Städtepartnerschaft: Fest mit Freunden aus Puiseaux und Hainburg „Europa ist mehr als Politik“

Mit Blasmusik zogen die geladenen Gäste vom Bürgerhaus zum Puiseauxplatz. Musiker aus Dudenhofen und Nieder-Roden führten den Festzug an. Bild: -

Nieder-Roden – So schön kann Europa sein: Ein Fest mit Freunden feierten Rodgau und seine Partnerstädte am Wochenende. Mehr als 100 Gäste aus Frankreich, Österreich, Belgien und Kroatien erlebten ein pralles Programm. Und die Einheimischen feierten fleißig mit. Wer alles auskosten wollte, war allein am Samstag neun Stunden lang auf den Beinen.

„Ein Stadtfest, wie wir es schon lange nicht mehr hatten“, hatte Bürgermeister Max Breitenbach gegen 14 Uhr auf dem Puiseauxplatz versprochen. Mehr als 30 Vereine und Gruppen beteiligten sich an der Vereinsmeile und an dem eng getakteten Bühnenprogramm. Nach Sonnenuntergang feierten Hunderte zur Musik der Rodgauer Partyband „Doctor Blond“. Die Helfer der Vereine hatten alle Hände voll zu tun, die Gäste zu bewirten.

Seit 50 Jahren ist Rodgau mit Hainburg (Österreich) und Puiseaux (Frankreich) verschwistert. Damals, 1974, war Nieder-Roden noch eine selbstständige Gemeinde. Die Städtepartnerschaften seien als Bausteine des Friedens entstanden, sagt Erwin Matl von der Hainburger Autorenrunde: „Wenn man sich die Urkunde von damals anschaut, dann glaubt man, sie ist heute geschrieben.“

Das Doppeljubiläum sei „der beste Beweis, dass Europa mehr ist als Politik“, sagte die hessische Europa-Staatssekretärin Karin Müller beim Festakt im Bürgerhaus. Auch andere Redner unterstrichen die Bedeutung offener Grenzen und freundschaftlicher Begegnung. Von einer Brücke über eine Distanz von 750 Kilometern sprach Johannes Gumprecht (23), der in Hainburg als Stadtrat für Bildung zuständig ist. Die Brüderlichkeit und Einheit Europas stellte Erster Stadtrat Alain Nebout aus Puiseaux in den Mittelpunkt seiner Rede.

Heiterkeit erntete Nebout mit seiner Bemerkung, die Franzosen seien stolz darauf, den Deutschen beigebracht zu haben, dass man beim Frühstück sein Marmeladenbrot in den Milchkaffee tunken kann.

Bereits am Freitag hatten Jugendfußballer der SG Nieder-Roden und des AS Puiseaux ein Freundschaftsspiel ausgetragen. Wegen des Altersunterschieds gewann die SGN mit 12 : 6. Bei der Siegerehrung im Frankfurter Eintracht-Stadion gab es für jede Mannschaft einen Pokal. Jens Treff, der die Jugendbegegnung organisierte, hofft, dass sich daraus neue Freundschaften entwickeln.

Den Freitagabend verbrachten alle Gäste und Gastgeber in freundschaftlicher Atmosphäre auf dem Gelände des Strandbads. Neben den Jubilaren aus Puiseaux und Hainburg waren auch die Partnerstädte Nieuwpoort (Belgien) und Donja Stubica (Kroatien) vertreten.

Hans-Peter Hermann, der Vorsitzende des Arbeitskreises Partnerschaft mit Hainburg, zeigte sich glücklich darüber, dass sich die Menschen aus allen fünf Städten so gut verstehen. Dafür lohne sich jede Anstrengung.

Früher hatte Rodgau sogar noch eine weitere Partnerstadt: Udenhout (Niederlande). Ehrenbürger Paul Scherer, der in 18 Jahren als Bürgermeister viele Begegnungen miterlebt hat, ist dort nach wie vor ein gern gesehener Gast. Erst kürzlich, so erzählt er, habe er wieder eine Einladung des dortigen Musikvereins erhalten.

Viel Lob erhielt die Stadtverwaltung für die Organisation des Wochenendes. Ehrenamtliche allein hätten das nie geschafft, sagte Andreas Spott von der Partnerschaft Nieder-Roden/Puiseaux. Die Kulturagentur hatte viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung investiert – und viel Geld: Ohne staatliche Zuschüsse aus dem Programm „Zuhause im Zentrum“ wäre das Fest in diesem Umfang wohl nicht möglich gewesen.

Von Ekkehard Wolf

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