Dünenlandschaft vor der Zerstörung. Damals sollten Hochhäuser entstehen, blickte Josef Lach auf die Planungen der damaligen Zeit zurück. Aufgrund dieser Thematik stellten die Landwirte die Bewirtschaftung der Fläche ein, so begann eine neue, natürlichere Zeit für das Areal.

Natürliche Sandflächen, insbesondere im Binnenland, sind die am stärksten vom Rückgang durch Flächenversiegelung, landwirtschaftliche Nutzung und durch den Abbau von Rohstoffen betroffenen Landschaftstypen, so Klaus Benedickt. In Hessen gibt es noch 32 dieser Gebiete, vorwiegend in der Rhein-Main-Region.

Das Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) Dudenhöfer Düne ist eines der wenigen Biotope am direkten Siedlungsrand, das dem gesetzlichen Schutz zum Erhalt seiner Artenvielfalt unterliegt. Die europäische Naturschutzrichtlinie bindet die FFH-Gebiete in das Natura-2000-Konzept ein, das eine Vernetzung von typischen Naturlandschaften zum Ziel hat.

Der nährstoffarme Boden bietet vorwiegend trockenheitsliebenden Pflanzen Raum. Josef Lach wies auf die Nelken hin: „Wenn diese im Frühsommer anfangen zu blühen, ist das hier eine wunderschöne farbig gestaltete Landschaft“. Heidenelke, Sandnelke, Silbergras, Sandmohn und Heidekraut sind Teil des seltenen und schützenswerten Lebensraums.

Angelockt von den Blühpflanzen, stellen sich in der Vegetationszeit Insekten wie Kreiselwespe, Walker, Sanddünenläufer und Stierkäfer ein. Sandnelke und Silbergras sowie die genannten Tiere stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Auf Interesse der Teilnehmer stieß die Pflege der Sandheide- und Sandrasenflächen. Die kürzlich erfolgte Mahd war deutlich zu erkennen. Dieses Vorgehen der öffentlichen Hand führte zu Diskussionen innerhalb der Wandergruppe über das beste Vorgehen. Josef Lach: Wenn es nicht gepflegt würde, entstünde ein Wald, wie vis-à-vis der Bahnlinie. Bestimmte Pflanzen erhielten ihren Raum nicht mehr. „Wenn wir die Landschaft so pflegen, wie wir sie schön finden, machen wir sie kaputt“, so der Nabu-Ehrenvorsitzende.

Regelmäßige Beweidung durch Schafe sowie maschinelles Mähen und Abtragen der oberen Bodenschichten im Herbst, tragen wesentlich zur Erhaltung der offenen Landschaft bei. Klaus Benedickt betonte die Notwendigkeit der Mahd: „Sonst hätten wir in zehn Jahren den Charakter dieser offenen Landschaft nicht mehr“.

Auch maschinelle Arbeit in Form von Gehölzreduktion oder Oberflächenabschabungen können den Anflug von nicht standorttypischen Bäumen und Büschen (Traubenkirsche, Robinie, Zitterpappel) verhindern. Düngung und chemischer Pflanzenschutz sind selbstverständlich nicht erlaubt, so Benedickt.

Ein anderes Bild der Dünenlandschaft konnten die Teilnehmer auf der Westseite der S-Bahnstrecke

wahrnehmen. Hier ist die Sanddüne von geschlossenem Baumbestand und Waldwiesen geprägt.

Die Reihe der Naturwanderungen des Nabu Rodgau wird am 19. Mai in Form einer Abendexkursion fortgesetzt. Auch dann sollen siedlungsnahe Kleinbiotope erkundet und zudem

der abendlichen Vogelwelt gelauscht werden. Wanderstrecke und Treffpunkt werden in der Presse und auf der Internetseite www.nabu-rodgau.de bekannt gegeben.

Zwischen der Bahnlinie und der Feldstraße prägen Sandmagerrasen und Sandheide, durchsetzt mit Bauminseln, das Bild der Vegetation. Kleinräumige Streuobstwiesen am nördlichen und südlichen Rand sorgen für ein abwechslungsreiches Landschaftsbild.

Die Neophyten Traubenkirsche und Goldrute stellen für offene Flächen immer wieder ein Problem dar, haben die Pflanzen aus Nordamerika doch einen sehr „einnehmenden“ Charakter und verdrängen heimische Arten.

Trotz der intensiven Siedlungserweiterungen am Rand, dem Ausbau der S-Bahnstrecke sowie der Freizeitfunktion kann der Artenschutz an der Gemarkungsgrenze zwischen Dudenhofen und Nieder-Roden erfolgreich betrieben werden.

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