Projektwoche an der Georg-Büchner-Schule Ungewöhnlicher Unterricht

Michael Schäfer (rechts) und Henry Swoboda spannen das frisch produzierte Buch ein, um dessen Rücken fest zu verleimen. Bild: Pelka

Jügesheim – Schule lebt von guten Ideen. Die Georg-Büchner-Schule (GBS) ist sogar eine ganze Ideenwerkstatt. Gut 1 000 Jugendliche lassen in 56 Projekten ihrer Kreativität freien Lauf. Es wird gebastelt, gewerkt, getanzt, gekocht und musiziert.

„Bücher hält man sonst immer nur als fertiges Produkt in den Händen. Jetzt wollte ich unbedingt mal wissen, wie so ein Buch überhaupt entsteht“, begründet Ava Iser ihre Teilnahme am Projekt Buchbinderwerkstatt. Mit solchen Gedanken ist die Zwölfjährige nicht alleine. Auch ihre Schulkollegin Marla Frei lobt die kreative Seite dieses Angebots: „Man kann seine eigenen Ideen einbringen“, freut sich die Jugendliche und gestaltet weiter mit viel Geduld, Geschick und Fantasie den Deckel ihres Buchs.

Wie bei allen Angeboten der Projektwoche geht es auch in der Buchbinderwerkstatt um mehr als nur ums Handwerkliche. „Ich biete das den Schülerinnen und Schülern gerne an, weil sie dabei sehr exakt arbeiten und dran bleiben müssen. Papier verzeiht keine Fehler“, erläutert Lehrerin Ulrike Kellner, die an der GBS auch das Thema Berufsorientierung begleitet. Das Projekt streift also auch Fragen wie: Wo in unserem Alltag ist Papier unverzichtbar? Wie wird Papier produziert? Wie groß ist dabei der Wasserverbrauch? Mehrer Facetten hat auch das von Schulleiter Volker Hildebrandt und Ex-Hausmeister Tiberius Sebök begleitete Projekt im Saal neben der Buchbinderwerkstatt. Dort basteln die Jugendlichen Bumerangs. Dabei geht es nicht nur um Holzbearbeitung und darum, dass die Jungs und Mädchen verschiedener Altersstufen die Arbeitsschritte lernen, sondern auch um Physik. Warum fliegt das Ding einen Bogen? Das ist eine der Fragen, auf die der Kurs Antworten gibt. „Und wir befassen uns natürlich mit der Wurftechnik“, beschreibt Hildebrandt einen weiteren Inhalt. Dabei lernen die Teilnehmer im Jügesheimer Feld, wie sie typische Anfängerfehler vermeiden. „Bloß nicht waagerecht werfen, sondern so, dass der Bumerang senkrecht rotiert. Dann drückt ihn der Auftrieb zur Seite“, weiß der Schulleiter aus jahrelanger Erfahrung. Als Student in Frankfurt (Physik, Chemie) hatte er mit Bumerangs ein Schlüsselerlebnis. Der angehende Pädagoge Hildebrandt beobachtete seinen Professor und dessen Assistenten, wie sie sich an der Uni auf dem Freigelände im Bumerangwerfen übten. „Das hat mich tatsächlich fasziniert.“ Inzwischen gehören etwa 200 selbst gebaute Bumerangs zum Inventar in Hildebrandts Keller.

„Ich finde das spannender als die anderen Themen“, genießt Saleh Heydarikhatir den ungewöhnlichen Schulalltag. „Man hat am Ende etwas in der Hand, mit dem man spielen kann“, meint Schulkollege Arash Hamidi. „Und man kann der Familie zeigen, was man die ganze Woche so gemacht hat.“

Von Bernhard Pelka