Landwirte müssen schon im Frühjahr Felder beregnen

Das Land trocknet aus – Pflanzen brauchen Wasser

Klimawandel: Dan Fischer vom Sandhof in Jügesheim bewässert seine Felder. Unser Foto entstand vor Ostern, als es sehr trocken war. Foto: Pulwey

Rodgau (pul) – Der Regen an Ostern war für die Landwirtschaft Gold wert. Endlich bekamen die Pflanzen das, was sie zum Wachsen brauchen: Wasser. Die Monate davor erwiesen sich als sehr niederschlagsarm. Dies bestätigt auch Dan Fischer vom Sandhof in Jügesheim: „Es war ein trockener Winter“, bringt er die Fakten kurz und knapp auf den Punkt.

Seit Ende März liefen bei Dan Fischer vom Rodgauer Sandhof die Beregnungsanlagen. Obwohl letztes Jahr gefühlt viel Niederschlag fiel, zeigten die Statistiken gegenüber dem langjährigen Durchschnitt eine zu geringe Regenmenge an.

Ab November regnete es kaum noch. Und dieses Jahr scheint noch deutlich trockener zu werden. „Das Wetter ist unkalkulierbar geworden“, sagt Dan Fischer.

So sind Beregnungsanlagen für Landwirte wichtig geworden, aber auch eine Frage der Finanzen. Selbstredend gab es schon vor Jahrzehnten Trockenperioden. In den letzten Jahren scheinen diese aber häufiger einzutreten und länger anzuhalten. „Die Leute reden von Klimawandel“, fasst Dan Fischer zusammen, „ob von Menschen gemacht oder nicht, irgendetwas ist im Busch“. Da stellt sich die Frage: Was steckt dahinter?

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht auf seiner Internetseite die MitteltemperatureDeutschlands. Betrugen diese zu Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 noch 7,3 Grad waren es 2016 bereits 9,5 Grad Celsius. Darüber hinaus liegen unserer Redaktion Informationen vor, nach denen von den zehn wärmsten Jahren neun seit 1989 statt fanden. Den Wärmerekord hat das Jahr 2014 inne, auf Platz zwei kommt das Jahr 2015, auf Platz drei das Jahr 2000. In 2015 waren zehn der zwölf Monate zu warm. Im gleichen Jahr wurde in Unterfranken der deutsche Hitzerekord gemessen: 40,3 Grad.

Weltweit betrachtet war 2015 das wärmste Jahr aller Zeiten und der März 2017 war der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Einen Klimawandel bestätigt auch der promovierte Metereologe Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach: Es kommen zusehends mehr Wärmeextreme in unser Wetter, dafür gibt es Indizien. Allerdings werden die Kälteextreme nicht abnehmen, sagt der Fachmann. Somit sind Temperaturschwankungen wie in diesem Jahr (im März verhältnismäßig lange Zeit recht warm und dann im April erneut Nachtfrost) relativ normal, so Walter. Selbst der trockene Winter lässt sich nicht ohne weiteres dem Klimawandel zuschreiben: „Es müsste über einen langen Zeitraum signifikant trocken bleiben, um dies sagen zu können“. Die Kältephase nach Ostern könnte laut Walter eine Art vorgezogene Eisheilige sein.

Nun ließe sich leicht der Kopf in den Sand stecken und die Tatsache der Klimaerwärmung leugnen. Kanada und die USA haben sich dazu entschieden: Es gibt gar keinen Klimawandel, heißt es dort von oberster Stelle, ergo müssen auch keine Maßnahmen ergriffen werden. Hierzulande werden die Tatsachen der Veränderungen von der Regierung akzeptiert. Die schnell wirksamen Klimatreiber heißen Ruß, Ozon, Fluorkohlenwasserstoffe und Methan.

Verantwortungsvolle Menschen können sicherlich das eigene Verhalten infrage stellen. Muss der Fernseher laufen, auch wenn überhaupt niemand die Sendung schaut? Wird die Kühltruhe noch gebraucht oder lässt sich täglich auf frische Lebensmittel zurück greifen?

Neben der Stromproduktion entsteht auch im Straßenverkehr Kohlendioxid. Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. So sind Autofahrten für 20 Prozent des Kohlendioxidausstoßes hierzulande verantwortlich.

45 Prozent aller Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Wer körperlich gesund ist, könnte auf das Fahrrad umsteigen. Die nachfolgenden Generationen werden es danken und die Parkplatzsituation in den Innenstädten wäre dadurch sicherlich entlastet - von der körperlichen Fitness ganz zu schweigen.

Deutschland produziert pro Jahr 917 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Wie hoch dieser Wert ist, zeigt der Vergleich zu einem anderen wirtschaftlich starken Land: Auf Platz zwei in Europa liegt Großbritannien mit „nur“ 553 Tonnen.

Neben Kohlendioxid ist Methan für den Treibhauseffekt verantwortlich. Methan ist in den Permafrostböden der nördlichen Hemisphäre gebunden. Diese dauerhaft gefrorenen Böden befinden sich beispielsweise in Sibirien und Nordamerika.

Erwärmt sich die Luft durch den Klimawandel weiter, werden die Permafrostböden langsam aber sicher auftauen und mehr und mehr Methan freisetzen. Und dafür gibt es Anzeichen. Aber: Umso mehr Methan in der Luft ist, umso höher steigt die Temperatur. Ein Teufelskreis entsteht, der nicht mehr zu stoppen ist.

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