Kiosk ist am 31. Mai letztmalig geöffnet Institution in Rollwald schließt ihre Pforten

Jahrzehnte lang war er ein Anlaufpunkt für den schnellen Einkauf im Süden Rodgaus. Der Rollwald-Kiosk schließt nun seine Türen, seit Anfang der 1970-er Jahre gab es dort Lebensmittel, Zeitungen, Zigaretten und Vieles mehr. Foto: Pulwey

Rodgau (pul) – Morgen, am 31. Mai, öffnet der Rollwald-Kiosk zum letzten Mal seine Pforten. An der Ecke Rhönstraße und Rosenring endet damit ein Stück Rollwälder Kulturgeschichte. In dem kleinen Einkaufsparadies besorgten sich die Bürger seit Anfang der 1970-er Jahre alles Lebensnotwendige.

Bereits 1971 als Kiosk gebaut, war er Anlaufstelle für die schnelle Besorgung zwischendurch. Zunächst für ein Jahr vermietet, stürzte sich danach die Eigentümerin Edeltraud Köhler in die Selbstständigkeit. Sie gab den 30 Quadratmetern ihren eigenen Anstrich und bot vom Frühstücksbrötchen bis zum Schnürsenkel und Schuhputzmaterial alles, was der Rollwälder für sein Leben brauchte.

Es herrschte Arbeit von der Früh bis zum späten Abend. „Ich ging mit Zuversicht in die neue Beschäftigung“, blickt Edeltraud Köhler heute auf die Anfangszeiten zurück. Sie kannte viele Leute, und Erfahrung mit Kunden hatte sie aus der Beschäftigung in der Metzgerei Keller mitgebracht. Bereits am ersten Tag war ein Umsatz von 300 D-Mark in der Kasse.

Zunächst die ganze Arbeit alleine gestemmt, kamen in den Jahren auch stundenweise Hilfen hinzu.

Selbst mit gebrochenem Arm stand Edeltraud Köhler zwischen ihren Verkaufsständen. Unterstützung bekam sie in jener schweren Zeit von einem Kunden, der mit ihr zum Einkauf in den Großhandel fuhr und ihr dort den Einkaufswagen schob - ein Beweis für die enge Kundenbindung am Rollwälder Kiosk.

Im Lauf der mehr als 46 Jahre sammelten sich lustigen Anekdoten an. So freute sich eine japanische Delegation aus dem nahe gelegenen Hotel über den ersten Apfelwein ihres Lebens. Allen Klischees folgend, zückten die Asiaten ihre Kameras und schossen Erinnerungsfotos.

Sogar Gäste aus dem Showbusiness durfte Edeltraud Köhler bedienen. Eines Morgens öffnete der als Butler des Showmasters Hans-Joachim Kulenkampff bekannte Schauspieler Martin Jente die Tür, und bat um die Tageszeitung.

Ein anderes Mal fuhr Edeltraud Köhler einen Gast nach Hause, der bereits vor dem Besuch am Kiosk zu tief ins Glas geschaut hatte. Für diesen Dienst am Nächsten erhielt Edeltraud Köhler allerdings nicht den verdienten Dank, sondern eine Standpauke von der Gattin des Kunden.

Bis Januar 1995 hatte Edeltraud Köhler ganz vorne die Fäden in der Hand. Auch über diesen Zeitpunkt hinaus arbeitete sie noch im Hintergrund mit. „Wir hatten alles an Lebensmitteln da“, betont sie beim Rückblick auf die Anfangszeiten. An manchen Tagen gingen sage und schreibe 1 000 Brötchen über die Ladentheke.

Der Kiosk entwickelte sich zu einer Anlaufstelle mitten in der Siedlung. Kommunikation wurde groß geschrieben, auch wenn so mancher Kunde früh morgens noch nicht allzu gesprächsbereit war. Aber selbst diese Hürde wurde locker übersprungen: Da sich die Menschen vor und hinter der Durchreiche gut kannten, wussten die Damen hinter dem Tresen ganz genau, was der einzelne Gast so alles am frühen eMorgen brauchte.

Vielleicht gibt es doch noch eine Nachfolge

Viele Worte mussten gar nicht gewechselt werden.

Nun ist die Zeit gekommen, um Lebewohl zu sagen.

Etwas Grund zur Hoffnung gibt es allerdings noch. Inzwischen hat sich ein Interessent gemeldet, der Nahversorgung und zwischenmenschliche Kontakte aufrecht erhalten und weiter pflegen möchte. Eine abschließende Entscheidung steht aber noch aus, so Köhler.

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