SAUERKRAUT Gewerbeverein praktiziert traditionelle Konservierungsmethode fast wie einst auf dem Bauernhof „Als Kinder haben wir das Kraut barfuß gestampft“

Mit vollen Händen mischen Erika Arlt und Berthold Schüßler die gehobelten und gewürzten Weißkohlstreifen. Fo: Prochnow Bild: -

Rodgau – Der Opa und sein Enkel drücken hölzerne Stampfer in Einmachgläser, andere Kinder und Erwachsene vorm Edeka-Markt an der Hegelstraße in Dudenhofen tun es ihnen gleich. Berthold Schüßler vom Gewerbeverein Rodgau hebt mit bloßen Händen Krautberge, kippt dann Wacholderbeeren und ein paar Lorbeerblätter in die Plastikbottiche. Was Kunden auf dem Weg in den Supermarkt in Staunen verharren lässt, war in der Heimat Schüßlers Herbstalltag.

Die Kohlköpfe waren schon geschnitten, Aufgabe der Kinder war es, das Kraut zu stampfen. Auf dem Hof der Eltern im unterfränkischen Hösbach packte die ganze Familie mit an, erzählt der Vorsitzende. „Der Vater hat geschnitten, die Mutter gewürzt und wir Kinder haben das Kraut barfuß in schweren Holzzubern gestampft.“ Das fertige Produkt ging an Metzger oder auf den Wochenmarkt.

Beim Sauerkrautfest im Gewerbegebiet ist’s eine Gaudi, vor allem für die jüngere Generation. Die Gastgeber haben Gläser bereitgestellt, das Angebot findet reißenden Absatz.

„Die Brühe nicht wegschütten“, mahnt der Boss. Sie wird aufs frische Kraut in den großen Eimern und Boxen geschüttet und verbessert das Aroma der hessischen Spezialität. „Kühl und sechs Wochen auf einem Teller lagern“, rät der Initiator den Stampfern, „es tritt noch Wasser aus dem Glas!“ Das sei innerhalb des Reifungsprozesses völlig normal.

Daheim haben sie die Köpfe noch mit einer elektrischen Krautschneidemaschine geschnitten, für die Aktion in Dudenhofen nutzen sie Ware von einer Konservenfabrik in Großostheim. Schüßler und seine Vorstandskollegin Erika Arlt, die sonst trockene Büroarbeiten erledigt, bereiten den Grundstoff in den größeren Behältern zu.

„Selbst zubereitet schmeckt es einfach anders als gekauft“, schwärmt der Sauerkraut-Fan.

500 Köpfe ergeben etwa 400 Kilogramm der gesunden Beilage. Um Kraut geht’s auch beim Kürbisfest am 22. Oktober.

Der Gewerbeverein sucht noch Dreierteams, die zu den hessischen Krautschneidemeisterschaften antreten wollen. Zu gewinnen sind Einkaufsgutscheine im Wert von 45, 90 und 150 Euro.

Von Michael Prochnow

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